Regatta-News
"Es war sehr, sehr ruppig"

Interview mit Tilmar Hansen, Eigner und Skipper der "Outsider", über das frühe Ausscheiden beim Fastnet Race

  • YACHT Online
 • Publiziert am 17.08.2007

HSH/Krauss Tilmar Hansen Eigner der Outsider

Nach dem Erfolg beim HSH Nordbank blue race hatte sich der Kieler Hochsee-Veteran und ehemalige Admiral´s´Cup-Sieger viel vorgenommen. Doch wie so viele Crews musste Hansen die Regatta wegen Bruch vorzeitig beenden.

Herr Hansen, wie fühlen SIe sich nach der Aufgabe?

Auf dem OC-Tracker, der für segelbegeisterte Fans im Internet eingerichtet worden ist, sahen die Windverhältnisse eher unspektakulär aus. Wie haben Sie das Rennen erlebt?
Das stimmt, auf dem Tracker sah alles wirklich nicht so schlimm aus. Am Anfang war es auch ruhig. Die Prognosen waren allerdings unterschiedlich: der englische Wetterbericht sprach von schwersten Bedingungen. Das ist auch der Grund, weshalb das Rennen um einen Tag verschoben wurde. Die Amerikaner von Commander sahen das nicht so schlimm. Meno Schrader aus Kiel gab allerdings auch einen Wetterbericht mit bis zu 54 Knoten in Böen raus. 54 Knoten! Das ist viel, viel Wind in der Irischen See, gar keine Frage. Aber wir waren eigentlich genau auf solche Situationen vorbereitet.

Wie sah der Start aus?
Wir starteten um 12:40Uhr bei wunderschönem Sonnenschein und 18 Knoten Wind auf dem Solent. Es hätte gar nicht besser sein können. Unser Start war allerdings mäßig. Das Rennen begann mit einem Überläufer auf der Großschotwinsch. Wir mussten die Crew vor dem Start noch kurzfristig ändern, da ist es normal wenn nicht gleich alles harmoniert.

Gleich auf der ersten Kreuz lagen wir mit unserem direkten Konkurrenten, der „Chieftain“, Bordwand an Bordwand. Das große Problem war, dass man sich immer durch das gesamte Starterfeld durchkämpfen muss. Dennoch sind wir perfekt aus dem Solent gekommen. Dann gingen wir in Richtung Land’s End und machten einen richtigen Schlag früh raus nach Westen. Bei unerwarteten 12 bis 13 Knoten Wind wechselten wir auf die Genua I. Dann kam mehr Wind und wir gingen auf die GIII zurück um noch später weiter zu reffen. Plötzlich hatten wir die „Chieftain“ in unserem Kielwasser etwa dreieinhalb Meilen achteraus, außer Sichtweite. Da ging es uns allerbestens. "Outsider" fühlte sich wohl und lief im perfekten Regattatrimm.

Zu diesem Zeitpunkt gab es also keine Probleme?
Man muss sagen, dass es schon sehr, sehr ruppig war. Das ist ja nicht nur der Wind, sondern auch der Wellengang. Es war eine ganz steile, ekelige See. Mein Vorschiffsmann, Christian Stoffers, befand sich bei einem Segelwechsel vorne als „Outsider“ über eine Welle schoss. Das Schiff zog sich unter ihm weg und er landete 1,50 Meter tiefer mit einem verstauchten Fuß an Deck.

Das zeigt schon, wie rau es war. Das Schiff stampfte mit einem ständigem Krachen in die Wellen. Bamm, Bamm, ohne Pause. Auf der hohen Kante wurde man einfach nur herumgeschleudert. Das zehrt an den Kräften. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir Böen mit bis zu 42 Knoten. Das war auf dem Racetracker nicht zu sehen. Aber es ging schnell von 30 auf 40 hoch und wir wussten: da müssen wir jetzt durch. Das hört bald auf.

Warum haben Sie das Rennen dennoch vorzeitig abgebrochen?
Wir hatten die Genua V oben und das zweite Reff drin. Das Großsegel hatte schon einiges durch die Atlantiküberquerung beim Blue Race abbekommen und war am Achterliek nicht mehr ganz stabil. Das neue Segel hatte durch einen Kommunikationsfehler nur eine Reffreihe und dieses Reff reichte bis 35kn. Bei den angesagten schweren Winden entschieden wir uns, das alte Großsegel zu benutzen. Dadurch hatten wir eine Sollbruchstelle. Beim Einbinden des zweiten Reffs riss dann das gesamte Großsegel und das Achterliek löste sich ebenfalls auf. Ohne Großsegel keine Regatta. So einfach ist das.

