Regatta-News
Etappe 300 Meter vorm Ziel "unterbrochen"

"Ericsson" liegt sicher vertäut an der Pier, segelt den Regeln nach jedoch noch. Heftige Reaktionen auf diesen taktischen Winkelzug.

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 17.02.2006

Skipper Neal McDonald lässt da keine Zweifel: "Eine Etappe zu unterbrechen, ist ganz klar erlaubt". Zu seinem Entschluss, die laufende Wettfahrt einfach noch nicht zu beenden, den Pit-Stop in Wellington als "Hilfe von außen" zu verbuchen und dafür lediglich die zweistündige Zeitstrafe für die dritte Etappe ("Ericsson" war ohnehin letzte) zu kassieren, geben die Organisatoren keinen Kommentar ab. Torben Grael, Skipper der Konkurrenzyacht "Brasil 1", dafür einen deutlichen: "Das ist ehrlos"!

In den Segelanweisungen des Volvo Ocean Race-die Rennleitung beeilte sich, diesen Passus sofort zu verbreiten-heißt es unter Punkt 22a eindeutig, dass eine Yacht eine Etappe unterbrechen darf, das der Rennleitung jedoch unverzüglich mitzuteilen und ordnungsgemäß im Logbuch zu vermerken hat. Aufgrund dieser Regel darf "Ericsson" kurz vorm Start zur vierten Etappe die Ziellinie von der dritten passieren und die kurze Zeit zwischen Ziel und Start als den eigentlichen Pit-Stop ansehen. Viele Segler (einer von denen ist Torben Grael) glauben, dass ein solches Verfahren skurril und die Regel sicher nicht so gemeint ist. Für schlichtweg genial jedoch halten diesen irritierenden Schachzug nicht viel weniger Segler. Der Engländer Steve Hayles, "Ericssons" Navigator, sieht in diesem Verhalten denn auch keine Notwendigkeit für "moralische Einwände".
Die Skipper aller sechs Yachten haben verkündet, dass sie während der Liegezeit in Wellington keine Hilfe von außen annehmen wollen, um eine zweistündige Zeitstrafe zu umgehen. Jedoch bezweifelten bereits während der äußerst rasanten dritten Etappe Crews, dass sie die entstandenen Schäden mit Bordmitteln reparieren könnten. So verbog auf "ABN Amro One" der Bugkorb stark beim Herjagen hinter einer See, das Großsegel von "ABN Amro Two" riss entzwei und derlei "Kleinigkeiten" mehr. Bei dem Schaden an der Kielstruktur der Siegeryacht "Movistar" handelt es sich jedoch eindeutig nicht um eine "Kleinigkeit"-die Yacht steht längst an Land. Und wird am Sonntag natürlich wieder schwimmen, dem Start ihrer fünf Halbschwestern jedoch fernbleiben. Denn "Zeitstrafe" bedeutet im Fall Wellington nicht, dass in Rio zwei Stunden zu ihrer gesegelten Zeit addiert werden. Sondern, dass eine Yacht erst zwei Stunden nach ihren Kontrahentinnen losfahren darf. Richtung Kap Hoorn.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Kap Hoorn

Anzeige