Portimão Global Ocean Race
Geht’s jetzt denn endlich wieder los?

Tagelang quälten sich Boris Herrmann und Felix Oehme durch die Hochdruckgebiete entlang des 45. Breitengrads. Nun aber wird es wieder spannend

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 05.03.2009

PGOR Flotillensegeln nach 1700 Meilen: Die Class-40-Racer warten auf Wind - und einen "Neustart"

Die Ausläufer eines weiter südlich liegenden Sturmtiefs werden schon heute das Feld der Class-40-Yachten erreichen. Damit dürfte die Zeit der tiefen einstelligen Geschwindigkeitswerte zu Ende gehen. "Beluga Racer" hofft, als Erste das Wertungstor zu passieren

Was für eine Regatta! Als hätten sich alle Hochdruckgebiete verabredet, auf der halben Länge des Eistores für Flaute zu sorgen. Nicht dass es an Tiefs Mangel gäbe im Pazifik. Aber ausgerechnet auf der vermeintlich härtesten Etappe rund Kap Hoorn war bisher wenig Gleitfahrt angesagt.

Immerhin: Der Leichtwindgürtel hat dafür gesorgt, dass es 1.700 Seemeilen nach dem Start in Wellington im Prinzip noch mal von vorn losgeht. "Wir liegen zwei Wochen im Rennen, und die Abstände sind geringer als nach der ersten Stunde", resümmierte Boris Herrmann.

Der Skipper der "Beluga Racer" hat mit seiner Akilaria 40 leichte Nachteile bei WInd unter 6 Knoten gegenüber den lange führenden Chilenen auf "Desafio Cabo de Hornos". Dennoch gelang es ihm zusammen mit seinem Co-Skipper Felix Oehme, einen Rückstand von 50 Seemeilen auf derzeit nur noch 2 Seemeilen zu verkürzen. Damit sind sie an Position 2 und halten alles offen.

Mehr noch: Die Deutschen segeln taktisch klug. Sie sind in der Nacht am weitesten nach Norden geklettert, wo der Wind tendenziell besser war. Zwar werden die weiter südlich stehenden Boote aus dem Tief vermutlich zuerst mehr Druck bekommen. Ihr Winkel wird aber stumpfer sein, da mit West zu rechnen ist und nach Süden hin das Eistor die Optionen begrenzt. "Beluga" kann also mehr anspitzen.

Beluga Racer Ermüdende Flauten: Mit dem Schwachwind ist es in Kürze vorbei. Jetzt müssen Felix (Foto) und Boris sich und ihr Boot auf Sturm vorbereiten

Zum Wochenende hin ist noch mit weitaus mehr Wind zu rechnen. Es werde sie "typisches Southern Ocean Wetter erwarten", sagt Boris Herrmann. "Bin schon ganz heiß drauf, mal wieder richtig loszulegen. Kurz vorm Gate werden wir versuchen, uns vor zu mogeln und die Punkte einzusammeln".

Das langsame Segeln hat nicht nur Zeit, Nerven und Proviant gekostet. Auch das Unterwasserschiff trägt schon Spuren des langen Treibens. Durch die Inspektionslöcher im Rumpf ist an Kiel und Ruderblättern bereits leichter Bewuchs zu erkennen.

Boris und sein Co-Skipper Felix Oehme freuen sich daher auf schnellere Raumschots-Ritte und Etmale im hohen 200sm-Bereich. Vorher müssen Sie aber noch umstauen. Aller beweglicher Ballast war die letzten Tage über im Vorschiff untergebracht, um das Heck zu entlasten und einen sauberen Wasserabriss zu gewährleisten. In den kommenden Tagen werden Proviant, Kleider und Segel dagegen nach achtern wandern und nach Luv.

Dann kann das Wertungstor kommen — und danach Kap Hoorn.


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Themen: BelugaBoris HerrmannClass 40Kap HoornOehmePortimão

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