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Silverruder: Ein bisschen hart, ein bisschen zart – Teil 2

Irgendwie hatte das Wetter was gutzumachen – und so folgte auf die Sturm-und-Bruch-Wettfahrt im Vorjahr an diesem Wochenende ein Silverrudder zum Genießen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 22.09.2019
Harte Kreuz: Ab Fynshoved im Nordosten Fünens kam der schwerste Teil des Silverrudder – 30 Meilen hoch am Wind gegen eine rumpelige See Harte Kreuz: Ab Fynshoved im Nordosten Fünens kam der schwerste Teil des Silverrudder – 30 Meilen hoch am Wind gegen eine rumpelige See Harte Kreuz: Ab Fynshoved im Nordosten Fünens kam der schwerste Teil des Silverrudder – 30 Meilen hoch am Wind gegen eine rumpelige See

Seascape/First/A. Sutej Harte Kreuz: Ab Fynshoved im Nordosten Fünens kam der schwerste Teil des Silverrudder – 30 Meilen hoch am Wind gegen eine rumpelige See

Ab der Großen-Belt-Brücke, die etwas mehr als ein Viertel der Strecke markiert, wurde die See bewegter, der Kurs gegen den Uhrzeigersinn etwas spitzer als Halbwind. Und spätestens ab Fyns Hoved hieß es dann beißen, zumal für die Eigner kleinerer Boote. Denn im südlichen Kattegat, wo der Wind ungebremst und in Böen mit vollen 6 Beaufort blies, stand eine höchst ungemütliche See von ein bis anderthalb Meter Höhe.

"Das war schon kernig", befand Tobias Schadewaldt, der auf einer First 18 zum ersten Mal ein Einhand-Langstreckenrennen segelte. Der noch amtierende Meister und Seriensieger der Segelbundesliga vom Norddeutschen Regattaverein schlug sich erwartungsgemäß höchst achtbar und lag zu Beginn lange vor deutlich größeren und potenziell schnelleren Boote der Mini-Klasse. Und das ohne Autopilot!

"Ich wollte diese Herausforderung pur: nur ich und das Boot." Dem Rat von Andraz Mihelin folgend, einem der beiden Seascape-Gründer, der in Svendborg mehr als 30 Boote seiner Marke betreute und mit eigenem Medienteam begleitete, nutzte Tobias Schadewaldt die letzten Meilen vor dem offenen Kattegat, um sich wärmer anzuziehen und sich und sein Boot auf die Nacht vorzubereiten.

"Ein Glück, dass ich das rechtzeitig gemacht habe", sagte er. "Danach wäre es mehrere Stunden unmöglich gewesen." Um ab und an eine Hand freizubekommen, band er die Großschot an der Pinne fest. Das Nötigste hatte er in einer wasserdichten Tasche im Cockpit: zwei Thermosflaschen, eine mit Kaffee, eine mit Ingwertee, Energieriegel.

Als die Dunkelheit hereinbrach, kam sein bangster Moment. "Plötzlich siehst du nichts mehr, nur noch die Positionslichter. Das war bei der Welle und dem Wind schon ein bisschen beängstigend. Da kam ich echt an meine Grenze." Auf der Kreuz nach Æbelø büßte er etwas von seinem Vorsprung vor den anderen Booten seines Typs ein, doch das machte er nach Tagesanbruch wieder wett, als er unter Gennaker in den Kleinen Belt bolzte, mit teils bis zu 10 Knoten Fahrt.

"Das war die längste Vorwindstrecke meines Lebens: sechs Stunden ballern bis zum Svendborg-Sund!" Eigentlich ein Traum, doch nach 24 Stunden Nonstop-Segeln überkam ihn in Ermangelung von Koffein-Nachschub und wegen der einsetzenden Erschöpfung dann doch ein Zwischen-Tief – und das an seinem Geburtstag, den er einsam auf See erlebte. "Da wollte ich eine Zeitlang nur noch, dass es vorbei ist", sagte Schadewaldt am Sonntagmorgen.

Hätte man ihn in dem Moment gefragt, ob er so was noch mal machen werde, wäre die Antwort wohl negativ ausgefallen. Aber die Sonne und die richtige Musik aus seinem Smartphone ließen ihn dann wieder in den Attacke-Modus umschalten. Am Ende aber strahlte er.

Seascape/First/A. Sutej Sein erstes Einhandrennen und ein Finish zum Geburtstag: Toby Schadewaldt, Seriensieger in der Segel-Bundesliga, auf für ihn neuem Terrain

Das Ergebnis – Platz 14 in seiner Klasse – erscheint für einen ehemaligen Olympiasegler zwar nicht ganz standesgemäß. Der sympathische Segelprofi und Werft-Besitzer sah das gleichwohl unverbissen, wie die meisten anderen Teilnehmer auch: "Ich bin das Silverrudder ohne Erwartungsdruck angegangen, ich wollte es nur schaffen und 30 Stunden gut segeln." So nebenbei wurde er übrigens Bester der Boote unter 20 Fuß Länge – auch wenn es beim Silverrudder dafür keinen Preis und keinen Pokal gibt.

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