126. Kieler Woche
Die Sieger der ersten Halbzeit und ein prominenter Abschied

Teil eins der Kieler Woche ist beendet: Wolfgang Hunger hält mit 23 Titeln einen Rekord für die Ewigkeit, die Meister werden gefeiert und „Tutima“ sagt Tschüss

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 09.09.2020
126. Kieler Woche 2020 126. Kieler Woche 2020 126. Kieler Woche 2020

Sascha Klahn / Kieler Woche 126. Kieler Woche 2020

Die erste Hälfte der 126. Kieler Woche mit den internationalen Klassen, der Deutschen Seesegelmeisterschaft der ORC-Yachten und den Spaß- und Familienwettfahrten am Eröffnungswochenende ist erfolgreich abgeschlossen. Das erste internationale Segelsport-Großereignis seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist bislang ohne medizinische Hiobsbotschaften durchs Programm gekommen. Organisationsleiter Dirk Ramhorst sagte am Dienstagabend im Olympiazentrum Kiel-Schilksee: „Wir haben es geschafft, den ersten Teil über die Bühne zu bringen. Uns wurde keine Corona-bedingten Auffälligkeiten berichtet. Am Donnerstag beginnt die olympische Hälfte, und danach fällt mir hoffentlich auch der letzte Stein vom Herzen.“

Sascha Klahn / Kieler Woche Segelten souverän zum neuen Kieler-Woche-Rekord: die 505er-Segler Wolfgang Hunger und Holger Jess

Sportlich prägten Kieler-Woche-Rekordssieger Wolfgang Hunger aus Strande und sein Vorschoter Holger Jess aus Eckernförde beim neunten gemeinsamen Triumph die ersten vier Tage der weltgrößten Regattaserie mit ihrem neuen Rekord. Mit seinem 23. (!) Titel verbesserte Ausnahmesegler Hunger erneut die eigene Bestmarke, die auf unabsehbare Zeit unschlagbar sein dürfte. Mit seinem langjährigen Segelpartner Holger Jess war es für Wolfgang Hunger, der den Sieg abends im kleinen Familienkreis im „Kleinen KYC“ in Strande feierte, der neunte gemeinsame Triumph. Der 60-jährige dreimalige Olympiateilnehmer und siebenfache Weltmeister in den Klassen 470er und 505er sagte: „Es ist immer wieder neu nicht leicht, eine Kieler Woche zu gewinnen. Deswegen freue ich mich über jeden Titel.“ In den insgesamt zehn internationalen Klassen konnten sich in der Strander Bucht und auf der Förde sechsmal deutsche Teams durchsetzen. Die weiteren vier Siege sicherten sich zwei dänische und jeweils eine niederländische und eine polnische Mannschaft.

tati Fast wirken ihre Titel selbstverständlich, doch für Wolfgang Hunger und Holger Jess sind es keine Selbstläufer. Steuermann Hunger schraubte seinen Kieler-Woche-Rekord in dieser Woche auf sagenhafte 23 Titel hoch. Gemeinsam mit Weggefährte Holger Jess (l.) war es der neunte Sieg in der schnellen Gleitjolle 505er

Ein wenig schmerzlich verlief der Finaltag für 505er-Weltmeister und J/70-Steuermann Claas Lehmann, der mit seinem Team als Spitzenreiter in die abschließenden J/70-Wettfahrten gestartet war, sich aber im heißen Schlussduell NRV-Vereinskamerad Michael Grau und dessen Team um Taktiker David Chapman nach einer verunglückten Halse doch noch geschlagen geben musste. Der Grau-Crew reichte nach insgesamt elf Rennen und vier Tagessiegen im letzten Durchgang ein überzeugendes taktisches Manöver und Rang vier zum punktgleichen Kieler-Woche-Sieg vor Lehmanns Crew. Während Martin Menzner sein Dutzend Kieler-Woche-Titel mit seiner J/80-Crew vollmachte, standen der Hamburger J/24-Steuermann Stefan Karsunke und sein Team vom Blankeneser Segel-Club erstmals seit 2006 wieder ganz oben auf dem Kieler-Woche-Podest. Im Laser 4.7 siegte der erst 16 Jahre alte Schüler Batbold Gruner vom Zwischenahner Meer. Im Musto Skiff machte Iver Ahlmann vom Kieler Yacht-Club die Strander Bucht zu seinem Spielplatz, bestand die Rodeo-Ritte im Einmann-Trapez-Gennaker-Skiff bravourös und sicherte sich seinen zweiten Sieg nach 2011. Contender-Weltmeister Max Billerbeck vom Wassersportverein Kollmar, eher ein Spezialist für leichte und mittlere Winde, war angesichts der fordernden Winde auch mit Platz drei zufrieden. Den Kieler-Woche-Titel im Contender ersegelte der Däne Søren Dulong Andreasen.

