Maxi Yacht Rolex Cup
Deutsche Siege bei den großen Pötten

Claus-Peter Offen und Otto Happel gewinnen vor Porto Cervo. Die „Y3K“ gewann in der Wally-Division und „Hetairos“ bei den Supermaxis.

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 13.09.2010

Rolex/C. Borlenghi Supermaxi "Hetairos"

Damit gingen zwei von sechs Titeln der weltbesten Großyachten an deutsche Segler.

Der Hamburger Reeder Offen wiederholte seinen Vorjahressieg und feierte den dritten Triumph insgesamt. Auch für den in der Schweiz lebenden Industriellen Happel war es nach 2005 und 2006 der dritte Gesamtsieg.

„Diese hochklassige Regattawoche am Ende mit einem Tagessieg zu gewinnen war ein großartiges Gefühl für die gesamte Crew, die sich auch von Rückschlägen nie hat aus dem Konzept bringen lassen“, resümierte ein sichtlich zufriedener Claus-Peter Offen. Das Ergebnis mit fünf Punkten Vorsprung vor dem Dauerrivalen, der „Magic Carpet²“ des L’Oreal-Bosses Lindsay Owen Jones aus Großbritannien, spreche außerdem für das Potenzial der neuen, 30,50 Meter langen Wally 100.

„Y3K“-Taktiker Thomas Jungblut stellte den Teamgeist als Erfolgsfaktor heraus. „Zwei Frühstarts haben wir weggesteckt und auch am letzten Tag zunächst zurückgelegen, weil wir auf der Startkreuz eine zu kleine Fock gesetzt hatten“, so der Hamburger Segelmacher, „Aber die Comebacks auf der Regattabahn waren beispielhaft für den Gesamtauftritt.“ Die „Open Season“ vom ehemaligen Bugatti-Chef Thomas Bscher wurde Fünfte der Wallys, die britische „Dark Shadow“ (André Auberton) mit dem dreimaligen Berliner Olympiasieger und zweimaligen America’s-Cup-Gewinner Jochen Schümann als Taktiker Siebte.

Rolex/C. Borlenghi Claus-Peter Offen, Eigner der "Y3K"

Claus-Peter Offen genoss nicht nur den eigenen Sieg, sondern freute sich als Präsident der internationalen Maxi-Klassenvereinigung IMA auch über die Rekordzahl von 49 Meldungen bei der 21. Auflage des Maxi Yacht Rolex Cup. „Die Anziehungskraft ist ungebrochen, und es wird jedes Jahr schwieriger, hier zu gewinnen“, meinte Offen. „Selbstverständlich werden auch wir nächstes Jahr wiederkommen und das Triple als Ziel haben."

Die Hälfte der Teilnehmer trat in diesem Jahr zur ersten Mini-Maxi-Rolex-Weltmeisterschaft an, für die es ein halbes Dutzend hochkarätige Titelanwärter gab. Die Krone holte sich der Skype-Erfinder Niklas Zennström mit seiner Mannschaft der „Rán“ (Großbritannien) durch einen fast schon unglaublich erscheinenden Endspurt. Am vorletzten Tag nach einer Grundberührung aufgegeben, über Nacht aus dem Wasser gekrant und repariert, landete das Team mit Ersatzstratege Thierry Peponnet, Olympiamedaillengewinner aus Frankreich, zum Schluss zwei glanzvolle Tagessiege und schob sich noch mit zwei Punkten an der britischen „Alegre“ von Andy Soriano vorbei.

Das Glück der Tüchtigen blieb dem „Container“ von Udo Schütz aus Selters versagt. Auch die vom Hamburger Harm Müller-Spreer gecharterte STP 65 war in Führung liegend auf den Felsen aufgelaufen, wurde dabei jedoch so stark beschädigt, dass sie am Finaltag passen musste. Werftarbeiter und Besatzung staunten nicht schlecht, als das Boot in der Hafenstadt Olbia aus dem Wasser gehoben wurde. Ein 20 Millimeter dicker Stahlbolzen, der die tonnenschwere Bleibombe mit der Kielfinne verbindet, war komplett abgeschoren. Die Kielbombe hing nur noch schräg am zweiten, verbogenen Bolzen fest. Als das Missgeschick passierte, war die Mannschaft mit dem Starnberger Taktiker Markus Wieser gerade beim Sprung aufs Treppchen der Mini-Maxi-Rolex-WM, musste sich so aber mit Rang acht zufrieden geben.

