Vendée Globe
Gentleman mit guter Seemannschaft

Im Heckwasser von Legenden wie Bernard Moitessier und Eric Tabarly ehrte der Cruising Club of America Vendée-Globe-Ritter Jean-Pierre Dick

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 23.05.2014

Jean Marie Liot/DPPI/Vendée Globe Jean Pierre Dick / Virbac Paprec 3

Jean-PIerre Dick zählt schon länger zu Frankreichs Lieblingshelden im Solosegeln. Jetzt wurde der Steuermann für seine außergewöhnliche Leistung im Vendée Globe 2012/2013 ausgezeichnet. Dick absolvierte die letzten 2643 Seemeilen (4254 Kilometer) seiner Weltumsegelung ohne Kiel und erkämpfte sich damit seinen hochverdienten vierten Platz.

Cruising Club of America Jean-Pierre Dick erhält die Rod Stephens Trophy

Jean-Pierre Dick wurde von James G. Binch mit der Rod Stephens Trophy geehrt. Der Vize-Admiral des Crusing Club of America sagte: "Die Rod Stephens Trophy ist ein besonderer Pokal. Er wird unabhängig von der Nationalität des Skippers, der Bootsklasse oder des Bootstyps vergeben. Er belohnt einen 'Akt guter Seemannschaft', erbracht auf allen Meeren. Es ist also eine große Ehre für den Cruising Club of America, Jean-Pierre Dick für seine Meisterleistung im Vendée Globe 2012 auszeichnen zu dürfen."

Jean-Pierre Dick äußerte sich sehr gerührt über die Auszeichnung: "Zu allererst möchte ich meine tiefe Dankbarkeit ausdrücken. Es bedeutet mir sehr viel, und ich bin sehr bewegt, die Rod Stephens Trophy heute Abend zu erhalten. Meine Geschichte wurde in der Welt des Hochseesegelns geschrieben. Es war sehr befriedigend, dass ich es geschafft habe, dieses Rennen trotz des Schadens am Boot zu beenden. Auf See ist Beharrlichkeit eine Stärke, die dir beim Überwinden von Schwierigkeiten helfen kann."

barcelonaworldrace.org Bei den Kollegen sehr beliebt: Jean-Pierre Dick, hier auf "Virbac Paprec 3" nahe der marokkanischen Küste

Dass der als "Gentleman"-Segler bekannte Dick das Rennen ohne Kiel zu Ende bringen konnte, hatte nach dem Kielverlust zunächst kaum ein Experte für möglich gehalten. Dennoch brachte Dick die schwer angeschlagene "Virbac Paprec 3" bei seiner dritten Vendée-Teilnahme mit einem gelungenen seglerischen Drahtseilakt nach insgesamt 86 Tagen, drei Stunden, drei Minuten und 40 Sekunden in den Zielhafen von Les Sables D'Olonne – für Dick das beste Vendée-Globe-Ergebnis seiner Karriere. Der zweimalige Gewinner des Zweihand-Rennens Barcelona World Race und dreimalige Sieger im Transat Jacques Vabre hatte 2012 im Vorfeld der Vendée Globe zu den Favoriten gezählt, wurde dann unfreiwillig als Vierter zum Sieger der Herzen. Den Sieg auf dem Wasser hatte sich Shootingstar François Gabart mit einer wie entfesselt gesegelten Runde um die Erde gesichert.

Jean Marie Liot/DPPI/Vendée Globe Hier segelten Jean-Pierre Dick und "Virbac Paprec 3" noch sorgenfrei

Jean-Pierre Dick hatte zunächst studiert und als Diplom-Kaufmann einige Jahre auf Management-Ebene in Unternehmen gearbeitet, bevor er sich für ein Leben als Offshore-Profi entschied. Der aus Nizza stammende Steuermann wurde 2011 in Frankreich zum Segler des Jahres gewählt und gilt als hartnäckiger, intensiv arbeitender Fairplayer. Über sein Vendée-Husarenstück, bei dem er nördlich von Spanien einen 48-Stunden-Reparaturstopp eingelegt hatte, erzählte Jean-Piere Dick: "Die Magie dieses Rennens besteht darin, dass du mittendrin stoppen und trotzdem noch einen guten Platz belegen kannst. Es erinnert mich an eine der Heldentaten Bruno Troublés (Red.: französischer Skipper und 'Vater' des Louis Vuitton Cups). Der hat einmal ein Rennen gewonnen, obwohl er eine ganze Nacht in zu starken Mistralwinden vor Anker liegen musste. Als ich bei Spanien vor Anker lag, habe ich als erstes Bruno angerufen und versucht, es ihm gleichzutun."

Thornado "Virbac Paprec 3" beim Reparaturstopp

Die Trophäe hatten vor Jean-Pierre Dick schon berühmte Landsleute wie Alain J. Gerbault (1923), Eric Tabarly (1964) und Bernard Moitessier (1966) erhalten. Sie ist nach Roderick "Rod" Stephens benannt und erinnert an den ehemaligen Präsidenten des renommierten Konstruktionsbüros Sparkman & Stephens.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Bernard MoitessierÉric TabarlyJean-Pierre DickRod Stephens TropyVendée Globe

Anzeige