Regatta-News
Global Challenge: Deutscher Sieger bei der vierten Etappe

Amateursegler bezwingen zum zweiten Mal den Southern Ocean

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 13.04.2005

Hartes Rennen im Southern Ocean

Nach 37 Tagen, 9 Stunden und 24 Minuten auf See gewinnt Jürgen Dieris aus Kempen/Rheinland mit der Yacht "Spirit of Sark" die vierte und schwerste Etappe der Global Challenge 2004/05.

Damit hat es das Team um den Deutschen geschafft, beide stürmischen Etappen, die durch den südlichen Pazifischen Ozean (Buenos Aires-Wellington) und den südlichen Indischen Ozean (Sydney-Kapstadt) führten, zu gewinnen. Der Abschnittssieg war nicht vorhersehbar, denn während der gesamten Etappe lag die "Spirit of Sark" lediglich im vorderen Mittelfeld. In den letzten drei Tagen jedoch konnte die Crew zeigen, dass sie nicht nur mit kräftigen Stürmen, sondern auch mit Flauten umgehen kann. Bei ruhiger See und Bootsgeschwindigkeiten von teilweise unter 0,2 Knoten zeigte das Team seglerisches Können, nutzte zudem die lokalen Strömungen so gut aus, dass es sich an die Spitze der Flotte setzen konnte. In der Gesamtwertung arbeitete sich die Crew somit vom vierten auf den zweiten Rang vor.

Am 1. Mai beginnt für die zwölf baugleichen 72-Fuß-Stahlyachten die fünfte Etappe der Amateurregatta rund um die Welt gegen die vorherrschenden Winde von Kapstadt nach Boston/USA. Von dort müssen die Crews dann über den Nordatlantik nach La Rochelle/Frankreich segeln, bevor es in einer viertägigen Sprintetappe zurück nach Portsmouth/England geht. Mit an Bord auf den zwölf Yachten sind neben Jürgen Dieris noch zwei weitere Teilnehmer aus Deutschland: Holger Bindel aus Thüringen auf der "BP Explorer" und Birgit Obermüller aus Bremerhaven auf der "Me To You".

Den zweiten Rang der Etappe nach Kapstadt erkämpfte sich eben der genannte Thüringer Holger Bindel mit der Crew der "BP Explorer". Nach über 37 Tagen auf See überquerten sie nur 49 Minuten nach der "Spirit of Sark" die Ziellinie unterhalb des Tafelbergs in Kapstadt. Mit diesem zweiten Platz sicherten sich Bindel und Crew mit zwei Punkten Vorsprung die Führung in der Gesamtwertung vor der "Spirit of Sark".

Gut 36 Stunden nach dem Einlaufen der ersten Yacht überquerte die Bremerhavenerin Birgit Obermüller mit "Me To You" die Ziellinie vor Kapstadt. Es war ein enttäuschender achter Platz, obwohl sie in den letzten 24 Stunden noch einen Platz gutmachen konnte. Schließlich war die Yacht am Anfang der Etappe zwei Tage lang an der Spitze der Flotte gesegelt. Noch stehen jedoch drei der sieben Etappen bevor und Birgit Obermüller befindet sich mit der "Me To You" auf dem derzeitigen Platz sieben in der Gesamtwertung noch in realistischer Reichweite von Platz vier. (Rainer Seifert)

Von Bord der "Me To You" berichtet Birgit Obermüller exklusiv für die YACHT:

privat Kämpft hart für ihr Ziel, die Welt zu umsegeln: Birgit Obermüller

Die letzten Tage bis zur Ankunft in Kapstadt waren noch ein richtiger Psychothriller. Der Wind schien mit uns zu spielen, mal gönnte er uns 6 bis 10 Knoten Bootsgeschwindigkeit, dann wieder lagen wir in totaler Flaute. Speed gleich null. Wir versuchten jeden Windhauch mit unserem Leichtgewichts-Spinnaker auszunutzen, aber oft flappten die Segel nervtötend herum. In den letzten 48 Stunden hatten wir noch über 70 Meilen zurückzulegen und Cape Town schien immer weiter weg zu rücken, statt näher zu kommen. Der dicke Nebel, der uns über diese gesamte Zeit immer wieder einhüllte, tat sein Übriges.

