Youth America's Cup
"Die Kreuzen waren der Burner"

All in Racing kann einzelne Glanzpunkte setzen, aber in der Gesamtwertung nicht glänzen. Im Finale will sich das Team furios verabschieden

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 04.09.2013

Jens Hoyer/AIR An Kampfgeist mangelt es All in Racing nicht: Steuermann Erik Heil und die Crew geben alles

Es war ein Frühstart, der schmerzte: Gerade war dem deutschen Nachwuchsteam All in Racing am Dienstagabend in Wettfahrt fünf des neuen Youth America's Cup mit Rang drei ein eindrucksvoller Befreiungsschlag gelungen, da machte der Frühstart in Rennen sechs wieder alles zunichte. Vor den beiden Finalrennen (Wettfahrt acht wird doppelt gewertet!) heute Abend fiel die Mannschaft um Skipper Philipp Buhl und Steuermann Erik Heil im Feld der zehn Teams aus acht Nationen auf Platz neun zurück. In Führung liegen – das ist keine große Überraschung – die beiden neuseeländischen Mannschaften NZL Sailing with ETNZ mit Skipper Peter Burling und Full Metal Jacket Racing mit Matchracer Will Tiller an der Pinne. All in Racing fehlte auch am dritten Wettfahrttag in der Bucht von San Francisco die Konstanz, nicht aber der Kampfgeist. YACHT online sprach mit Steuermann Erik Heil über die Youth-America's-Cup-Mission, wertvolle Erfahrungen und die Taktik für das Finale.

AIR/Jens Hoyer Nach dem Sieg bei den Speedtrials hatte Steuermann Erik Heil (l.) Grund zum Jubeln

YACHT online: In Wettfahrt fünf hat Ihr Team gepunktet und gezeigt, was ohne Patzer möglich ist. Dafür gab es viel Lob von den Experten. Wie ist das Rennen aus Ihrer Sicht gelaufen?

Erik Heil: Wir hatten einen mittelmäßigen Start, sind dann aber ganz gut ins Rennen gekommen und haben eine  saubere Strategie gefahren. Das hat Buhli extrem gut gemacht! Wir haben die Fehler vom Tag zuvor minimiert. Also diese Halsen, bei denen wir ein bisschen was verloren hatten. Das haben wir gestern erkannt und geändert. Dann lief es eigentlich ziemlich gut. Die Kreuzen waren wirklich der Burner. Am Ende hat es für den dritten Rang gereicht. Die Jungs haben wirklich alles perfekt gemacht, das kann man nicht anders sagen. Keine Fehler, kein falscher Furl. Alles an der richtigen Stelle gewesen. Wenn der Start noch ein bisschen besser gewesen wäre, dann wären wir bei dem Ding vorne weg gewesen.

YACHT online: Autsch, der knappe Frühstart in Rennen sechs tat weh, denn Sie lagen in aussichtsreicher Position, als Sie abbremsen und den Penalty absolvieren mussten ...

Erik Heil: Ja, den Frühstart haben wir auch gesehen. Wir hatten beschleunigt. Wir waren etwas überrascht, dass das Boot so schnell beschleunigt hat. Wir mussten ein bisschen Risiko gehen, weil wir sonst direkt vom Schweden überlaufen worden wären. Dann sind wir etwas zu aggressiv in den Start gegangen, haben aber im Rennen auch noch an anderen Stellen verloren, vor allem an den Lee-Gates. Da sind wir mit ziemlich viel Speed reingekommen. Manchmal mit zu viel Speed. Da mussten wir eine ziemlich tiefe Lane nehmen. Die hat uns viel gekostet. Und ja: Morgen werden die Starts besser!

YACHT online: Sie haben nach dem Start zunächst gut aufgeholt, sind dann aber auf der Landseite klebengeblieben. Was ist passiert?

Erik Heil: Wir sind da mit den Neuseeländern auf der linken Seite von der Luvtonne losgenagelt und hatten eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Aber auf der anderen Seite war wohl ein bisschen mehr Wind, wahrscheinlich sogar deutlich mehr Wind. Dann haben wir uns ein bisschen in den Kampf mit den Neuseeländern verstrickt. Wir haben die Windkante verpasst. Dadurch sind die Portugiesen und der Schwede wieder vorgerutscht.