Wo waren sie genau, als das Segel gerissen ist?
Etwa 40 Meilen vor Land’s End End.

Was haben Sie dann gemacht?
Wir sind um 0:30Uhr nach Plymouth abgebogen. Damit war das Fastnet für uns gelaufen. Das ist auch deshalb besonders traurig, weil die grundsätzlichen Bedingungen mit dem Starkwind von querab, der nachher kam, für unser Schiff perfekt gewesen wären. Ich bin mir sicher, dass wir weiterhin vorne hätten mitsegeln können. Um eine Regatta zu gewinnen, muss man allerdings erstmal die Regatta beenden. Wir hatten kein optimales Material an Bord, das ist bestraft worden.

Haben sie etwas Vergleichbares schon einmal erlebt?
1985 beim Admiral’s Cup war es genau das gleiche. Da sind wir auch bei 40 Knoten Wind mit einem Eintonner gegen die Wellen angestampft. Das hat mich lebhaft an diese Zeiten erinnert. Im Prinzip war es auch ähnlich bei der Nordatlantikregatta, nur da hatten wir die ganze Geschichte von achtern. Nun ging es gegenan. Und das ist sehr, sehr stressig für das Schiff, für die Crew, fürs Material - einfach für alles. Man haut mit neun Knoten über die Welle, knallt dann unten rein und wieder hoch. Das rummst die ganze Zeit, aber das Schiff macht das gut mit. Das kann man wirklich so sagen. Es ist absolut stabil und hat mit einer solchen Situation kein Problem.

Kann man also sagen, dass sie mehr Angst um die Crew als um ihr Schiff hatten?
Natürlich hat man bei solchen Bedingungen und diesem Wetterbericht zuerst Sorgen um die Besatzung. Von unserem Schiff wissen wir, dass es dafür gebaut worden ist. Es ist eher die Mannschaft, die zersägt wird.

Die Alfa Romeo hat nicht umsonst aufgegeben. Deswegen noch einmal größten Respekt an alle Mannschaften, die das Rennen zu Ende gesegelt sind. Da fragt man sich schon: Mann, Mann Mann, bist du jetzt zu alt für die ganze Geschichte, oder was? Das haut schon rein, keine Frage.

Insgesamt mussten zwei von vier „Canting-Keelern“ das Rennen abbrechen. Sind diese Schiffe zu leicht gebaut für das Fastnet?
Nein. Das hat nichts mit der Konstruktion zu tun. Der Canting-Keel ist eher günstig für diese Bedingung gewesen und ich muss sagen, dass es mit dem Kiel und der Stabilität des Schiffes überhaupt keine Probleme gibt. Die Sache ist „schusssicher“! Der Mist ist uns passiert, weil die Vorbreitung einfach nicht ideal gewesen ist.

Vor dem Rennen sagten Sie, dass Sie den internationalen Vergleich haben wollen . Wie enttäuscht sind Sie nun?
Sehr. Man ist immer enttäuscht, wenn man eine Regatta abbricht. Und dann beim Fastnet Race, wenn man weiss, dass man das Schiff und die Crew hat, um ganz vorne mitzusegeln. Das ist immer eine Enttäuschung. Man versucht zu analysieren was richtig und was falsch gelaufen ist. Was man beim nächsten mal verbessern kann. Aber das ist eben auch Regattasegeln. Selbst wenn man versucht es gut zu machen, klappt es nicht immer.

Heißt das im Klartext, dass Sie beim nächsten Fastnet Race wieder angreifen werden?
Na klar. Das kann nicht so stehen bleiben!

Wann wird man denn die „Outsider" wieder zu sehen bekommen?
Zurzeit bringen wir das Schiff im Eilmarsch nach Kiel, damit wir am Mittwoch Kiel — Kopenhagen starten können und auch einmal ohne haushohe Atlantikwellen und in heimischen Gewässern segeln können.

Dann mit einer zweiten Reffreihe?
Ich hoffe da reicht auch eine aus!

Mit Tilmar Hansen sprach YACHT-Mitarbeiter Malte Schierer


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Themen: Fastnet RaceHansenOutsiderRolex

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