Regatta-News
Ellen MacArthur: „Schäden kosten jetzt viel“

Den Doldrums entkommen und einen Tag vor der Rekordzeit liegend, äußert die Skipperin dennoch ernstahfte Sorgen.

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 29.01.2005

Eigntlich gibt es keinen Grund zu zweifeln. Nach über 24000 gesegelten Meilen scheint der Rest der Weltumsegelung überschaubar: Nur den Sprung aus dem Seegebiet um die Kapverden (Entfernung rund 600 Meilen) herum bis ins Ziel gilt es noch zu schaffen, ein Klacks. An Land gebliebene würden das wahrscheinlich so sehen. Doch Ellen MacArthur nicht: Wieder und wieder inspiziert sie den riesigen drehbaren Mast von „B&Q“ und hört weit über sich ein ständiges Knarzen. Sie weiß genau, woher es kommt und sorgt sich, weil sie nichts tun kann.

Die Mastschiene hat bereits vor einigen Tagen einen größeren Schaden am Rigg verursacht. An der Stelle, an der das Kopfbrett das Großsegels Last einleitet, ist sie deutlich geschwächt-vor allem, wenn das Segel einfach gerefft ist: Der Kopf des Großsegels könnte wegen der Schwingbewegungen des Masts einfach von der Schiene reissen. Der Schaden von voriger Woche würde sich dann einfach wiederholen und nur der Austausch des ganzen Schienen-Segments könnte der Gefahr dauerhaft Abhilfe schaffen. Für eine ganze Crew an einem Steg, in einem ruhgen Hafen ist ein solcher Austausch eine anstrengende, jedoch mögliche Option. Für einen Einhandsegler auf einem Riesenschiff wie "B&Q" jedoch verlangt eine solche Reperatur übermenschliche Kräfte.
Ellen, die das weiß und deswegen mehrmals im Mast war und die schadhaften Stellen gefügig gefeilt hat, gibt sich wegen des Schadens jedoch fast fatalistisch: „Wenn die Schiene bricht, dann bricht sie. Ich habe alles unternommen, was ich konnte“. man glaubt es ihr: Dass die Engländern technisch ausgesprochen fit ist, hat sie schon oft bewiesen. Ersatzsegmente für die Gleitlagerschiene hat sie an Bord.
Der 75 Fuß große Trimaran „B&Q“ dürfte noch mindestens einen halben Tag einfach gerefft mit geschrickten Schoten weitersegeln (die Durchschnittsgeschwindigkeit über die letzten Stunden betrug über 13 Knoten) und den Großsegelkopf maximal besasten. Erst dann sehen Ellen und ihre Wetterberater einen angenehmeren Raumschotskurs. Bis dahin wird die Skipperin in ihrem Boot noch ziemlich herumgeworfen. Trotzdem schreibt sie: „Ich bin nervös. Immerhin ist die verbleibende Strecke noch so lang wie ein Transatlantikrennen“: Und auf Atlantikrennen ist schon viel passiert.
Oft zum Beispiel kollidierten Schiffe mit Walen. „Einer tauchte heute so dicht neben dem Boot auf, dass ich mich schon festgeklammert und die Kollision erwartet habe. Aber wir sind direkt darüber gesegelt“.


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Themen: Elli PirelliMastschieneWal

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