Weltcup in Palma
Guter Start in die Olympiasaison

Die Flotte des Deutschen Segler-Verbandes glänzte wie selten bei der Trofeo Princesa Sofía: insgesamt sechsmal Top Ten, dreimal Podium

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 07.04.2012

MartinezStudio.es Simon Grotelüschen holte bei der Trofeo Princesa Sofía den Weltcupsieg

Der erste Streich gelang 2011 in Kiel, nun hat er zum Saisonauftakt der Olympiasegler zum zweiten Mal bei einem Weltcup triumphiert: Vor Palma de Mallorca gewann der Lübecker Lasersegler Simon Grotelüschen die Trofeo Princesa Sofía, verwies dabei den britischen Olympiasieger Paul Goodison souverän auf Platz zwei vor dem Australier Tom Burton. Rang fünf im Medaillenfinale reichte dem als Spitzenreiter in die letzte Runde gestarteten Deutschen zum Weltcup-Gold und wertvollen Erkenntnissen.

„Eigentlich mag ich keine leichten Winde in Verbindung mit hohen Wellen, also Bedingungen, wie sie zu Beginn der Woche herrschten. Ich bin selbst ein wenig überrascht, wie gut es hier für mich lief. Ich hatte mir zwar vorgenommen, mit einem guten Ergebnis in die Olympiasaison zu starten, weil man dann vielleicht in einen Lauf kommt, doch mit dem Sieg habe ich zumindest nicht gerechnet.“

Simon Grotelüschen kontrolliert
Im Medaillenrennen der Laser bekamen es die zehn besten Steuerleute am Samstag nach flauen Winden plötzlich mit 20 Knoten Wind zu tun. Grotelüschens Taktik ging aber auch unter veränderten Bedingungen auf. Dabei musste er vor allem ein Auge auf Goodison haben. „Der ist ja schließlich kein Mehlauge“, hatte der Jungstar vom Lübecker Yacht-Club noch vor dem Medalrace gescherzt. Und ihn dann gut im Griff gehabt: „Ich bin etwas besser als Paul vom Start weggekommen. Von da an habe ich ihn kontrolliert.“

Mit Rang fünf im Finale und seinem Sieg im Weltklassefeld hat sich Grotelüschen endgültig im Kreis der Medaillenanwärter für die Laserregatta der Olympischen Spiele etabliert. "Mein intensives Training hat sich ausgezahlt", so Grotelüschen, "dieser Sieg gibt mir ein gutes Gefühl für die Olympiasaison. Und auch die insgesamt guten deutschen Ergebnisse beflügeln."

Schadewaldt/Baumann im 49er unerwartet top
Einen Podiumsplatz sicherten sich auch die Kieler 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann, die mit konstanten Leistungen auf Platz drei gelangten. "Wir waren immer noch nicht schnell genug, konnten aber strategisch einiges rausholen", kommentierte Schadewaldt, „das Ergebnis ist weit über unseren Erwartungen ausgefallen. Wir freuen uns tierisch!“

Kadelbach/Belcher mit neuer Trainerin erfolgreich
Überraschend stark präsentierten sich die 470er-Seglerinnen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher nach den Querelen um ihre Nominierung für die Olympischen Spiele. In der über weite Teile von Leichtwind geprägten Serie segelten sie mit Rang vier im Finale noch auf Platz drei. „Wir haben seit Anfang des Jahres mit Ruslana Taran eine neue Trainerin, die selbst eine olympisch sehr erfolgreiche Seglerin ist. Seitdem wir systematisch mit ihr zusammenarbeiten, läuft es immer besser“, sagte Steuerfrau Kathrin Kadelbach, „die Teilnahme am Medalrace hatten wir uns schon erhofft. Dass es bis auf Platz drei geht, hat uns doch ein wenig überrascht, aber wir freuen uns natürlich sehr und werden in dieser Form konzentriert weiter arbeiten.“ Der vierte Platz von Kadelbach/Belcher im Medaillenrennen ist auch deshalb eindrucksvoll, weil es einen Einzelrückruf gab und die beiden Deutschen nach dem Start erst zur Linie zurückkehren und dann das Feld von hinten aufrollen mussten.

Mehr als ein Achtungserfolg gelang den jungen Berlinerinnen Annika Bochmann und Elisabeth Panuschka, die erst seit sechs Monaten an der Vorschot segelt. Das Duo belegte nach der überraschenden Qualifikation für das Finale Platz neun. Eine rabenschwarze Serie dagegen erwischten Tina Lutz und Susann Beucke, die den Weltcup vor Mallorca als 35. beendeten.

Im Starboot Polgar/Koy vor Favoriten Stanjek/Kleen
Für die Starboot-Vizeweltmeister und Olympiakandidaten Robert Stanjek und Frithjof Kleen aus Berlin kam das Weltcup-Aus bereits vor dem Medaillenfinale, weil sie mit Platz 14 den Cut verpasst hatten. "Natürlich wären wir gern besser gewesen", sagte Steuermann Stanjek, „aber für uns stand das Ergebnis in der Aufbauphase zu den Olympischen Spielen nicht im Vordergrund.“ Frithjof Kleen erklärte: „Das ist vielleicht auch ein sinnvoller Dämpfer für alle, die mit Blick auf uns ständig über olympische Medaillen sprechen. Nun stehen wir nicht mehr ganz so im Vordergrund. Das kommt uns entgegen. Auch deshalb, weil diese junge deutsche Mannschaft insgesamt so toll gesegelt ist. Darüber haben wir uns mit allen sehr gefreut.“ Johannes Polgar und Markus Koy aus Hamburg beendeten die Serie als Vierte.

Zwei weitere designierte Olympiateams dagegen hatten wenig Grund zum Jubeln: Die bayerischen 470er-Segler Ferdinand Gerz und Patrick Follmann fielen nach großartigem Auftakt noch auf Platz 22 zurück, mussten ihren Teamkameraden vom Audi Sailing Team Germany Jasper Wagner und Dustin Baldewein (18.) sogar den Vortritt lassen. Auch Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz dürfte mit Platz 35 nicht zufrieden sein. In der Paralympics-Klasse 2.4mR erreichten Heiko Kröger aus Kiel und Lasse Klötzing aus Berlin die Plätze sieben und neun und fügten der gesamtdeutschen Bilanz beim Weltcup zwei weitere Top-Ten-Platzierungen hinzu.

Positives Fazit aus DSV-Sicht
DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner zog auf Mallorca entsprechend positiv Bilanz: „Wir haben Vertrauen in die Arbeit unserer Trainer und unserer Aktiven und lassen uns da auch nicht vom Weg abbringen. Wir sind weitgehend sehr zufrieden mit den Leistungen und Ergebnissen hier, auch wenn in der einen oder anderen Klasse noch einiges nachgearbeitet werden muss.“

Für eine kleine Überraschung sorgte Finnsegler Matthias Miller, der erst im vergangenen Jahr eine Last-Minute-Olympiakampagne angekündigt hatte und sich nun von Regatta zu Regatta steigert. Mit Platz neun demonstrierte der Laupheimer in spanischen Gewässern, dass er das Zeug dazu hat, bei der Weltmeisterschaft im Mai doch noch seine Olympiafahrkarte zu lösen. Dafür muss Miller unter die besten sechs noch nicht qualifizierten Nationen segeln. „Seine Kurve steigt beständig nach oben“, so Stegenwalner.

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Themen: DSVHannes BaumannLaserOlympische SpielePalma de MallorcaSailing Team GermanySimon GrotelüschenTobias SchadewaldtTrofeo Princesa Sofia 2012

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