Hochspannend verlief auch das Finale bei den Supermaxis. Auf dem Papier war es ein knapper Zweikampf zwischen der „Hetairos“ und der „Visione“ vom SAP-Gründer und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner vom Kieler Yacht-Club. Da die 38,50 Meter lange klassische Yacht von Otto Happel auf dem Wasser jedoch nach 35 Seemeilen im letzten Rennen mehr als eine Stunde hinter der 44,09 Meter langen Baltic 147 zurücklag, war es ein ungleicher Vergleich, den die unter der Flagge der Cayman Islands segelnde „Hetairos“ am Ende nach berechneter Zeit um drei Minuten und 45 Sekunden für sich entschied. „Wir hatten eine großartige Woche mit guter Brise, besser als in vielen Jahren zuvor. So hat uns dieser Wettkampf Spaß gemacht“, sagte Happel.

Doch auch für Plattner war die Veranstaltung trotz des dritten Rangs punktgleich mit der Schweizer „Gliss“ von Marco Vogele alles andere als Verdruss. Auf dem Wasser erlebte er praktisch in jedem Rennen ein Duell mit der „Saudade“ des Hamburger Immobilienmagnaten Albert Büll. Die mit 45,19 Meter größte Yacht im Feld hatte zwar in der fünften und entscheidenden Wettfahrt den Bug vorn, lag aber nach berechneter Zeit und in der Gesamtwertung hinten. „Dieser Zweikampf war das Salz in der Suppe für uns, ein echtes Highlight“, bilanzierte „Visione“-Crewmitglied Walter Meyer-Kothe.

Maxi (Racing & Racing/Cruising)
1) Esimit Europa 2, Igor Simcic (Slowenien), 1-2-1-1-(DNC 7), 5 Punkte
2) Highland Fling, Irvine Laidlaw (Monaco), (2)-1-2-2-1, 6
3) Singularity, Deniy Yacht Management (Großbritannien), (4)-3-3-4-2, 12

SuperMaxi/J Boats
1) Ranger, John Williams (USA), 1-1-1-(2)-1, 4 Punkte
2) Velsheda, Ronald de Waal (Die Niederlande), 2-3-(7)-1-2, 8
3) Hetairos, Otto Happel (Schweiz), (8)-2-3-3-4, 12

Super Maxi
1) Hetairos, Otto Happel (Schweiz), (8)-2-3-3-4, 6 Punkte
2) Gliss, Marco Vogele (Schweiz), 3-(7)-4-2-1, 10
3) Visione, Hasso Plattner (Walldorf), (4)-3-1-3-3, 10

Wally
1) Y3K, Claus Peter Offen (Hamburg), 2-2-2-1-(4)-1, 8 Punkte
2) Magic Carpet², Lindsay Owen Jones (Großbritannien), (5)-1-3-4-2-4, 14
3) Indio, Andrea Recordati (Italien), (4)-3-4-2-3-3, 15

Mini-Maxi-Rolex-Weltmeisterschaft
1) Ran, Niklas Zennström (Großbritannien), 6-2-1-2-2-2-DNF(25)-1-1, 17 Punkte
2) Alegre, Andy Soriano (Großbritannien), 1-1-4-1-1-4-3-4-(5), 19
3) Shockwave, Neville Crichton (Neuseeland), 2-3-2-(5)-5-3-4-3-2, 24

Mini-Maxi-Racer/Cruiser
1) Aegir, Brian Benjamin (Großbritannien), 8-8-13-8-(140-9-2-6-9, 63 Punkte
2) Stig, Alessandro Rombelli (Italien), (14)-7-8-14-11-13-7-13-6, 79
3) Charis, Fabio Mangifesta (Italien), 11-13-(18)-13-9-10-5-7-14, 82


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Themen: Maxi Yacht Rolex Cup

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