Regatta-News
Global Challenge: Weihnachtsgrüße aus dem Südpazifik

Die Bremerhavenerin Birgit Obermüller berichtet von Bord der "Me to you"

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 23.12.2004

Challenge Business Ltd. Weihnachtsgrüsse von der "Me to you"

Die zwölf baugleichen Yachten der Amateur-Rund-um-die-Welt-Regatta Global Challenge haben die Hälfte der Seemeilen auf der zweiten Etappe von Buenos Aires nach Wellington hinter sich.

Ein Zwischenbericht von der einzigen deutschen Frau in der Flotte, Birgit Obermüller:

Wir haben den "waypoint alpha" (52 Grad Süd und 120 Grad West) umrundet, der in mancherlei Hinsicht einen Wendepunkt darstellt. Die harschen und eisigen Gefilde des Southern Ocean liegen hinter uns, und wir haben eine Menge neuer Eindrücke gewonnen - und eine Menge Respekt vor den Seefahrern, die vor uns diese Route genommen haben. Die stürmischen Tage mit meterhohen Wellen, Brechern, die aufs Vordeck klatschen und das Arbeiten sehr erschweren, die Hände eisig werden lassen und mich mehr als einmal von den Füßen geholt und mich gegen die Netze gespült haben, waren so, wie ich es erwartet hatte: enorm, eindrucksvoll, kraftgeladen und auch manches Mal angsteinflößend.

Aber es gab zu unserer Verblüffung auch ruhigere Tage, an denen die Genua und ein paar mal auch die Spinnaker das Tageslicht erblickten. In diesen Situationen hatten wir Gelegenheit zum Durchatmen und Ausruhen nach sehr anstrengenden Wachen mit bis zu vier oder fünf Segelwechseln und dreimal Reff rein- und wieder rausmanövrieren. Meine Mitsegler und ich sind froh, dass wir's geschafft haben, und auch ein wenig stolz, dass wir uns dieser Herausforderung gestellt haben.

Nun nach "alpha" sind die Temperaturen merklich milder und die Nächte wieder dunkler und länger (bei 60 Grad Süd gab's nur ein paar Stunden Dämmerlicht), aber auch die leichten Winde sind zurückgekehrt, die uns so sehr zu schaffen machen und in denen wir immer viel Boden an andere Yachten verlieren, ohne bisher wirklich rausgefunden zu haben, warum. Wir trimmen pausenlos die Segel, arbeiten hart, und dann ist ein schlechter Sechs-Stunden-Report ziemlich niederschmetternd. Immerhin, bis vor wenigen Tagen hielten wir uns eisern in Führung der Verfolgergruppe. Wir haben ja noch 2800 Meilen bis Wellington zu segeln, sodass wir uns hoffentlich wieder nach vorn kämpfen können.

Und "alpha" hat auch die Weihnachtsdekorationen hervorgebracht. Der Salon ist mit viel buntem Lametta und kleinen Christbaumkugeln geschmückt. Für meinen Geschmack ein wenig zu farbenfroh, aber bei dem ewigen Grau in Grau, das seit Wochen draußen herrscht, tut ein Farbtupfer ganz gut. Das Tannenbäumchen auf unserer "Me to you" ist für ein Plastik-Immitat ganz hübsch. Sogar der Vorbau ums Steuerrad hat seine goldenen Lamettaschlangen abbekommen. Weihnachtssongs trällern auch durchs Boot, und nun fehlen nur noch das Menü und die Geschenke.

Jeder durfte 500 Gramm mehr Luxusartikel mitnehmen als auf den anderen Etappen, und wir machen so eine Art Wichteln, bei dem jeder ein Geschenk erhält. Irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr sollen wir die Datumsgrenze überschreiten. Find ich ganz schön seltsam, dass wir dann einfach so einen Tag verlieren, na, wenn das mal bloß nicht Silvester oder Neujahr selbst wird. Wir passen unsere Bordzeit schon Neuseeland-Zeit an und haben jede Woche einen 26-Stunden-Tag. Auch das war am Anfang für mich ungewöhnlich, dass wir unsere eigene Zeit bestimmen können. Uns allen geht's gut, und wir freuen uns auf die kommenden zwei Wochen auf dem Weg nach Neuseeland. Frohe Weihnachten an alle auf See und zu Hause am Kamin - und ein Gutes neues Jahr wünscht die
Crew der "Me to you".
(Birgit Obermüller)


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Themen: Global Challenge

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