Ein spanisch-französisches Duo gewinnt in der Class40
Entbehrungsreicher "Redman"-Sieg: wenig essen, viel steuern

Der Jubel im Ziel war groß, die Strapazen während des fast 22-tägigen Rennens auch: Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco haben das TJV gewonnen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.11.2021
Stolze Class40-Gewinner im Transat Jacques Vabre 2021: Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco Stolze Class40-Gewinner im Transat Jacques Vabre 2021: Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco Stolze Class40-Gewinner im Transat Jacques Vabre 2021: Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco

Jean-Marie Liot/Alea Stolze Class40-Gewinner im Transat Jacques Vabre 2021: Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco

Drei Franzosen und drei Nicht-Franzosen sowie insgesamt drei vertretene Nationen – das Class40-Podium im 15. Transat Jacques Vabre seit 1993 ist ausgeglichen und multinational besetzt wie nie zuvor. Aus zwei Ländern stammt auch die Sieger-Crew: Der Franzose Antoine Carpentier und der Spanier Pablo Santurde Del Arco haben sich bei ihrem Zweihand-Triumph heute nicht nur den Jubel geteilt, sondern in den 21 Tagen, 22 Stunden, 33 Minuten und 30 Sekunden auf See auch die Höhen und Tiefen des Transatlantik-Rennens. Im Ziel hatte das "Redman"-Duo gerade einmal 1 Stunde, 4 Minuten und 8 Sekunden Vorsprung vor seinen beiden Schweizer Verfolgern Valentin Gautier und Simon Koster auf "Banque du Léman". Den glücklichen Eidgenossen wiederum reichten 34 Minuten und 15 Sekunden Vorsprung vor den Franzosen Cédric Château und Jérémie Mion zu Platz zwei. Noch knapper fiel die Entscheidung im bis zuletzt packenden Duell um diesen dritten Platz aus, den der Belgier Jonas Gerckens und der Franzose Benoit Hantzperg auf "Volvo" mit nur 19 Minuten und 11 Sekunden Rückstand trotz großem Kampf als Gesamt-Vierte knapp verpasste.

Jean-Louis Carli / Alea Valentin Gautier und Simon Koster kamen auf "Banque du Léman" als zweites Class40-Duo ins Ziel

Jean-Marie Liot / Alea Verpassten das Podium knapp: Jonas Gerckens und Benoit Hantzperg auf "Volvo" lieferten trotzdem ein starkes Rennen

Die engen Zieldurchgänge hielten und halten den Class40-Wettkampf bei dieser Edition hochspannend. Am Montagabend kamen die beiden besten Class40-Seglerinnen Amélie Grassi und Marie Riou als Neunte ins Ziel. Die erfahrene Ocean-Race-Weltumseglerin, mehrfache Nacra-17-Weltmeisterin und Olympiateilnehmerin Marie Riou und ihre Co-Skipperin hatten sich im Endspurt über den Tag auf "La Boulangerie Bio" sogar noch um einen Platz verbessern können. Die nach ihrer "Ufo"-Kollision auf Rang 14 liegenden Vorstart-Favoriten Ian Lipinski und Julien Pulvé dagegen hatten am Montagabend um 18 Uhr noch gut 60 Seemeilen bis zur Ziellinie vor Martinique zu absolvieren. Hier geht es zu den Ergebnissen, Zeiten und Zwischenständen der Verfolger (bitte anklicken!) .

Jean-Louis Carli / Alea Am Finaltag noch einen Rang gutgemacht und bestgelaunt im Ziel: Marie Riou (r.) und Amélie Grassi

Während auf See weiter geackert wird, feierten die Gewinner schon ihren Erfolg im Transat-Zielhafen Fort-de-France. Dort sprachen Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco über ihr Rennen, ihre Probleme und ihren siegbringenden Durchbruch. Auch sie hatten vor dem Start auf den langen Favoritenlisten der Experten gestanden, weshalb der Sieg keine riesige Überraschung war. Leichtes Spiel aber hatte das "Redman"-Team deswegen im Verlauf der über Grund absolvierten 5502,96 Seemeilen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,45 Knoten keinesfalls. Sie litten in den ersten Tagen wie der Rest der Flotte unter den leichten Winden, die das Rennen in die Länge zogen. Der Druchbruch gelang bei den Kanarischen Inseln, als sich die "Redman"-Crew leicht absetzen konnte. Dieser erarbeitete Vorsprung hielt bis ins Ziel allen Attacken der Konkurrenz stand. Antoine Carpentier erzählte im Hafen von Fort-de-France: "Wir wollten zum Auftakt nicht zu viel riskieren. Das war dann in der ersten Nacht vor Cherbourg teuer. Danach haben wir hart gearbeitet, sind wieder ins Spiel gekommen. Als wir dann einmal vorne waren, ging es darum, das Rennen zu kontrollieren."

Antoine Carpentier und Pablo Santurde Del Arco konnten ihren Vorsprung mit überwiegender Handsteuerung halten und sogar noch ausbauen. “Wir haben über 80 Prozent der Zeit selbst gesteuert", erklärte Carpentier. "Zum einen geschah das aus Performance-Gründen in der kabbeligen See, zum anderen aber auch, weil wir an Bord nicht viel Energie zur Verfügung hatten und der Autopilot sehr viel Energie verbraucht." Pablo Santurde Del Arco bestätigte das Szenario: "Es war schwer, aber dafür sind wir ja gekommen. Antoine und ich kennen uns schon lange, aber wir waren auf dem Wasser immer Gegner. Wir hatten auch nicht viel Essen, was die Nerven belastet hat. Wir mussten schon zwei Tage vor den Kapverden mit dem Rationieren beginnen." Den Hunger haben im Ziel erst der Sieg, dann erfrischende Kokosnussmilch und später weitere Köstlichkeiten gestillt.

Jean-Louis Carli / Alea "Wir müssen das halten, wir müssen das halten!", hatte Antoine Carpentier am Abend vor den spannenden ersten Zieldurchgängen von Bord gefunkt. Das hat mit der Mach 40.4 "Redman" geklappt! Der ruhig und effektiv agierende multitalentierte Franzose gewann die Klasse mit Co-Pilot Pablo Santurde Del Arco. Für Carpentier ist es bereits der dritte Transat-Sieg nach dem Gewinn der Multi50-Klasse 2019 und dem ersten Triumph in der Class40 2017 an der Seite von Vendée-Globe-Skipper Maxime Sorel.

Und hier ein Leckerbissen für Class40-, Transat-, Regatta- und Technologie-Fans: In YACHT 1/2022, die schon ab dem 8. Dezember in der YACHT-App und ab 15. Dezember am Kiosk zu haben ist, veröffentlichen wir ein Class40-Klassenporträt zum Genießen. Serviert werden eine Analyse der aktuellen Konstruktionen, die Klassenentwicklung seit 2004 und dazu Stimmen der erfolgreichsten deutschen Class40-Skipper, allen voran Jörg Riechers und Boris Herrmann.


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Themen: Transat Jacques Vabres

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