Rund Skagen
Exklusive Einblicke von Bord der "Red"

Während zwei Yachten aufgeben mussten, kämpfen sich die anderen durch die Ostsee – und sinnieren über den Reiz des Langstrecken-Klassikers

  • Ricarda Richter
 • Publiziert am 18.05.2016

Red / A. Lindlah An Bord der "Red" wurde der Selfiestick ausprobiert

Am dritten Tag der Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta hat der Großteil des Feldes die Nordspitze Dänemarks  passiert. Immer noch haben die Yachten mit schwierigen Bedingungen auf der Route zu kämpfen. Die "Spindrift" von Stefan Berg musste heute Morgen Skagen anlaufen, nachdem der Crew in einer Halse das Großsegel gerissen war.

Wie auf dem Tracker zu sehen, fuhr auch die "Edelweiss" von Thomas Reinecke einen schützenden Hafen an und liegt nun in Sæby. Wie der Pressesprecher der Nordseewoche mitteilte, hatte die Crew ungewöhnlich viel Wasser in der Bilge entdeckt und wollte auf Nummer sicher gehen. Ein Leck scheint das Boot jedoch nicht zu haben, weshalb sie nun wieder auslaufen soll. Ob die "Edelweiss" nach ihrem Zwischenstop weiterhin gewertet werden kann, ist jedoch noch nicht klar.

Yellowbrick Tracking Das Feld ist inzwischen weit auseinandergerissen – während die einen noch vor Skagen hängen, erreicht die "Outsider" in den nächsten Stunden Kiel

An der Spitze liegt weiterhin die "Outsider", die die Ziellinie schon in wenigen Stunden passieren wird. Ihre voraussichtliche Ankunftszeit ist 15.15 Uhr. Den Rekord, den die "Uca" vor sechzehn Jahren aufstellte, als sie das Rennen nach nur 43 Stunden und 46 Minuten beendete, wird die Yacht damit aber nicht knacken können.

Den zweiten Platz im Rennen und den ersten in der Gruppe ORCC Alpha kann weiterhin die "Red" für sich behaupten. Skipper Mathias Müller von Blumencron sendete der YACHT einen exklsuvien Bericht von Bord.

"Rund Skagen – was für ein Rennen. Es ist die Legende unter den deutschen Hochseeregatten und das zu Recht. Die Nordsee oft rau, so wie diese Mal. Steifer Nordwest fächert eiskalte Luft aus den Gestaden von Jan Mayen gen Süden, von dorther, wo die Eisbären gerade mit dem Frühjahrsputz beginnen.

Es war ein holperiger Anlieger bis zur Westspitze von Horns Rev, dem legendären Schiffsfriedhof an Jütlands Westküste. Das Schiff bockt und springt, und unter Deck hört es sich bei jedem Absturz in ein größeres Wellental so an, als ob es sich beim nächsten Mal aber bestimmt in tausend Teile zelegt. Wir haben geflucht und gefroren – fast alle zwei Jahre derselbe Mist. Warum nur immer wieder?

Wer früh da war, konnte bei sechs Windstärken die Schoten öffnen und mit Rauschefahrt Hanstholm anpeilen. Ein schneller Rutsch mit Eisduschen, für Schiffe wie unsere 'Red' bereits in Gleitfahrt. Dänemarks Nordwestecke gehört nicht zu den charmantesten Orten dieser Welt, Surfer lieben sie – und Rund-Skagen-Segler. Endlich Spi, mit 14 bis 15 Knoten Schnitt ging es durch die Jammerbucht. Und dann die Ostsee, dieses Trickspieler-Gewässer.

Nach dem Schotenreißen auf der Nordsee kommt jetzt die Stunde der Taktiker, die Kopf- und Baucharbeit, die Regattasegeln so faszinierend macht. Harald Baum, der alte Fuchs, lässt Læsø rechts liegen. Andere machen es ihm nach. Ob das Spiel diesmal aufgeht?

Und wer am Ende gewinnen wird? Wer weiß es schon. Und ist es überhaupt so wichtig? Moitessier bog vor Jahrzehnten in führender Position in die Südsee ab, weil ihn das Leben dort mehr reizte als ein Sieg. Und auch wir überlegen jedesmal, nach Südnorwegen weiterzufahren oder nach Anholt abzubiegen. Vielleicht bleiben wir doch nur auf der Bahn, weil es rechts und links keine Palmenstrände gibt.

Dieses Rennen gewinnen nicht die Lautsprecher und Sprücheklopfer an Land. Sondern ein gut vorbereitetes Schiff mit einer Crew, einem eingeschworenen Team, das da rauf will aufs Meer, weil es sich richtig anfühlt, den Komfort am Horizont verschwinden zu lassen und in einer kargen Höhle über die Wellen zu reiten. Auf der 'Red' sind das Mini-Transat-Segler Andreas Lindlahr, Match-Racer Felix Oehme, der mit Boris Herrmann das Portimão Ocean Race gewann, Volker Riechers, der vom Kuttersegler zu einem der besten deutschen Class-40-Trimmer wurde, und Skipper Mathias Müller von Blumencron.

Eine lange Nacht wird es wohl noch werden, Quälerei mit den Flauten des südlichen Großen Belts. Kann es nicht einfach mal gemütlich nach Hause gehen, mit Backstagsbrise, ohne Gegenstrom und Kälte? Muss das schon wieder sein? Ich fürchte, es wird sich nie ändern. Weil es sich richtig anfühlt."


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