Isabelle Joschke
Deutsch-deutsches Duell beim Transat

In der Class 40 treffen von heute Nachmittag an zwei Deutsche aufeinander: Anna Maria Renken und die in Frankreich lebende Isabelle Joschke

  • Matthias Beilken
 • Publiziert am 02.05.2016

Transat Bakerly 2016 Isabelle Joschke an Bord ihrer Class 40 "Generali" – sie ist mit Anna Maria Renken die zweite Deutsche beim Transat Bakerly 2016

Die legendäre, alle vier Jahre stattfindende Einhand-Atlantikregatta von Plymouth nach New York wird in jedem Fall spannend. Bei den Open 60 treffen Neukonstruktionen mit L-Foils auf Boote der vorigen Generation. Bei den Ultimes das Einhand-Design "Macif" von François Gabart auf die schwerere "Sodebo" von Thomas Coville. Und in der Class 40 segeln mit Isabelle Joschke und Anna Maria Renken erstmals zwei deutsche Frauen gegeneinander.

Okay, strenggenommen past Isabelle Joschke – eine der vielversprechendsten weiblichen Einhandprofis unserer Zeit – nicht ganz in diese Schublade. Halb Deutsche, halb Französin, lebt sie in der Bretagne. Doch sie ist in München geboren und hat als Kind mit ihren Eltern das Segeln auf einem See in Österreich entdeckt.

Im Minitransat setzte sie vor gut zehn Jahren erstmals international ein Ausrufezeichen. Von 2005 bis 2007 war sie in der Gesamt-Wertung der höchst anspruchvollen Proto-Klasse zweimal Dritte, einmal sogar Zweite. Ihr bestes Etmal  – 297 Seemeilen in 24 Stunden! – ist noch heute aller Ehren wert.

Schon damals bewies "Isa" ihre größte Stärke, wenn ausgespochenes Sauwetter herrschte. Dabei wirkt die 39-jährige Deutsch-Französin mit den wachen Augen ausgesprochen charmant, ja zurückhaltend und obendrein eher zierlich. Ihr Spitzname hat so gar nichts Kämpferisches: "der Spatz aus Auray". Doch wäre es ein grober Fehler, sie ihrer Nettigkeit halber als Wettbewerberin zu unterschätzen.

Nach sieben Saisons bei den Figaros, dem Bolzplatz vieler französischer Hochsee-Helden, ist sie zurück in der internationaleren Arena. Auf dem Programm ihrer neuen Class 40 vom Typ Akilaria RC3 stehen nach dem Transat sowohl das Québec-Saint-Malo-Rennen als auch das Normandy Channel Race.

Dass es nach einem eher moderaten Auftakt im Englischen Kanal heute Nachmittag ab Mittwoch auf dem Nordatlantik ruppig werden könnte, steht zu befürchten. Die Prognosen sehen ungemütlich aus. Aber warum soll es den heutigen Athleten besser gehen als einst Chichester, Hasler oder Tabarly? Isabelle Joschke, für ihren furiosen Professionalismus bekannt, haben harsche Bedingungen noch nie etwas ausgemacht.

Und sie ist bestens vorbereitet. Als Mentor hinter ihrer Kampagne fungiert Alain Gaultier, einer der Gralshüter der französischen Extremsegler-Szene. Er fördert das Talent. Gautiers Boote hießen immer irgendetwas mit "Generali", und auch Joschkes rote RC3 heißt "Generali/Horizon Mixté.

Transat Bakerly 2016 Starkes Team: Joschke auf Akilaria RC3 

Joschke hat über Winter Gewichte gestemmt und Ausdauer trainiert, denn ihr Boot ist größer geworden, sie nicht. "Ich habe aber nicht auf Teufel komm raus Muskeln aufgeblasen. Ich bin da etwas mit Bedacht vorgegangen", schreibt sie, die schon zu Minizeiten Pranken und Arme hatte, die es als doofe Idee erscheinen ließen, sich von ihr eine Backpfeife einzufangen (wobei Backpfeifen im Zusammenhang mit Frauen eigentlich immer mit doofen Ideen zu tun haben).

Die Class-40-Pilotin ist Seefrau genug, um zu wissen, dass Boote manchmal brutale maskuline Kraft benötigen – aber auch weibliche Strategie. Ein solches Zusammenwirken ist auch Teil ihrer Botschaft und Teil ihres Sponsoring-Programms. Als Verfechterin eines gesunden Feminismus segelt sie streng genommen für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, für ein vorurteilsloses Zusammenwirken beider Geschlechter, in allen Lebensbereichen. Isabelle Joschke hält Vorträge darüber; sie nutzt ihre Popularität und ihren Sport, der tatsächlich für eine gewisse Egalität steht, um die Botschaft zu verbreiten.

Ihre Kampagne "Horizon Mixté", die auch Generalis und Gautiers Kampagne ist, zentriert diesen Punkt. Und sie wird politisch gehört. ONU Femmes France (Frankreichs UN-Frauen) unterstützen Joschke. Dass in ihrem Spinnaker "He for She" steht, hat mit einem Projekt zu tun, welches von der Schauspielerin Emma Watson ins Leben gerufen wurde und das wiederum von Generali und ONU unterstützt wird.

Das Ganze klingt sehr komplex. Und sehr entschlossen. Und sehr professionell. Es klingt nach Joschke. Ab 15.30 Uhr kann sie ihre mentale und physische Stärke, ihre seglerische Reife und ihr taktisches Geschick beweisen. Für manche zählt sie zu den Mitfavoriten auf einen Podiumsplatz in der Class 40.

Transat Bakerly 2016 Wer ist schneller – Joschke oder Renken?

Übrigens: Das Duell zwischen Isabelle Joschke und Anna Maria Renken ist zwar eine Premiere – nie zuvor nahmen gleich zwei deutsche Einhand-Seglerinnen teil. Heimische Skipper aber machten schon früher Schlagzeilen im Transat.

Beim letzten Rennen 2008 (2012 fand das Transat nicht statt) betrat ein gewisser Boris Herrmann  die Bühne, auch er in der Class 40. Es war der Beginn seiner höchst erfolgreichen Laufbahn als Hochsee-Profi. Vor dem Hamburger zählten Klaus Schroth und der Ebersberger Wolfgang Quix zu den Pionieren der Regatta. Die Anforderungen waren für sie dieselben wie heute: Nordatlantik im Frühjahr, wochenlang westwärts, wahrscheinlich bei Sauwetter gegenan. Was für ein Spaß!

Eindrücke von einem Trainingsschlag der Deutsch-Französin mit ihrer neuen Akilaria RC3


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