Segeln olympisch
"Es wird ein großer Kampf!"

Die Nationalmannschaft steht vor ihrer schwersten Prüfung: Bei der WM geht es um 30 Medaillen und 50 Prozent der Olympia-Nationenstartplätze

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 11.09.2014

Mark lloyd/Oman Sail Mach's noch einmal, Philipp: 2013 gewann Buhl WM-Bronze, seitdem hatte er einige Rückschläge zu verkraften. Bei der WM in Santander will der Sonthofener wieder nach einer Medaille greifen

Was haben sie drauf? Von dieser Frage begleitet, startet die deutsche Segel-Nationalmannschaft am Freitag in die Isaf-Weltmeisterschaft für alle zehn olympischen Disziplinen. Vor Santander geht es nicht nur um 30 Medaillen und überzeugend gute Platzierungen, sondern auch bereits um 50 Prozent der Nationenstartplätze für die olympische Segelregatta 2016. Deutschlands beste Olympiasegler zählen bei der WM noch nicht zu den Top-Favoriten, sind aber durchaus für die eine oder andere Überraschung gut.

Kieler Woche Was geht nach der langen Erkrankung von Thomas Plößel? Die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel wollen vor Santander trotz Trainingsrückstand alles geben

Allen voran Laser-Ass Philipp Buhl, RS:X-Surfer Toni Wilhelm, die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel sowie das sich gegenseitig beflügelnde 49er-FX-Quartett mit Tina Lutz/Susann Beucke, Victoria Jurczok/Anika Lorenz, Jule und Lotta Görge und die nach langer Verletzungspause als EM-Dritte stark zurückgekehrten Leonie Meyer/Elena Stoffers. Auch Svenja Weger, die amtierende Überraschungs-Europameisterin im Laser Radial, möchte an ihren jüngsten Erfolg anknüpfen.

Insgesamt 49 deutsche Seglerinnen und Segler wollen im spanischen WM-Revier angreifen, wieder ein Stück weiter in Richtung Weltspitze vorrücken und zeigen, wie gut sie sich auf diese Welttitelkämpfe vorbereitet haben, von denen mehr als 200 Journalisten aus aller Welt vor Ort berichten werden. Das ehrgeizige Ziel hat Teamchefin Nadine Stegenwalner vorgegeben: "Wir wollen uns in mindestens sieben der zehn olympischen Disziplinen bereits jetzt den Nationenstartplatz sichern."

Sind Deutschlands Top-Segel bereit für ihre Reifeprüfung? Die Mannschaft ist nach dem Generationswechel infolge der medaillenlosen Olympischen Spiele 2012 noch jung, verfügt mit Toni Wilhelm und dem in den Laser zurückgekehrten Tobias Schadewaldt nur über zwei Starter mit Olympiaerfahrung. Gleichzeitig ist der Druck für alle Athleten groß, weil die Förderer fünf Jahre nach der Gründung des Sailing Team Germany auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 endlich überzeugende Leistungen auf breiter Ebene sehen wollen.

"Es wird ein großer Kampf, und ich bin heiß darauf!", gibt Toni Wilhelm das Motto für die ganze Mannschaft vor. Gleichzeitig weiß der Schwarzwälder: "Unser Feld ist so stark wie nie zuvor, die Spitze ist breiter geworden. Die guten Leute von den letzten Olympischen Spielen sind alle noch da. Neue starke junge Surfer sind dazugekommen. Mir fehlt in diesem Jahr nach der langen Pause immer noch etwas Wettkampfpraxis. Deswegen möchte ich nicht zu hoch stapeln. Trotz meines super Wiedereinstiegs wartet noch ein gutes Stück Arbeit auf uns, um die ganz großen Ziele formulieren zu können. Wenn ich eine extrem gute Woche erwische, ist alles möglich. Das weiß ich. Für mich wäre es aber zunächst einmal sehr wichtig, ein solides Top-Ten-Ergebnis und die Nationenqualifikation nach Hause zu bringen."

