Segeln olympisch
Die Mutter aller Befreiungsschläge

Laser-Ass Philipp Buhl hat bei der Isaf-Weltmeisterschaft in Spanien auf einen Tiefschlag mit einem imposanten Comeback geantwortet

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 17.09.2014

tati Nach den beiden Tagessiegen: Philipp Buhl und sein junger Teamkamerad Theodor Bauer vor dem Siegerboot. Buhl sagte: "So, wie man sich nach einem missratenen Tag wieder hochpushen muss, so gilt es auch, nach einem Tag wie heute nicht abzuheben. Ich will morgen einfach wieder möglichst perfekte Rennen segeln"

Diese Leistung dürfte einzigartig sein: Philipp Buhl hat bei der Isaf-Segelweltmeisterschaft vor Santander einem schweren Tiefschlag einen Doppel-Befreiungsschlag folgen lassen, der seinesgleichen sucht. In WM-Wettfahrt fünf war der Sonthofener Sportsoldat noch am Sonntag nach großen Problemen mit dem "Lesen" der Strömungsverhältnisse, einer restlos verpatzten Torpassage und einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Rennen erst als letzter der Goldflotte ins Ziel gekommen – die Höchststrafe für einen, der ausgezogen war, nach Bronze 2013 eine weitere WM-Medaille zu gewinnen. Mit dem frustrierenden 38. Rang war der Hoffnungsträger der DSV-Flotte auf Platz 19 abgerutscht und damit am ersten WM-Wochenende weit vom Medaillenkurs abgekommen.

Sein Glück im Unglück: Der folgende Tag war für die Lasersegler ein Ruhetag. "Der kam für uns genau richtig", konstatierte auch Bundestrainer Thomas Piesker. Buhl nutzte die Pause. Und wie! Das Debriefing mit seinem Coach, eine entspannende Runde auf dem Rad, ein beflügelndes Gespräch mit Papa Friedl Buhl ("Er war on fire, also war ich es auch wieder") und eine totale Neufokussierung ergaben in der Summe den freien Kopf, den Buhl zum schnörkellosen Comeback brauchte. Die Antwort des Allgäuers auf die Schlappe am Sonntag: Zwei Tagessiege am Dienstag! Damit katapultierte sich der Steuermann vom Segelclub Alpsee Immenstadt von Platz 19 zurück auf Platz fünf, mitten hinein in den Kampf um die Medaillen.

Am Mittwoch gilt es nun: Maximal drei Rennen stehen für die Lasersegler noch auf dem Programm, bevor es am Donnerstag im Medaillenfinale der besten zehn Steuerleute um Titel und Edelmetall geht. Alles ist möglich. Das sagt auch Buhl, der die beiden letzten Regattatage Schritt für Schritt angehen und am Mittwoch zunächst einmal "möglichst perfekte Rennen" bestreiten will.

Den dritten deutschen Tagessieg errangen am Dienstag Leonie Meyer und Elena Stoffers aus Kiel im 49er FX. In Addition mit Rang zwölf in ihrem ersten Rennen liegt die Crew vom Norddeutschen Regatta Verein zum Auftakt der Titelserie für die Skiff-Seglerinnen gut im Rennen. Ein Zwischenergebnis konnte es aber vorerst nicht geben, denn die Gruppe von Meyer/Stoffers, in der auch Victoria Jurczok und und Anika Lorenz mit einem zweiten Rang einmal glänzen konnten, sich zuvor aber einen Frühstart geleistet hatten, hat am Dienstag in den teilweise noch flauen Winden nur zwei Rennen absolviert. Die zweite Gruppe dagegen hat bereits die Punkte für drei Wettfahrten auf dem Konto. In der war auch Tina Lutz und Susann Beucke gleich zum Auftakt ein Frühstart unterlaufen, bevor sie noch die Ränge zehn und acht erreichten.

Santander 2014 Photomedia 49er-Europameister Erik Heil (schwarzes Shirt) hat in dieser Szene guten Überblick, muss aber bei der WM ohne seinen verletzten Segelpartner Thomas Plößel auskommen

RS:X-Surfer Toni Wilhelm musste mit Rang 22 in seinem fünften und letzten Qualifikationsrennen mit Rang 22 den ersten kleinen Dämpfer hinnehmen, liegt aber als Sechster nach bislang guten Ergebnissen immer noch in der Spitzengruppe. Auf Platz zwei hat Wilhelm lediglich zwei Punkte Rückstand, auf den führenden Polen Piotr Myszka sind es sechs Punkte. Die Medaillenrennen der Surfer sind für den 19. September angesetzt. Bis dahin bleiben dem Deutschen noch maximal fünf Wettfahrten, um sich für den Kampf um die erste WM-Medaille seiner Karriere optimal zu positionieren.

Santander 2014 Photomedia Die Kämpferin in ihrem Element: Marit Bouwmeester aus Holland will nach Silber bei den Olympischen Spielen in England noch einmal angreifen und die ersehnte Goldmedaille 2016 in Rio de Janeiro gewinnen. Auf dem Weg dahin ist sie im Laser Radial bei jedem Start zu den Top-Favoritinnen zu zählen. Auch bei der WM in Spanien ist sie nach fünf Regattatagen wieder Spitzenreiterin

Die Isaf-Weltmeisterschaft aller zehn olympischen Segeldisziplinen endet am 21. September nach den letzten Medaillenrennen. Insgesamt kämpfen rund 1250 Athleten aus 83 Nationen um 30 Medaillen und 50 Prozent der Nationenstartplätze für die Olympischen Spiele 2016.

Santander 2014 Photomedia Schöne Kulisse: Nacra 17 vor Santanders Küste


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Themen: Isaf-WeltmeisterschaftLaserPhilipp BuhlSantanderTheodor BauerThomas BiesterTobias Schadewaldt

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