Regatta-News
Grand-Prix-Flotte der 60-Fuß-Tris komplett

Neue Segelmaschinen für Thomas Coville und Michel Desjoyeaux

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 10.07.2002

Der Start zur Route du Rhum (11. November 2002) rückt unerbittlich näher. Zwar ist der Kalender voll mit Regatten für Hightech-Tris. Aber der eigentliche Höhepunkt für sämtliche Extrempiloten ist die alle vier Jahre stattfindende Einhandhatz von St. Malo nach Guadeloupe.

Und einige Skipper lassen deswegen einfach die kleineren Grand-Prix-Events aus und stecken lieber Zeit in eine gründlichere Vorbereitung der langen Strecke Route du Rhum. Einer von ihnen ist Michel Desjoyeaux. Sein Tri "Géant" ist erst jetzt fertig geworden. Wie zur Bestätigung der Notwendigkeit einer intensiven Bauphase musste fast ein Dutzend Tris die Langstrecke "Course du Phares" (Calais- Lissabon-Calais) im Frühjahr mit Schäden abbrechen. Unter ihnen die neue "Bayer Cropscience" von Fred le Peutrec, das Nachfolgeboot der legendären "Primagaz" von Laurent Bourgnon. Trotz oder gerade wegen zahlreicher Innovationen an Bord ist ihr Kaltstart nicht gelungen.

So etwas soll Michel Desjoyeaux nicht passieren. Der Vendée-Globe-Sieger hat nicht grundlos den Branchennamen "Der Professor" erhalten: Er lernt so lange, bis er mehr weiß als seine Konkurrenz, gibt aber Gelerntes auch gern an "Schüler" weiter. Eine Menge Neuerungen im Yachtdesign gehen auf des "Professors" Konto, zum Beispiel der Pendelkiel. Er gründete außerdem eine Werft: CDK Composites, die sein Bruder Hubert heute führt. Desjoyeaux wohnt im bretonischen Port la Fôret, ganz in der Nähe der Werft.

Kein Wunder also, dass sein neues Gefährt unter Michels Aufsicht bei CDK entstanden ist. "Géant" ist eine Konstruktion von Marc van Pétéghem/ Vincent Lauriot Prévost. Die einzelnen Komponenten wie Rümpfe oder Beams sind jedoch in verschiedenen Negativformen existierender Tris gebaut worden. Dass die Plattformen quasi "zusammengestückelt" werden, ist in der Klasse durchaus üblich. So haben "Géant" und Jean Le Cams "Bonduelle" den gleichen Mittelrumpf, die Beams sind mit denen von Alain Gautiers "Foncia" identisch.

Die Struktur des Renners folgt dem klassischen "X-Layout" , das bedeutet, dass die Beams jeweils stark nach vorn und nach achtern gepfeilt sind und der Travellerschlitten auf einem kleinen Extrabeam hin- und hersaust. Dieses Layout konzentriert das Gewicht mehr zur Mitte des Schiffes hin, und der Steuermann sitzt geschützter. "Sicherheitsrelevante Überlegungen werden bei diesen Schiffen immer wichtiger", so Desjoyeaux angesichts der Tatsache, dass moderne Tris zunehmend schneller werden. 20 Knoten Speed am Wind sind normale Marschfahrt für diese Maschinen, die mindestens drei Millionen Euro kosten.

Thomas Coville ist weiterer glücklicher Skipper, der einen Hightech-Tri einwassern konnte. Am Wochenende war es so weit, und Covilles neue "Sodebo" wurde ins Wasser gekrant. Der Skipper, der bereits beim America?s Cup, bei der Vendée, beim Figaro und beim Minitransat gesegelt ist und außerdem die Jules-Verne-Trophäe erhalten hat, gilt als einer der erfahrendsten überhaupt. Eigens für die neue "Sodebo" (Covilles Vendée Open 60 trug bereits denselben Namen) hat das Team viele neue Negativformen gebaut, anstatt die der Konkurrenz zu benutzen.

Zahlreiche Innovationen finden sich auch an Bord von "Sodebo", die nach einem Hersteller von tiefgefrorener Pizza in der Vendée-Region benannt ist, aber: "Thomas? Plan ist, im ersten Tri-Jahr nicht allzu viel technisch Neuartiges auszuprobieren", meint Co-Designer Lauriot Prévost.


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Themen: 60-Fuß-TriGrand-PrixMichel DesjoyeauxNeuheitenThomas Coville

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