ZDF Erik Heil (l.) und Philipp Buhl zu Gast im Aktuellen Sportstudio

YACHT online: Mehrfach haben nicht nur die österreichischen TV-Kommentatoren darauf hingewiesen, dass Sie der Leistung Ihres Teams großen Respekt zollen, weil All in Racing als einzige junge Mannschaft ohne Betreuung in San Francisco operiert. Zollen Sie dieser Mehrfach-Belastung auf dem Wasser Tribut?

Erik Heil: Wir haben in den letzten drei Wochen gelernt, damit umzugehen, dass wir keinen Trainer haben. Wir haben das ein bisschen selbst in die Hand genommen. Es kostet natürlich mehr Kraft, das Ganze selbst zu koordinieren. Wir sind da auf dem Wasser immer ganz gut dabei, unsere Fehler zu erkennen. Aber es könnte in jedem Fall besser sein ...

YACHT online: Im Gesamtklassement liegen zwei neuseeländische Teams vorn. Es sieht so aus, als mache sich die Anbindung der führenden Teams an die großen America's-Cup-Teams bezahlt …

Erik Heil: An den Erfahrungskreislauf mit Blick auf den America's Cup glaube ich nicht so sehr. Ich glaube, dass die Top-Teams da vorn, die Neuseeländer, die Portugiesen, relativ durchstrukturierte Kampagen haben. Das führende Team von Peter Burling ist schon in der World Series mitgefahren. Der Schwede ist schon in der World Series mitgefahren, hat sich ein halbes Jahr auf die ganze Geschichte vorbereitet. Die waren sehr viel unterwegs, haben viel über das Boot gelernt, und ich denke, da haben sie ihre Meter gemacht, die sie jetzt hier vorn sind. Mal schauen, was heute noch geht. Alles ist relativ eng zusammen. Ich würde schon denken, dass der Neuseeländer ein Stück vorn ist. Der ist auch ein echt guter Typ. Und er hat ein richtig gutes Team. Das ist aber irgendwie einholbar.

YACHT online: Ihr Team hat für die Teilnahme hart gekämpft, viel riskiert. Würden Sie das mit Blick auf das derzeit eher schwache Ergebnis noch einmal machen?

Erik Heil: Auf jeden Fall! Wir haben extrem viel gelernt. Wir haben alles in Sachen Strukturierung, Koordinierung unserer Aufgaben, Kampagnenplanung im kleinen Format und auch die Akquise von Geldern gelernt, können so viel mitnehmen, was uns auf jeden Fall im olympischen Bereich helfen wird. Hinzu kommt, was wir an seglerischen Sachen dazugelernt haben. Unglaublich viel in Sachen Teamwork. Wie geht man im großen Team miteinander um. Was muss man beachten. Eigentlich auch viel über Wind, Bootsgefühl, Strom. Die sind hier extrem vorhanden. Das Boot ist ein super Spitzengerät. Aber man muss auch aufpassen, dass man mit dem richtig umgeht, immer volle Konzentration hat. Strom und Wind geben auch strategisch immer relativ genaue Pläne vor. Die in seinen taktischen Plan auf dem Kurs einzubauen ist nicht so leicht. Da haben wir viel, sehr viel gelernt.

YACHT online: Wie ist der Plan für die beiden Finalrennen, von denen das letzte doppelt gewertet wird?

Erik Heil: Wir glauben, dass da immer noch etwas geht. Das sind nach Punktvergabe noch drei Rennen. Wenn wir noch einmal ein ordentliches Rennen mit sauberem Start durchkriegen, dann können wir auch ganz vorn noch einmal einen Impuls setzen und uns in der Gesamtwertung ordentlich vorarbeiten. Wir werden wohl ein bisschen mehr Risiko auf uns nehmen. Zu verlieren haben wir nichts mehr. Vielleicht werden wir den Fights etwas aus dem Weg gehen, wenn da welche stattfinden. Und dann geht’s los.

Jens Hoyer/AIR All in Racing: Im Finale will die Mannschaft noch ein Ausrufezeichen setzen


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Themen: Erik HeilPhilipp BuhlSan FranciscoYouth America's Cup

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