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Fast alle haben Point "Alpha" gerundet

Atlantik-Regatta: Erster großer Wegpunkt für die meisten geschafft – Doch jetzt beginnt das Rennen eigentlich erst so richtig

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 23.06.2007

Während die beiden Spitzenreiter "Outsider" und "Chieftain" über 300 Meilen vor den Verfolgern eine eigene Regatta segeln, haben in der vergangenen Nacht fast alle Boote des Hauptfelds Point Alpha passiert.

Es war ein schneller und entbehrungsreicher Ritt bis zum ersten großen Wegpunkt des HSH Nordbank blue race. Obwohl es bisher wenig ernsthafte technische Probleme gab: Die Sturmfahrt durch den aufgewühlten Nordatlantik hat die Akkus der Crews leergesaugt.

Zwar verspricht das Wetter fürs Hauptfeld in den nächsten Tagen eine Ruhepause - und die vielleicht letzte Gelegenheit, das Schiff auszutrocknen. Doch werden die Verschleißerscheinungen an den Booten ebenso wie bei den Crews zunehmen. Umso mehr, als für viele erst jetzt, nach Passieren von Point Alpha, auf den tagelang alle Gedanken fokussiert waren, die noch bevorstehende Wegstrecke wirklich spürbar wird.

Zur Erschöpfung kommen in Kürze Monotonie, Kälte und Frustration über den im abflauenden Wind nur noch langsamen Bootsspeed hinzu. Damit beginnt gerade für Amateur-Crews, die häufig wenig oder gar keine Erfahrung auf extremen Langstreckenregatten haben, die entscheidende Rennphase.

Selbst die Mannschaft an Bord von "Chieftain", die bald Bergfest für die Strecke von Newport nach Fair Isle feiern kann, berichtete gestern mit einigem Respekt über die noch vor ihr liegende Aufgabe.

Das Boot des irischen Skippers Gerard O´Rourke liegt deutlich hinter der deutschen "Outsider", ist aber berechnet noch Erster. Nach einem Sonnenschuss bei über 20 Knoten Fahrt und einigen anderen haarsträubenden Manövern ist die Auswahl an Schwerwetter-Spis arg dezimiert — ein Vorteil für Tilmar Hansen, dessen Neigekiel-Racer vom Typ Elliot 52 nach wie vor gute Chancen hat, "First Ship Home" zu werden.

Unterdessen hat sich YACHT-Redakteur Matthias Beilken von Bord der "Maiden" mit einem Lagebericht gemeldet. Zahlreiche Reparaturen hatten ihn tagelang vom Schreiben abgehalten. Inzwischen scheint das Boot aber wieder ordentlich zu segeln. Hier die E-Mail von Bord des Ex-Whitbread-Bootes:

"Bumm, da war auch die zweite - identische - Kausch im Kopfbrett durch. Dass beide Kauschen in kurzer Zeit brechen, spricht nicht eben für den Segelmacher: Rolly Tasker, ein ehemals großer Name. Folge war eine empfindlich lange "Downtime", in der wir sehr langsam gefahren sind.

Grund: Die Flickschsterei und Näherei mit alten Gurtresten auf "Maidens" Kajütboden hat eine ganze Nachtwache gedauert - wie gut, dass ich als quasi letzte Amtshandlung in Hamburg noch alte Sprectragurte eingepackt hatte.

Nach der langwierigen Handnäh-Aktion steht das Segel jetzt wieder. Aber wer weiß wie lange noch? Außerdem sind wir beim Ein- und Ausreffen mit dem geflickgten Kopf etwas defensiv dabei, lassen die Manöver lieber weg, was Speed kostet.

Der "Stehernachtwache" ohne Großsegel folgte eine "Rasewache", die konzentriert steuernd durchgestanden werden musste. Denn geboten waren ein spitzer Spinnakergang in rabenschwarzer Nacht bei etwa 20 Knoten scheinbaren Winds. Am Ende war der Ritt dann doch zu heiß. Aber: Rekordspeeed 17,5 Knoten (ich) und Rekordetmal 246 Meilen (alle).

Es hat sich gelohnt. Großer Jubel an Bord - alle freuen sich über die Expressfahrt. Dass sich die Südoption der ersten tage doch noch auszahlt, war wahrscheinlich, als der Wind auf Südwest drehte und Lee zu Luv machte."


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Themen: AtlantikBlue RaceRegatta

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