Nur kurz erhaschten wir zum Beispiel einen Blick auf die Lichter und Leuchtfeuer vom Kap Agulhas, und auch das Kap der Guten Hoffnung und der Tafelberg versteckten sich in der Suppe. Wir hätten sonstwo und nicht an der Südspitze Afrikas sein können, zum Greifen nah und doch unerreichbar.

Unser aller Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Am Mittwoch, den 6. April, hatten wir immer noch 50 Meilen vor uns und kamen teilweise nur mit 1.5 Knoten voran. Paradoxer bescherte uns gerade in diesen letzten Tagen die Natur ein regelrechtes Feuerwerk: Zuerst begleitete uns Montagnacht eine große Gruppe von Delfinen (um die 20 Tiere) rund eine Stunde lang, als wir eben mal wieder um die 8 Knoten machten. Wir sahen nur die phosphoreszierenden Umrisse, was faszinierend und ein wenig gespenstisch aussah. Wir bemerkten die vielen Fischschwärme, durch die wir mit unserer Yacht bretterten und denen die Delfine nachjagten zuerst gar nicht, weil wir so über das Schauspiel der Tümmler begeistert waren, die längsseits und am Bug entlang schwammen und sprangen. Das Wasser schien vom Meeresleuchten wie von einem Feuerwerk zu glühen.

Am Mittwoch entdeckten wir sogar drei Orcas nicht weit vom Boot. Auch diese hielten sich am reichen Fischvorkommen gütlich. Daneben stürzten sich Seevögel (Gannets und Kormorane) ins Meer, um ihren Anteil am Futter zu bekommen. Und dann gab's auch noch den wie ich fand spektakulärsten Sonnenuntergang der gesamten Etappe.

Das besänftigte unsere Nerven jedoch immer nur für kurze Zeit. Alles was wir wollten war Ankommen!

Am Vormittag des 7. April segelten wir endlich nach 40 Tagen und über 6000 Seemeilen als Achte über die Ziellinie. Wir waren nicht besonders glücklich über dieses Ergebnis, aber nach allen Kämpfen, Mühen, Anstrengungen, Problemen mit Verletzungen und Schäden am Boot (uns fiel fast noch das Rigg auf den Kopf, eine Metallplatte und ein Bolzen an der Steuerbordwante waren gebrochen) war der achte Platz das Beste, was wir rausholen konnten. Und jetzt zählt nur noch, dass wir es geschafft haben. Wir haben nun zum zweiten Mal den Southern Ocean bezwungen, uns durch Stürme, riesige Wellen und Eiseskälte gekämpft und jetzt nur noch warmes Wasser und sozusagen den Heimweg vor uns.

Das Beste an der Ankunft war neben Champagner, Bier und Burgern das "Spectator Boat" mit unseren Angehörigen Unter ihnen auch mein Freund und meine Eltern, die ich seit dem Start in Portsmouth im letzten Oktober nicht mehr gesehen habe. Unsere Lieben waren rausgefahren, um uns einen herzlichen Empfang zu bereiten. Klar haben wir dann ausgiebig unsere Ankunft begossen, und abends gönnte ich mir ein riesiges Steak.
Ich freue mich jetzt auf acht Tage Urlaub in Südafrika mit meiner Familie, Sonne, Strand, Relaxen, Weinproben und Ausflüge zum Kap, bevor mich die Vorbereitungen für die fünfte Etappe (nach Bosten) wieder ganz in Beschlag nehmen werden.

Viele Grüße aus Kapstadt,
Birgit Obermueller von der "Me To You"


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Themen: EventsGlobal ChallengeRegatta

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