America's Cup
Die Flugshow geht in Runde zwei

Noch haben die Verteidiger das Boot ihrer Wahl für den 35. America's Cup nicht vorgestellt. Doch es werden immer mehr Einzelheiten bekannt

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 14.04.2014

G.-M. Raget Der Cup als Wahrsagerkugel: Was wird die neue Klassenregel für den 35. America's Cup bringen? Designer Pete Melvin gab weitere Einblicke

Sie sollen kleiner sein, aber vor dem Wind das Geschwindigkeitspotenzial der rasenden AC-72-Katamarane aus der 34. Cup-Auflage erreichen. Lediglich am Wind werden sie vermutlich etwas langsamer sein als die gigantischen Prototypen, die 2013 zwischen Golden Gate Bridge und Alcatraz übers Wasser flogen. Und bitte anschnallen: Fliegen sollen die künftigen Cup-Boote fast durchgängig. Diese und weitere interessante Details mehr verkündete Pete Melvin zum Wochenende bei einem Seminar im Rahmen der "Strictly Sail Pacific Show". Das berichtete der Segler-Informationsdienst Scuttlebutt.

Balazs Gardi/Red Bull Content Pool Geflogen wird auch in Zukunft: Die neue Cup-Klasse soll in ihrer Größe irgendwo zwischen diesen kleineren Katamaranen vom Typ AC45 und den letzten Cup-Boliden vom Typ AC72 angesiedelt sein

Gemeinsam mit Gino Morrelli bildet Pete Melvin das Design-Büro Morrelli & Melvin. Das Duo zählt zu den erfahrensten Cup-Konstrukteuren. Morelli gehörte 1988 dem Team an, das Dennis Conner half, den America's Cup auf einem Katamaran zurückzuerobern. 2010 unterstützte Gino Morrelli Larry Ellisons Rennstall BMW Oracle Racing beim Finetuning des Trimarans, mit dem die Amerikaner Alinghi bei dem gerichtlich erzwungenen Exklusiv-Duell die bodenlose Silberkanne abjagten. Im Vorwege der 34. Cup-Auflage waren Melvin und Morrelli beim Entwurf der Klassenregel federführend an Bord. Morrelli arbeitete später im Verlauf dieser Auflage für den so knapp gescheiterten Herausforderer Team New Zealand.

Nun wurde Pete Melvin erneut von den Verteidigern und dem australischen Challenger of Record angeheuert, um zum zweiten Mal in Folge die Klassenregel mitzugestalten. Wie beim letzten Mal (was jedoch gründlich misslang!) sollen mit der Klassenregel die Kosten gedrosselt werden, dabei aber trotzdem ein mit den AC72-Zweirümpfern vergleichbar spektakulärer fliegender Katamaran entstehen. Die neue Klassenregel sollte ursprünglich im März veröffentlicht werden, doch Fachwelt und Fans müssen sich weiter in Geduld fassen. Entsprechend brodelt die Gerüchteküche, die Melvin mit seinen Ausführungen nun weiter befeuerte.

Chris Cameron/ETNZ Die Fans waren am Ende begeistert, die Budget-Verwalter der Teams weniger: Die Kosten für die imposante Flugshow sollen mit Blick auf den 35. America's Cup via Verkleinerung der Boote gedrosselt werden. Haben wir das nicht schon öfter gehört?

In einem Interview bei der A-Class-Weltmeisterschaft ließ Pete Melvin folgende Rahmenbedingungen durchblicken, mit denen bei der künftigen Cup-Klasse zu rechnen sein dürfte:

1. Verstellbare Ruderwinkel werden voraussichtlich erlaubt sein. Durch das dann jederzeit mögliche Verstellen der Ruderwinkel ist effizienteres Foilen möglich. Das gilt für Amwind- ebenso wie für Vorwindkurse.

2. Es wird eventuell die Möglichkeit geben, die bislang rein durch Muskelkraft erbrachte Energie zu speichern, um die Spitzenbelastungen für die Grinder etwas zu minimieren. Dieser Ansatz dürfte sich in erster Linie auf die hydraulischen Systeme beziehen, die dann mithilfe einer Art Drucktank als Speicher betrieben werden können.

3. Der neue Katamaran wird voraussichtlich 60 bis 65 Fuß lang sein. Dadurch soll die Anzahl der segelnden Crew-Mitglieder ebenso minimiert werden wie die Größe der Shore Crew. So sollen die Gesamtkosten gesenkt werden.

4. Im Briefing für den Entwurf der neuen Klassenregel war vorgegeben, dass die künftigen Cup-Katamarane maximal zehn Prozent langsamer sein dürfen als die AC72-Vorgänger. Erste Tests haben laut Melvin ergeben, dass die neuen kleineren Katamarane durchaus die Vorwind-Geschwindigkeiten der großen Vorgänger erreichen und lediglich auf Amwindkursen etwas langsamer sein werden. Melvin erwartet, dass die Geschwindigkeitsunterschiede aufgrund der Größenunterschiede kaum sichtbar sein werden. Im Gegenteil: Die kleineren Boote könnten nach seiner Ansicht sogar schneller wirken, obwohl sie tatsächlich etwas langsamer sind.

5. Fachwelt und Fans dürfen sich freuen: Die neuen Katamarane werden sowohl vor dem Wind als auch am Wind foilen. Die Flugshow geht in Runde zwei.

6. Thema One Design: Auch in diesem Bereich sollen Maßnahmen greifen, um die Kosten zu reduzieren. So ist es laut Melvin wahrscheinlich, dass One-Design-Elemente die Entwicklung des Flügelsegels beschränken. Das Flügelsegel zählte im 34. America's Cup zu den teuersten Design- und Entwicklungsfeldern, hatte jedoch nach Analysen den geringsten Prozentanteil pro ausgegebenem Euro an der Gesamtleistung eines Bootes. Der Rumpf und die Foiling-Systeme aber werden voraussichtlich nur grob von der Klassenregel reglementiert, bleiben darüber hinaus offen.

ACAE/ Abner Kingman Mit Szenen wie dieser Beinahe-Kenterung des Team New Zealand im 34. America's Cup dürfte auch künftig zu rechnen sein. Hoffentlich ohne Verluste von Menschenleben oder Verletzungen


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Themen: America's CupFoilsGino MorrelliKatamaraneMorrelli & Melvin

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