Regatta-News
Gäbler zum fünften Mal bei Olympia

Gäbler/Struckmann im Tornado und Surfer Toni Wilhelm haben Olympiafahrkarten gelöst. Auch Amelie Lux (Kiel) ist nach dramatischer Entscheidung so gut wie in Athen

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 19.04.2004

Roland Gäbler

Deutschlands erfolgreichster Tornado-Segler aller Zeiten wird zum fünften Mal bei Olympischen Spielen starten. Mit Platz zwölf bei der Weltmeisterschaft vor Arenal (Mallorca) haben sich Roland Gäbler (Tinglev) und Gunnar Struckmann (Kiel) am Sonntag ihr Ticket nach Athen ersegelt.

Ihre Rivalen Johannes Polgar und Carsten Happel (beide Kiel), die am Finaltag noch geringe Aussichten hatten, dem Altmeister die Fahrkarte wegzuschnappen, überschlugen sich bei stürmischen 7 Windstärken direkt vor Gäblers Augen und wurden insgesamt nur 14.

Überlegene neue Weltmeister sind die Argentinier Santiago Lange und Carlos Espinola. Lange ist ein ehemals mittelmäßiger Laser-Segler, Espinola der Silbermedaillengewinner im Surfen. Auf Platz zwei landeten die Amerikaner Lovell/Ogletree punktgleich vor den australischen Superstars Bundock/Forbes. Die österreichischen Gold-Gewinner von Sydney enttäuschten auf Platz neun.

"Wir sind super glücklich, dass wir es nach dem Fehlstart zu Beginn der WM-Woche jetzt geschafft haben", jubelte Gäbler. Die erste Analyse des 39-jährigen: "Wir haben durch Jojo und Carsten schon unter Druck gestanden und sind taktisch nicht gut zurechtgekommen. Im vierten Rennen verloren wir in wenigen Sekunden 20 Boote auf einen Schlag. Dass da die Stimmung endgültig im Keller war, ist nur menschlich. Aber ein Team wird erst richtig zusammengeschweißt, wenn es mal durch eine Krise geht."

DSV-Sportdirektor Hans Sendes gratulierte zur Qualifikation: "Roland hat sich mit seiner Erfahrung und seinem neuen Vorschoter wieder einmal durchgesetzt. Das ist schon beeindruckend." Enttäuschung dagegen beim 13 Jahre jüngeren Steuermann Johannes Polgar: "Wir hätten es mehrmals in der Hand gehabt, unter die Top Acht zu segeln, sind aber einfach unter unseren Möglichkeiten geblieben und heute auch noch abgestürzt. Es war der heftigste Überschlag, den ich auf einem Tornado je erlebt habe." Während Vorschoter Carsten Happel eine kleine Platzwunde am Schienbein davontrug, gab es am Boot so viel Schaden, dass eine Beendigung des Rennens unmöglich wurde.

Gäbler, der in Sydney mit Vorschoter René Schwall Bronze gewann, warnt jedoch vor übertriebenen Medaillenhoffnungen bezüglich seines Teams, auch wenn er bei der WM in Cadiz auf Anhieb einen vierten Platz schaffte: "Gunnar und ich segeln erst ein halbes Jahr zusammen. Wir können noch nicht mit der Weltspitze mithalten und sind weit davon entfernt, zu den Olympiafavoriten zu zählen. Unsere Arbeitsliste für die kommenden vier Monate ist verdammt lang."

Bei den Mistral-Surfern in Cesme (Türkei) war bei der Weltmeisterschaft bereits am Sonnabend die Entscheidung in der nationalen Ausscheidung um die Fahrkarte nach Athen gefallen. Deutschlands bekanntester Surffloh Amelie Lux (Kiel) hat alle Chancen, nach Silber in Sydney zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen starten zu dürfen. Die gebürtige Oldenburgerin muss trotz verpatzter Weltmeisterschaft (34.) keine nationale Ausscheidung mehr segeln, weil ihre Rivalin Romy Kinzl (Berlin) die für einen Olympiastart geforderte DSB-/NOK-Olympianorm als WM-13. nach einer für sie unglücklichen Entscheidung am Grünen Tisch mit nur einem Punkt denkbar knapp verpasst hat.

