Regatta-News
Global-Challenge-Flotte an Kap Hoorn vorbei

On-Board-Bericht von Birgit Obermüller

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 10.12.2004

challenge business Birgit Obermüller (2. von links) und ihre Crew feiern Kap-Hoorn-Rundung

Die zwölf baugleichen Yachten der Global Challenge haben auf ihrer zweiten Etappe von Buenos Aires nach Wellington Kap Hoorn passiert. In Führung liegt derzeit die "Spirit of Sark" mit dem Deutschen Jürgen Dieris (Kempen/NRW).

Knapp 4.000 Seemeilen müssen die Amateur-Segler noch zurücklegen, bis sie auf ihrer Rund-um-die-Welt-Regatta gegen die vorherrschenden Winde zum zweiten Mal anlegen dürfen. Nach Buenos Aires wird es dann die neuseeländische Stadt Wellington sein, wo sich die Crews von den Strapazen erholen dürfen, bevor es dann auf der relativ kurzen dritten Etappe weitergeht nach Sydney.

Nach zwei Wochen auf See ist die zweite Renn-Etappe hart umkämpft. Noch immer segeln die Schiffe vom Ersten bis zum Letzten mit nur 175 Meilen Abstand. Die drei ersten Crews trennen gar nur 29 Seemeilen voneinander. Ganz vorn segelt die "Spirit of Sark" mit dem Deutschen Frank Dieris. Der zweite Deutsche im Rennen ist Holger Bindel. Der Thüringer segelt auf der "BP Explorer" an vierter Position. Ihm im Nacken, mit nur 70 Meilen Rückstand auf die Spitzenposition, sitzt Birgit Obermüller, einzige und erste deutsche Frau bei der Global Challenge.

Von ihr erreichte uns heute ein On-Board-Bericht, den sie auf der "Me To You" verfasste:

Ich bin heute einigermaßen ausgeruht, weil wir endlich mal wieder stabilen leichten Wind (15 bis 19 Knoten) und Sonnenschein haben. Kap Hoorn haben wir am Montagabend im Kielwasser gelassen. Ich hatte das Glück, Wache zu haben und habe den magischen Felsen deshalb ausgiebig bestaunen können. Wir hielten uns bei der Rundung ziemlich weit südlich, um einem starken Tief auszuweichen, aber haben das Kap doch gut sehen können und auch Fotos gemacht. Wind war so zwischen 28 und 34 Knoten, also nicht zu schlimm. Seither bläst er uns aber ordentlich um die Ohren, immer ein bis zwei Tage superheftig und dann wieder ein bis zwei Tag ruhiger zum Luftholen und Kräftetanken.

Die Wachen sind sehr anstrengend, wir müssen oft innerhalb der vier oder sechs Stunden alle Segel rauf oder runter wechseln und alle Reffs rein oder rausmachen. Wir sind dann so fertig, dass wir nur noch schlafen wollen. Die Kälte (Windstress) kriecht einem auch in den Anzug, obwohl die Ausrüstung, die wir haben, super, ist (klasse Drysuites und Thermo-Unterwäsche). Wenn man sich nicht bewegt, kühlt man jedoch innerhalb einer halben Stunde aus. Das Anziehen ist auch eine Qual. Dauert 20 Minuten, und ständig ist einer im Weg.

Durch spektakuläre See, heute mit super Sonne und tollen Farben, werden wir jedoch für unsere Mühen reichlich belohnt, und die Schönheit des Southern Ocean ist nicht nur mir als Biologin aufgefallen. Ich bin trotz der Strapazen, eiskalter Hände und Füße und zu wenig Schlaf immer aufs Neue von dieser Tour begeistert. Am besten ist natürlich unsere Position (zwischen 4 und 5) und unser Boatspeed, meist mit das schnellste Boot in der Flotte. Das ist super für die Stimmung an Bord! Meld mich wieder in einer Woche, viele Grüße von 60 Grad Süd (… hoffe, wir biegen bald ein wenig nach Norden ab, sonst begegnen wir noch Eisbergen).


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Birgit ObermüllerGlobal-ChallengeKap Hoorn

Anzeige