Weltcup Hyères
Für Olympia kommen sie in Fahrt

Die deutsche Segelnationalmannschaft hat beim Isaf Weltcup vor Hyères Boden gutgemacht und in einigen Disziplinen positiv überrascht

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 26.04.2015

Trofeo Princesa Sofía 2015/Barabara Sanchez Beste deutsche Crew vor Hyères in den olympischen Disziplinen: Erik Heil und Thomas Plößel im 49er

Mit drei Bronzemedaillen, zehn Top-Ten-Platzierungen und Platz 14 unter 60 Ländern in der Nationenwertung der olympischen Disziplinen hat sich die deutsche Segelnationalmannschaft beim Weltcup vor Hyères gut in Szene gesetzt. Die klassische Nationenwertung der olympischen Segler gewann Frankreich vor Australien, Großbritannien, Brasilien, den Niederlanden, Neuseeland, Dänemark, Kroatien und Belgien, die jeweils mindesten eine Goldmedaille holten. Rechnet man die Top-Ten-Platzierungen in den zehn olympischen Disziplinen ohne die besondere Gewichtung der Medaillen rein quantitativ zusammen, dann waren die deutschen Segler hinter Großbritannien (11 Top-Ten-Platzierungen) und Frankreich (10) sogar den Australiern mit jeweils sieben Teilnehmern in den finalen Medaillenrennen der besten zehn Mannschaften ebenbürtig. Das ist ein Ergebnis, das mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 Hoffnung macht, denn vor Hyères haben sich auch Teams für die Endläufe qualifiziert, die zuletzt weit entfernt von der Weltspitze agiert hatten.

Beste deutsche Mannschaft in den olympischen Disziplinen waren in Frankreich die Berliner Erik Heil und Thomas Plößel. Sie ließen den beiden am Vortag von den Paralympics-Sieger Heiko Kröger (2.4mR) und Jens Krokers Sonar-Mannschaft bereits gewonnenen zwei Bronzemedaillen am Sonntag eine dritte folgen. Die 49er-Europameister hatten sich nach verpatztem Auftakt schnell wieder zurechtgefunden und eine furiose Aufholjagd gestartet, die sie mit Rang zwei im Medaillenfinale und Platz drei im Abschlussklassement krönten. Erneut nicht zu schlagen waren im hochkarätigen 49er-Feld der neuseeländische Weltcup-Sieger und America's-Cup-Steuermann Peter Burling mit Blair Tuke sowie der zweitplatzierte America's-Cup-Sieger Nathan Outerridge mit Iain Jensen aus Australien.

SWC Hyères/Franck Socha Bronze für die Paralympics-Sieger um Steuermann Jens Kroker

"Wir arbeiten mit unserer starken Trainingsgruppe daran, Burlings Vorsprung aufzuholen", sagte Steuermann Erik Heil, "ohne den verpatzten ersten Tag hätten wir hier schon um den Sieg mitsegeln können." Das beste Klassenergebnis der Segelnationalmannschaft machten im 49er die Kieler Traininspartner Justus Schmidt und Max Böhme als Sechste komplett, die im Medaillenrennen trotz Kenterung auf Rang fünf gesegelt waren. Justus Schmidt sagte: "Das Finale lief richtig gut. Bis zur Kenterung bei der letzten Halse. Wir konnten das Boot aber sehr schnell wieder aufrichten und die Linie noch als Fünfte erreichen. Das Gesamtergebnis ist wirklich stark, doch wir werden uns darauf nicht ausruhen." Gemeinsam mit der dänischen Crew Jonas Warrer/Anders Thomsen arbeiten die beiden deutschen 49er-Crews daran, den Abstand zu Burling und Outteridge zu reduzieren, denn sie wollen 2016 nach einer olympischen Medaille greifen.

Im 470er segelten die Münchner Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski als Gesamt-Vierte nur knapp am Podium vorbei und erzielten damit nach langer Durststrecke ein Top-Ergebnis. Der Olympia-Vierte Toni Wilhelm aus Dogern surfte im RS:X-Feld auf Platz sechs. Damit hat der national konkurrenzlose Wilhelm auf dem Weg zu seiner dritten Olympiateilnahme bereits 50 Prozent der Norm des Deutschen Olympiaschen Sportbundes (DOSB) erfüllt. Nun muss es ihm noch gelingen, im Mittel von drei festgelegten Regatten (Weltcup Hyères, EM und WM) unter die besten zehn Nationen zu surfen. Den olympischen Startplatz für Deutschland bei den Surfern hatte Wilhelm bereits bei der WM 2014 vor Santander gesichert. Wilhelms Bilanz nach dem Isaf Sailing World Cup vor Hyères klang vielversprechend. Der 32-jährige Sportwissenschaftler vom Württembergischen Yacht-Club weiß, woran er arbeiten muss und will: "Meine Fitness ist top, mein Speed gut, meine Taktik solide. Meine Starts aber waren diese Woche nicht gut und müssen deutlich besser werden."

Für die .größte Überraschung sorgten vor Hyères die jungen Kieler Segler Paul Kohlhoff und Carolina Werner. Der erst 20 Jahre alte Steuermann und seine 21-jährige Vorschoterin katapultierten sich mit herausragenden Leistungen auf Platz zehn. In dieser Form hat das Duo sogar gute Chancen, sich noch eine Olympiafahrkarte zu sichern. Die Crew hatte nach dem Weltcup vor Miami die Tragflügel ihres Katamarans verändert, um ihrem Boot bessere Allround-Fähigkeiten zu verleihen. Das neue Konzept geht offenbar gut auf. Zudem haben Kohlhoff/Werner technisch und sportlich intensiv mit Experten wie Rigo de Nijs, Olympiateilnehmer Marc Pickel und dem britischen Coach Mark Bulkely gearbeitet. Dabei scheint ein schlagkräftiges Paket geschnürt worden zu sein.

SWC Hyères/Franck Socha Bestes deutschen 49er-FX-Team vor Hyères: Leonie Meyer und Elena Stoffers

Im 470er-Frauenfeld segelten Annika Bochmann und Marlene Steinherr aus Berlin auf Platz acht. Die Kielerinnen Leonie Meyer und Elena Stoffers schlossen ihre Serie als beste deutsche Crew im 49er FX mit dem gleichen Platz ab. Der dritte Weltcup der Saison endete am Sonntag mit der Medaillenzeremonie und der Ausschüttung von insgesamt 72000 Euro. Einer, der sich etwas ganz anderes vorgenommen hatte, durfte dabei nur zusehen: Philipp Buhl musste nach seinem Weltcup-Sieg vor Miami im Januar und dem Gewinn des Klassikers Trofeo Princes Sofía vor wenigen Wochen dieses Mal mit Platz 15 zufrieden sein, war es aber nicht. DSV-Cheftrainer David Howlett grämte sich darüber indes wenig: "Ein Leistungsträger wie ein Philipp Buhl darf auch einmal eine nicht so gelungene Serie haben und wird die sicher schnell wegstecken."

SWC Hyères/Franck Socha Fand vor Hyères nicht zur zuletzt gezeigten Stärke: Philipp Buhl


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Themen: Erik Heil/Thomas PlößelFerdinand Herz/Oliver SzymanskiFrankreichHyèresIsaf Segel-WeltcupJustus Schmidt/Max BöhmeLeonie Meyer/Elena StoffersPhilipp BuhlToni Wilhelm

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