Sascha Klahn / Kieler Woche So viel Segellust zeigte Kieler-Woche-Sieger und Laser-Radial-Steuermann Paul Hameeteman im Revier vor Kiel-Schilksee

Christian Beeck / Kieler Woche Sailing Martin Menzner und seine Crew waren bei neun Siegen in elf Rennen das Maß der Dinge in der J/80

Christian Beeck / Kieler Woche Sailing Laser 4.7-Ass Batbold Gruner

Die „Sportsfreunde“ siegen trotz Kaltstart

tati "Sportsfreund"-Steuermann Gordon Nickel

tati "Immac Fram"-Skipper Kai Mares

Die Internationale Deutsche Seesegelmeisterschaft gewann in der großen Division ORC I und II Axel Seehafers X-41 „Sportsfreund“ mit Skipper Gordon Nickel vom Flensburger Segel-Club vor Jens Kuphals modifizierter Landmark 43 „Intermezzo“ vom Berliner Yacht-Club und Torsten Bastiansens X-41 „Xen“ vom Flensborg Yacht Club, die am Finaltag mit den Rängen zwei und drei noch aufs Podium segelte. Für die „Sportsfreunde“ und Europameister von 2019 war es ein Erfolg nach Kaltstart: Die teilweise neu formierte Mannschaft, die MSC-Spross Till Krüger als Deutscher eSailing-Vereinsmeister (MSC) und höchst talentierter Sohn von Kieler-Woche Urgestein Frank Schönfeldt als Taktiker verstärkte, hatte ihr Boot erst kurz vor der Kieler Woche aus der Knierim-Halle geholt, wo es seit dem EM-Sieg 2019 auf diesen Einsatz gewartet hatte. Ein Freitagstraining vor dem Kieler-Woche-Start reichte zum Meistertitel, der von der weiten Mehrheit der ORC-Flotte als „höchst verdient“ eingestuft wurde. Und Till Krüger hat nun im schwierigen Regattajahr 2020 bereits seinen zweiten Titel eingeheimst. In Division III sicherte sich Kai Mares Crew auf der Kieler Italia 9.98 „Immac Fram“ den IDM-Sieg vor Knut Freundenbergs First 36.7 „Halbtrocken“ (Flensburg) und der dänischen „Stony VIII“. Bei der Bestenermittlung in ORC IV ließ Jan Schmidts Crew auf der Flensburger Melges 24 OD „Bostik Bad Boys“ bei sieben Siegen in neun Rennen keinen Zweifel an ihrer Dominanz aufkommen. Nach dem Wechsel- und Ruhetag am Mittwoch wird die Kieler Woche am Donnerstag mit der zweiten, olympischen Halbzeit, herausragend besetzten Feldern und spannenden vorolympischen Entscheidungen fortgesetzt.

Sascha Klahn / Kieler Woche Am Ende fehlten den Meisterschafts-Zweiten auf der "Intermezzo" acht Punkte zum Titel, obwohl das Team mit vier Siegen seine Möglichkeiten unterstrichen hatte

Alle Ergebnisse der Kieler Woche gibt es hier .

Sascha Klahn / Kieler Woche Für die "Tutima"-Crew markierte die 126. Edition der weltgrößten Segelserie den letzten Kieler-Woche-Einsatz nach mehr als einem Jahrzehnt. Es war eine "Sentimental Journey"…


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Themen: 126. Kieler WocheDirk RamhorstFördeKielWolfgang Hunger

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