Segeln olympisch
Deutsche Teams wenden EM-Aus ab

Nach einer dramatischen Nacht und zwischenzeitlicher Disqualifikation sind Deutschlands beste 49erFX- und 49er-Segler wieder im Rennen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 10.07.2015

tati Erleichtert nach der Aufhebung der Disqualifikation, die Jurczok (l.) und Lorenz nicht nur die hart erkämpfte EM-Führung, sondern auch den bisherigen Vorsprung in der nationalen Olympiaausscheidung gekostet hätte

Was für ein Schreck in den späten Abendstunden: Bei der Europameisterschaft der olympischen Gleitjollen 49er und 49erFX im portugiesischen Porto standen die gesamtführenden Berlinerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz sowie die Titelverteidiger Erik Heil/Thomas Plößel (17.) am Donnerstagabend vor dem EM-Aus. Doch nach zwischenzeitlicher Disqualifikation beider Mannschaften endete der Verhandlungsmarathon schließlich mit einem Happy End.

STG/Brockdorff Auch die Titelverteidiger Erik Heil und Thomas Plößel dürfen weitersegeln

Beide Mannschaften waren nach einem technischen Protest der Wettfahrtleitung zunächst disqualifiziert worden. Beide hatten aufgrund nicht eindeutiger beziehungsweise fehlender Bestimmungen in den Klassenregeln ihren Gennakerbugspriet repariert und dadurch verstärkt. Die Maßnahme trug zwar nicht zur Steigerung des Geschwindigkeitspotenzials der Boote bei, erhöhte jedoch die Durabilität des Bugspriets. Nach Ansicht der Wettfahrtleitung handelte es sich deshalb um eine nicht erlaubte Veränderung des einheitlich vorgeschriebenen Materials.

Für etwa eine halbe Stunde schien mit der Disqualifikation das EM-Aus beider deutscher Teams besiegelt. Doch während bei Anika Lorenz schon die Tränen flossen, weil nicht nur die EM-Führung, sondern auch der gute Auftakt in die dreiteilige nationale Olympiaausscheidung dahin schienen, konnte das deutsche Team eine Neuaufnahme des Protests erwirken. Als Zeugen wurden auch der deutsche Olympiateilnehmer Marcus Baur und Klassenpräsident Ben Remocka gehört. Nach Abwägung aller Fakten konnte sich das Sailing Team Germany mit der Auffassung durchsetzen, dass die Bestrafung unverhältnismäßig zum Vergehen wäre – die Disqualifikation der deutschen Teams wurde wieder aufgehoben. Sie erhielten die Auflage, die reparierten Bugspriets durch unveränderte Originale zu ersetzen. Experten gehen davon aus, dass viele weitere internationale Teams für den heutigen Tag ebenfalls reparierte Bugspriets ausgetauscht haben um keinen technischen Protest zu riskieren. "Nach dieser Entscheidung läuft es erst einmal darauf hinaus, dass man jedes Mal einen neuen Bugspriet einsetzen muss, wenn etwas kaputtgeht", sagte 49er-Trainer Max Groy. Die Klassenvereinigung will das Reglement an dieser Stelle nachbessern.

Für Jurczok/Lorenz und Heil/Plößel geht die Europameisterschaft heute ebenso wie für ihre Teamkameraden in die nächste Runde. Die Berlinerinnen führen das Klassement vor den letzten beiden Regattatagen an, konnten bislang mit herausragenden Leistungen auch in frischeren Winden und hoher Welle überzeugen. Erik Heil und Thomas Plößel liegen nach drei Wettfahrttagen auf Platz 17, weil sie ihren Auftakt verpatzt hatten, sich seitdem jedoch jeden Tag um viele Plätze vorgearbeitet haben. Bei den 49er-Männern liegen die Teamkameraden Justus Schmidt und Max Boehme auf Platz neun. Die Titelkämpfe und mit ihnen die aus deutscher Sicht wichtige nationale Olympiaausscheidung wird heute fortgesetzt und endet für die Frauen am Samstag, für die Männer am Sonntag.

STG Erik Heil und Thomas Plößel im Einsatz


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Themen: 49er49erFXEuropameisterschaftHeil/PlößelJurczok/LorenzMax GroySchmidt/Boehme

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