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", freute sich die 27-jährige Amelie Lux nach dem dramatischen Duell gegen die erstarkte Kinzl. "Ich bin überglücklich, denn auf meine zweite Olympiateilnahme habe ich vier Jahre mit vielen Rückschlägen hingearbeitet." Konkurrentin Romy Kinzl allerdings hat noch nicht alle Hoffnung aufgegeben und will bei der Internationalen Jury der Weltmeisterschaft einen Antrag auf Wiedereröffnung des Verfahrens stellen, an dem sie selbst gar nicht beteiligt war.

Die Französin Jeanne Mailhos hatte am vorletzten Regattatag nach einem Zusammenstoß mit der Schweizer Surferin Anja Keser in Rennen neun einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt. Obwohl Mailhos auch das zehnte Rennen im Anschluss komplett absolviert hatte, überzeugte sie die Jury mit ihrem Bericht, nach dem Zusammenprall körperlich nicht mehr fit gewesen zu sein. Ihre Resultate wurden für beide Rennen korrigiert. Mailhos sprang vom 13. auf den zehnten Rang und verdrängte Romy Kinzl vom entscheidenden zwölften.

"Ich recherchiere gerade in älteren vergleichbaren Fällen, in denen anders entschieden wurde, und berate mich mit erfahrenen Jury-Experten", erklärt Kinzl kämpferisch, "und ich habe mehrere Zeugenaussagen und Unterschriften von Trainern, die bezeugen, dass die Französin durchaus fit war." Dass dem Antrag auf ein solches Wiederaufnahmeverfahren stattgegeben wird, ist jedoch selten. Sportdirektor Hans Sendes sagte: "Romy ist toll gesurft, aber wir haben das reine Ergebnis zu beurteilen. Da ist wenig Spielraum. Amelie muss allerdings noch einen überzeugenden Leistungsnachweis in einem international hochkarätig besetzten Feld für die im vergangenen Jahr erzielten Ergebnisse bringen. So sieht es der offizielle Olympia-Qualifikationsmodus vor."

Die überraschende Nachricht aus dem Surfer-Lager ist aber die direkte Qualifikation des erst 21 Jahre alten Kielers Toni Wilhelm. Der 40. der Weltrangliste, der bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften 47. und 27. wurde, war auf den Punkt fit und surfte einige Zeit sogar in Reichweite einer Medaille. Wenn man bedenkt, dass vor ihm drei Franzosen und zwei Neuseeländer lagen - also drei Surfer in Athen nicht dabei sein werden -, befindet sich Wilhelm sogar rechnerisch in Olympiamedaillen-Nähe. Das Sportler-Märchen, das in Sydney Amelie Lux schrieb, scheint seine Fortsetzung bei den Mistral Männern finden zu können.

Endergebnis Tornado-WM Arenal (Mallorca)
1. Santiago Lange/Carlos Espinola (ARG) 39 Pkt. 2. John Lovell/Charlie Ogletree (USA) 50 Pkt. 3. Darren Bundock/John Forbes (AUS) 50 Pkt. 4. Fernando Echavarri/Anton Paz (ESP) 56 Pkt. 5. Leigh McMillan/Mark Bulkely (GBR) 58 Pkt. 6. Olivier Backes//Laurent Voiron (FRA) 61 Pkt. 12. Roland Gäbler/Gunnar Struckmann (Tinglev/Kiel) 122 Pkt. 14. Johannes Polgar/Carsten Happel (beide Kiel) 132.

Endergebnis Mistral-Weltmeisterschaft
Frauen 1. Alessandra Sensini (ITA) 14 Pkt. 2. Barbara Kendall (NZL) 50 Pkt. 3. Faustine Merret (FRA) 64 Pkt. 4. Lee Korsitz (ISR) 67 Pkt. 5. Lai Shan Lee (HKG) 70 Pkt. 6. Allison Shreeve (AUS) 70 Pkt. 13. Romy Kinzl (Berlin) 136 Pkt. 34. Amelie Lux (Kiel) 245 Pkt.
Männer 1. Julien Bontemps (FRA) 21 Pkt. 2. Przemek Miarczynski (POL) 27 Pkt. 3. Nicolas Huguet (FRA) 36 Pkt. 4. Alexandre Guyader (FRA) 53 Pkt. 5. Nick Dempsey (GBR) 53 Pkt. 6. Jon-Paul Tobin (NZL) 54 Pkt. 8. Toni Wilhelm (Kiel) 63 Pkt. 14. Moritz Martin (Linsengericht) 93 Pkt.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Olympische SpieleRoland GäblerTeilnahme

Anzeige