Middle Sea Race
Flauten-Showdown am Stromboli

Die Flotte des Rolex Middle Sea Race quält sich durch eine beispiellose Flaute – die vergangene Nacht könnte entscheidend gewesen sein

  • Bendix Hügelmann
 • Publiziert am 23.10.2012

Rolex / Kurt Arrigo Start zum Rolex Middle Sea Race im Hafen von Valletta – noch ist Wind da

Dass es flau werden würde im Mittelmeer, das war bereits vor dem Start des diesjährigen Rolex Middle Sea Race erwartet worden. Während die 83 Rennyachten im Hafen von Valletta von ihren Crews auf die 610 Seemeilen durch das Mittelmeer vorbereitet wurden, herrschte bei vielen ambitionierten Teams angespannte Erwartung: Wetterdaten, Routing und Renngestaltung wurden kontrovers diskutiert. Infolge der außergewöhnlich schwachwindigen Vorhersage blieben mitunter Crewmitglieder an Land, um das Gewicht der Yachten so gering wie möglich zu halten.

Sechs deutsche Crews mit dabei

Aus deutscher Sicht ist das Rennen trotz der schwachen Vorhersage nicht minder spannend. Die Yachten "Shakti" (Rogers 46), "Speedy" (Marten 49) und "Varuna" (KER 51) segeln jeweils in der international hochkarätig besetzten Klasse IRC 2,  "Pogo1" (Pogo 40) vertritt die deutschen Farben in IRC-Klasse 3, während der Gesamtzweite des Vorjahres Christopher Opielok seine Corby 36 "Rockall III" gegen die betagte Carter 55 "Kohinoor" eingetauscht hat. Ebenfalls am Start ist der Trimaran "Lusitano".

Flautenchaos nach moderatem Auftakt

Wurden die Crews noch am Morgen des Starts von einem frischen Ostwind ins Mittelmeer entlassen, brach das Windsystem bereits vor der sizilianischen Küste in sich zusammen. Auch wenn sich zwischendurch immer wieder Wind durchsetzte, wie in diesem Videozusammenschnitt  wiederholt zu sehen ist, blieb das Gros des Feldes in einem taktisch anspruchsvollen Stop-and-Go bis zum Ausgang der Straße von Messina dicht zusammen. Quälend langsam schoben sich die Yachten gen Norden zur nächsten Wendemarke, dem Vulkan Stromboli. Während die großen Yachten den Vulkan am Sonntagabend rundeten, breitete sich südlich des Strombolis ein bleierndes Flautenloch aus.

Veranstalter Gefangen im Flautenloch. Ein dicker Pulk von Yachten verhungert in der Flaute nördlich Messinas

Christopher Opielok, Skipper der deutschen Carter 55 "Kohinoor", beschreibt via Funk die Lage: "Wir liegen in einem Pulk von 25 Yachten. Die letzte Nacht verlief schleppend. Bei absoluter Flaute legten wir in zehn Stunden zehn Seemeilen zurück. Uns blieb quasi nichts anderes übrig, als die Zeit mit einem fantastischen Abendessen totzuschlagen."

Bis zum gestrigen Abend gelang es selbst dem 100-Fuß-Super-Maxi "Esimit Europa 2", geführt von Jochen Schümann, nicht, sich von den deutlich kleineren Judel/Vrolijk-Mini-Maxis "Ran 2" und dem in diesem Jahr bei Baltic Yachts geschlüpften "Ran"-Zögling "Stig" abzusetzen. Das Leistungspotenzial des fossil anmutenden Super-Maxis verblasste bei leichtem Wind im angesicht der Dynamik der Mini-Maxis.

Vorentscheidung in der Nacht zum Dienstag?

Mit Spannung erwartet wurde der Verlauf der vergangenen Nacht. Als am gestrigen Nachmittag das Hauptfeld den Stromboli gerundet hatte, zeichneten sich zwei Optionen für den nächsten Schenkel zum Wertungspunkt Favigana nordwestlich der Küste Siziliens deutlich ab: entweder den direkten Weg hoch am Wind luvwärtig der Nordküste Siziliens zu segeln, oder mit einem Holeschlag nach Luv zunächst abseits der direkten Kurslinie, um auf dem offenen Mittelmeer auf Seewind zu stoßen. So die Theorie.

Veranstalter Die taktische Ausgangssituation Montagabend: Deutlich zu sehen sind die Ausreißversuche nach Luv, der Pulk wählt den direkten Weg

Deutsche Teams auf Erfolgskurs

Am Morgen des vierten Tages auf See – der Rekord für das Rolex Middle Sea Race liegt bei ener Zeit von 1 Tag, 23 Stunden, 55 Minuten und 3 Sekunden, aufgestellt im Jahr 2007 von dem 80-Fuß-Canting-Keel-Maxi „Rambler“ von George David – zeichnete sich jedoch ab, dass der mutige Schlag nach Luv, welchen auch die deutsche Rogers 46 "Shakti" unternahm, sich nicht auszahlen sollte. Eine überzeugende Leistung bieten derweil jedoch die beiden weiteren deutschen IRC-Klasse-2-Yachten "Speedy" und "Varuna".

Rolex / Kurt Arrigo Die deutsche Marten 49 "Speedy" am Start des Rolex Middle Sea Race. Die Crew liegt derzeit in führender Position

Die derzeite Wertungsliste der Bahnmarke "Stromboli" sieht "Speedy" über alles in Führung liegen, dicht gefolgt von "Varuna" an Position vier. Für die Crew des mattgrauen Neubaus aus Hamburg dürfte sich das Rennen trotz der nervigen Flaute bereits jetzt wie ein Befreiungsschlag anfühlen, hatte das unkonventionelle Design von Jason Ker in seiner ersten Saison doch wiederholt mit Bruch und Kinderkrankheiten zu kämpfen.

Christopher Opieloks Vintage-Bomber "Kohinoor" hält sich trotz der leichten Winde mehr als wacker, Platz 23 über alles am Stromboli. Weit abgeschlagen hingegen die Flensburger Rogers 46 "Shakti" (Platz 61) und die Charter-Pogo 40 "Pogo 1" (Platz 75). Der deutsche Trimaran "Lusitano" segelt in der separaten Multihullwertung ein einsames Rennen und liegt derzeit knapp östlich des Stromboli.

Tim Daase, "Varuna" Bootsmann und Projektleiter während des Neubaus gibt einen Einblick in das ambitionierte Team, während im Hintergrund die Rogers 46 "Shakti" für die Überführung nach Malta präpariert wird.


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Themen: Rolex Middle Sea RaceShaktiVaruna

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