Der ultimative Wettbewerb: Motten-WM auf dem Gardasee
„Die Konkurrenz ist krass, der Spaß maximal“

Bei der Motten-WM auf dem Gardasee war tatsächlich alles Gold, was glänzte: Tom Slingsby siegte mit unfassbarer Güte, Philipp Buhl war bester deutscher Starter

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 08.09.2021
Segelte mit seiner Exocet-Motte als bester deutscher WM-Teilnehmer auf Platz 16: Laser-Weltmeister Philipp Buhl Segelte mit seiner Exocet-Motte als bester deutscher WM-Teilnehmer auf Platz 16: Laser-Weltmeister Philipp Buhl Segelte mit seiner Exocet-Motte als bester deutscher WM-Teilnehmer auf Platz 16: Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Martina Orsini / Moth World 2021 / Malcesine Segelte mit seiner Exocet-Motte als bester deutscher WM-Teilnehmer auf Platz 16: Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Im Laser ist er Weltmeister, in der foilenden Motte auf dem Weg an die Spitze: Philipp Buhl ist bei der Motten-Weltmeisterschaft auf dem Gardasee im „fliegenden“ Feld von 140 Teilnehmern als bester der insgesamt 15 deutschen Teilnehmer auf Platz 16 gesegelt. Das liest sich auf den ersten Blick vielleicht nicht wie ein ganz großer Erfolg, markiert aber einen wichtigen Schritt für den Allgäuer auf dem Weg nach oben in einer herausragenden Flotte, die vor Olympiasiegern und America’s-Cup-Gewinnern mehr strotzt als America’s-Cup und SailGP zusammen.

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Holte den zweiten WM-Titel in Folge mit fast identischem Ergebnis wie 2019: Motten-König Tom Slingsby aus Australien

Den Titel sicherte sich im traumhaft schönen Segelrevier vor Malcesine der australische Dauerbrenner, America’s-Cup-Gewinner und Laser-Olympiasieger Tom Slingsby mit sagenhaften 13 Siegen in 14 Wettfahrten. Einmal nur musste der sympathische und bodenständig gebliebene Slingsby in der vergangenen WM-Woche auf dem Gardasee America’s-Cup-Kollegen Kyle Langford passieren lassen und kam „erst“ als Zweiter ins Ziel. Bronze holte in Italien der Brite Paul Goodison, der zuletzt Sir Ben Ainslie in dessen Babypause im SailGP vertreten hatte und 2017 als Starboot-Neueinsteiger mit dem Berliner Frithjof Kleen auf Anhieb das Finale der Star Sailors League (SSL) gewonnen hatte, hinter Slingsbys mit Silber dekoriertem Landsmann Iain Jensen. Der wiederum konnte seinen früheren 49er-Gold-Steuermann und Freund Nathan Outteridge (WM-Achter) deutlich hinter sich lassen.

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Der britische Laser-Olympiasieger Paul Goodison ist auch in der Motte in seinem Element, gewann Bronze auf dem Gardasee

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Italiens America’s-Cup-Darling Francesco Bruni segelte bei der Motten-WM auf Platz fünf

Die WM-Plätze vier und fünf sicherten sich die ebenso Foil-versierten America’s-Cup-Asse Kyle Langford (Australien) und Francesco Bruni (Italien). Auf Platz sechs segelte Matchrace-Weltmeister Phil Robertson aus Neuseeland, der im SailGP für das spanische Team steuert. Siebter wurde mit Ruggero Tita der italienische Nacra-17-Olympiasieger von Japan, mit dem Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer als Olympia-Dritte in Enoshima gemeinsam auf dem Podest der Medaillengewinner standen. 49er-Olympiasieger Dylan Fletcher erkämpfte sich im Elitefeld der weltbesten Mottenbändiger hinter dem Italiener Simone Slavà Platz zehn.

