Minitransat
Fräulein Justines Gespür für Speed

Die Genferin Justine Mettraux hat im Minitransat Platz zwei bei den Serienbooten erkämpft. Sie segelte erstmals allein über den Atlantik

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 09.12.2013

Christophe Breschi La Belle Justine: erste Atlantik-Überquerung, zweiter Platz!

Sie ist mutig, schön und sehr, sehr schnell: Die Genferin Justine Mettraux hat bei ihrer Transatlantik-Premiere als Soloskipperin eine herausragende Leistung erbracht und Platz zwei in der Serienboot-Wertung erkämpft. Mit der 27-Jährigen ist ein neuer Stern am Schweizer Hochseehimmel aufgegangen. Seit dem Start am 13. November vor dem spanischen Küstenort Sada lag die Minitransat-Steuerfrau stets im vorderen Drittel der Flotte, leitete von dort aus ihre mitreißenden Angriffe in Richtung Spitze ein. Als ihre stärksten Waffen galten schon vor dem Rennen ihr strategisches Können, ihr gutes Gefühl für Speed und ihre Hartnäckigkeit.

Christophe Breschi Entschlossene Solo-Skipperin: Justine Mettraux erkämpfte Platz zwei auch ohne Funkkontakt

Nach 22 Tagen, 22 Stunden, 12 Minuten und 34 Sekunden auf See hatte die 27-Jährige das Ziel am vergangenen Freitag als umjubelte Zweite hinter Sieger Aymeric Belloir beendet. Die sturmverwehte Auflage des Minitransat 2013, in der der einzige deutsche Teilnehmer Henrik Masekowitz sein Boot hatte aufgeben müssen, hatte die Teilnehmer mit mehreren Verschiebungen und Neustarts auf die Probe gestellt. Justine Mettraux hat die Herausforderungen mit ihrem Mini "TeamWork" bravourös gemeistert und 36 Jahre nach der Premiere des Klassikers im Jahr 1977 die beste weibliche Leistung in der Geschichte des Rennens erreicht.

Christophe Breschi Die Familie begrüßt Justine Mettraux im Zielhafen stürmisch

Justine Mettraux ist die erste Schweizer Hochseeseglerin in der Geschichte des Landes, die den Atlantik im Rahmen einer Einhandregatta solo überquert hat. Sie hat insgesamt 4075 Seemeilen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 7,4 Knoten absolviert. Besonders spektakulär: Die starke Steuerfrau hatte seit den Kanaren keinen Funkkontakt mehr, konnte also auch nicht auf Updates und Informationen zum Rennen zurückgreifen. Dass sie Platz zwei errungen hat, realisierte sie erst kurz vor dem Kreuzen der Ziellinie. "Seit Lanzarote hatte ich keinerlei Informationen mehr", berichtete Justine Mettraux nach ihrer Ankunft. "Ich wusste nur, dass ich auf Höhe der Kanaren an dritter Stelle lag und dass ich gut unterwegs war. Ich hoffte, dass ich es unter die ersten zehn Boote schaffen würde."

Christophe Breschi Justine Mettraux beendet ihre Minitransat-Premiere mit großem Erfolg

Die Bilanz der unerschrockenen Seglerin klingt im Nachhinein einfacher, als das Rennen für sie war. Mettraux räumte ein, dass sie unter der Einsamkeit gelitten habe: "Wenn man keinerlei Angaben zum Klassement hat und auch keine Meteoinfos mehr erhält, dann braucht es schon viel Energie, um fokussiert im Rennen zu bleiben. Psychisch gesehen war das sehr anspruchsvoll. Aus strategischer Sicht habe ich einfach alles gegeben, um schnell zu sein, und mich auf mein Bauchgefühl verlassen. Es galt auch, die herrschenden Bedingungen so gut wie möglich umzusetzen." Unter laufenden Freudentränen sagte die sympathische Seglerin: "Es war ein echt unglaubliches Erlebnis."

Christophe Breschi Justine Mettraux feiert Platz zwei mit einem "Siegerbad" im Kreis der Konkurrenten

Der Start ins Minitransat war ursprünglich für den 13. Oktober in Douarnenez in Frankreich geplant. Aufgrund schwerer Stürme musste der Start jedoch mehrmals verschoben werden, bevor die Boote am 29. Oktober endlich ins Rennen gehen konnten. Weil sich das Wetter dann wieder dramatisch verschlechterte, musste diese erste Etappe abgebrochen werden. Insgesamt 73 Boote hatten das inzwischen auf 3700 Seemeilen reduzierte Rennen am 13. November von Sada erneut aufgenommen.

Christophe Breschi Endlich im Ziel: Justine Mettraux


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Themen: Justine MettrauxMiniMinitransatSchweiz

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