Jesús Renedo/Sofía Mapfre Neben Lasersegler Tobias Schadewaldt der einzige Athlet mit Olympiaerfahrung im deutschen Team: Toni Wilhelm will den Nationenstartplatz für Deutschland sichern

Segel-Darling Philipp Buhl musste nach der überzeugend gewonnenen WM-Bronzemedaille im vergangenen Jahr zuletzt einige Dämpfer verkraften. Bei der Testregatta im Olympiarevier von Rio segelte Deutschlands zweimaliger Segler des Jahres nur auf Platz 16. "Ich weiß, dass ich derzeit jenseits der Top Drei bin", so der Sonthofener Sportsoldat selbstkritisch. Davon aber will er sich nicht beirren lassen: "Meine Zielsetzung bleibt bestehen: Ich will bei der WM um eine Medaille kämpfen." Es wäre nicht das erste Mal, dass Buhl schwach in eine Saison startet und im Endspurt glänzt…

Mark Lloyd/Oman Sail Kann er mit seinen berühmten Saisonendspurt-Qualitäten eine Medaille holen? Philipp Buhl greift im Laser an

Die Leistungen der zuletzt so stark agierenden 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel werden bei der WM durch eine andere Brille zu betrachten sein. Vorschoter Plößel hat über Wochen das Bett mit einer Kiefernebenhöhlenentzündung hüten müssen, die chronisch zu werden drohte. Ob die routinierten 49er-Europameister den Trainingsrückstand mit Routine und guter Technik ausgleichen können, bleibt abzuwarten. Andererseits haben Heil/Plößel auch den EM-Titel in diesem Jahr mit einem nicht ganz gesunden Thomas Plößel errungen. An Kampfgeist mangelt es diesem Duo sicher nicht.

Es gab in dieser Saison neben einigen Rückschlägen auch viele gute Einzelleistungen, die Hoffnungen auf den Durchbruch an die Spitze in der einen oder anderen Disziplin gemacht haben. Die DSV-Flotte und das Audi Sailing Team Germany stellen zwar keine Top-Favoriten für diese Titelkämpfe, könnten aber als Mannschaft durchaus erfolgreich sein, wenn sie sich gegenseitig tragen.

Kieler Woche / okpress Faire Gratulation zwischen Philipp Buhl und Tobi Schadewaldt nach dem Laserfinale bei der Kieler Woche: Diese Art von Team- und Sportsgeist wird die junge deutsche Segel-Nationalmannschaft in Spanien brauchen, wenn sie die Top-Nationen im Kampf um die Medaillen wirklich fordern will

DIE NATIONENSTARTPLÄTZE:

Nachfolgend die Zahl der Nationenstartplätze, die bei den Welttitelkämpfen in Santander pro Disziplin in der Reihenfolge der Platzierungen an die erfolgreichsten Länder vergeben werden. Brasiliens Starter werden dabei nicht mitgezählt, weil sie als Gastgeber der Olympischen Spiele eine Startplatzgarantie in jeder Disziplin haben. Pro Nation wird nur ein Startplatz vergeben. In Klammern sind die olympischen Startplätze für 2016 pro Disziplin insgesamt angegeben:

49er: 10 (20); 49er FX: 10 (20), Nacra 17: 10 (20); 470er Frauen: 10 (20); Finn Dinghy: 12 (23); 470er Männer: 13 (26); RS:X Frauen: 13 (26); RS:X Männer: 18 (36); Laser Radial: 19 (37); Laser: 23 (46).

DER WM-ZEITPLAN:

Start: 12. September

Halbzeit: 16. September

Medaillenrennen Laser, Laser Radial: 16. September

Medaillenrennen RS:X Männer und Frauen: 19. September

Medaillenrennen 470er Männer und Frauen: 20. September

Medaillenrennen 49er, 49er FX, Nacra 17 und Finn Dinghi: 21. September


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Themen: Audi Sailing Team GermanyDSVErik Heil/Thomas PlößelIsaf-WeltmeisterschaftOlympische SpielePhilipp BuhlSantanderToni Wilhelm

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