Philipp Buhl ist mit seinem 16. Platz noch nicht zufrieden, aber erst seit ein paar Jahren in der Motte aktiv. Er hat noch einiges an Erfahrungsvorsprung der Besten aufzuholen, denen das Foilen nach Intensiv-Engagements im America’s-Cup oder auch im SailGP naturgemäß leichter fällt. „Den Vorsprung holst du so ganz leicht nicht auf“, weiß Buhl. Sein Fazit fällt dennoch begeistert aus: „Die Konkurrenz ist krass, der Spaß maximal.“ Sein Blick auf die von der internationalen Profi-Elite gewählte und so überaus leistungsstarke Lieblings-Einhanddisziplin: „Die Klasse entwickelt sich krass schnell weiter. Alleine das Segeln macht schon Riesenspaß. Wenn es dann mit einer so hochkarätigen Konkurrenz auf so einem Revier stattfindet, ist das schon etwas Außergewöhnliches.“ Dass Tom Slingsby das Feld wie schon 2019 so deutlich würde dominieren können, hätten weder die Konkurrenz noch Philipp Buhl gedacht. „Was Tom gezeigt hat, ist eine kaum fassbare Leistung. Ich hätte vor dem Start gewettet, dass es nicht noch einmal so möglich ist.“ Trotz seiner vielen Erfolge ist dieser 37-jährige Thomas David Slingsby aus Wahroonga in Down Under ein nahbarer und offener Steuermann geblieben, der sein Wissen mit Gleichgesinnten gerne auf Augenhöhe teilt. „Beim Warten auf Wind an Land wollte ich mehr verstehen“, erzählt Buhl, „da ist Tom mit mir zu seinem Boot, hat seine Foils ausgepackt und mir alles mit Ruhe und Offenheit erklärt. Auch, warum seine Foils schneller sind als meine. Das war wirklich schön. Wie die gesamte Atmosphäre bei der WM, wo Profis und Amateure gemeinsam segeln, sich gegenseitig helfen. Das Ganze auf einem so tollen Revier.“

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Motten-WM im Traumrevier auf dem Gardasee

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Knapp zwei Dutzend Frauen waren bei der Motten-WM am Start. Eine zeigt hier ihr Können…

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Genoss die WM sportlich und menschlich: Motten-Angreifer Philipp Buhl

Buhl weiß: „Wer in der Motte ganz nach oben will, der muss viele, viele Jahre trainieren und Arbeit in Boot und Set-up stecken. Es ist kein leichtes Spiel in einer klassischen Entwicklungsklasse. Du musst wirklich alle Facetten des Segelsports draufhaben. Slingsby und Iain Jensen haben beispielsweise exakt das gleiche Material. Der eine hat den anderen trotzdem dominiert.“ Ab rund 30.000 Euro ist Top-Ten- und siegfähiges Material zu haben, mit 15.000 bis 20.000 Euro lässt sich gut und solide einsteigen. „Der Wertverlust beim Kauf einer Motte ist nicht sehr hoch“, erklärt Buhl das aus seiner Sicht lohnenswerte Investment. Der Allgäuer findet es „schade, dass in Deutschland noch keine größere Flotte beisammen ist“. Buhl segelt wie die Olympiasieger Dylan Fletcher und Paul Goodison eine Motte vom britischen Typ Exocet, Slingsby eine Bieker von MacKay in Neuseeland. Zwei Sätze Foils, zwei Masten und zwei Segel dürfen bei einer WM zur Motte eingemessen werden. Auch hier schöpfen die Top-Akteure aus einer über Jahre entwickelten und breiten Palette an durchgetestetem Material. Für einen Platz in den Top Ten, den er sich inzwischen zutraut, hätte Buhl in der vergangenen Woche auch etwas mehr Wind gebraucht. Die Freude an seiner Motte haben die leichten bis mittleren Bedingungen aber nicht trüben können.

Martina Orsini / Moth Worlds 2021 / Malcesine Gekentert wird in der Motte oft. Auch die Besten erwischt es immer einmal

Nicht selten wird darüber diskutiert, ob sich ein so spektakulär und attraktiv anzusehender und mit so viel Spaß zu segelnder Foiler wie eine Motte künftig auch zur olympischen Disziplin mausern könnte. „Wenn man daraus ein OneDesign machen würde, dann natürlich ja“, sagt Buhl, der gleichzeitig den noch viel engeren, härteren Wettbewerb im Ilca 7 (Ex-Laser-Standard) weiter schätzt. „Ich würde olympisch zum Verbleib des Lasers tendieren. In der Motte hast du mega viel Spaß, aber im Laser gehen alle binnen einer Minute um die Luvtonne. Das ist taktisch und mental eben krass anspruchsvoll und auch sehr attraktiv.“ Zweitbester deutscher Teilnehmer war auf dem Gardasee Fabian Gielen (LSC) auf Platz 31 knapp vor Maximilian Mäge (31., BYC), der damit Platz vier in der Amateurwertung der WM belegte. Auf Platz 36 segelte sein Vereinskamerad Kai Adolph. Platz 46 erkämpfte sich Max Lutz vom Kieler Yacht-Club. Der Hamburger Altmeister Andreas John holte auf seiner Motte namens „Zicke“ Platz 69. Hier geht es zu den WM-Ergebnissen (bitte anklicken!) .


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Motten-WM

Anzeige