Nacra 17 WM
Der Kampf um den Olympiatraum

Besson/Riou gewinnen erste WM in neuer Olympia-Mixed-Klasse Nacra 17. Pietro Sibello und Lisa Rattemeyer ringen um ihre Olympiachance

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.07.2013

Laurens Morel/www.saltycolours.com Pietro Sibello/Lisa Rattemeyer im Nacra 17

Wäre der Steuermann nicht zum Auftakt in einer Halse unglücklich über Bord gegangen und hätte es den Frühstart nicht gegeben: Pietro Sibello und Lisa Rattemeyer wäre nach nur zwei gemeinsamen Trainingsmonaten auf Anhieb ein Top-Ten-Resultat bei der historischen ersten Nacra-17-Weltmeisterschaft vor The Hague gelungen. So aber musste das aufstrebende italienisch-deutsche Team, das bei den Olympischen Spielen 2016 gerne gemeinsam unter deutscher Flagge um Medaillen kämpfen würde, mit Platz 20 im WM-Feld der 65 Starter aus 23 Ländern zufrieden sein. Es war mehr drin. Mit einem dritten, einem achten, einem zehnten und zwei zwölften Rängen zeigten Sibello/Rattemeyer, dass sie jetzt schon dran sind an der Weltspitze in der neuen Olympiadisziplin auf zwei Rümpfen.

Der Olympia-Vierte (49er 2008) aus Italien, Sohn einer deutschen Mutter, und die ehemalige Laser-Radial-Steuerfrau aus Frankfurt an der Oder hatten sich als einziges Team mit deutscher Beteiligung für die Goldflotte der 25 besten Mannschaften qualifizieren können. In dem mit einem halben Dutzend olympischen Medaillengewinnern gespickten Feld, in das prominente Segler und Seglerinnen aus verschiedensten Disziplinen strömen, konnten Sibello/Rattemeyer unter anderen 49er-Olympiasieger Iker Martinez und Tara Pachego hinter sich lassen.

Doch zu einem Platz in den Top Ten reichte es noch nicht. Der unfreiwillige Sturz Sibellos zwischen die beiden Rümpfe des Nacras passierte gleich zum Auftakt. Sibello ärgerte sich, Rattemeyer blieb ruhig. Dennoch starteten die beiden anschließend etwas weniger aggressiv als gewohnt in ihre Rennen. Dass im Verlauf der Serie noch ein Frühstart dazu kam, machte das Maß trotz guter Leistungen zu voll für einen Spitzenplatz. "Es war wirklich schade", sagte Lisa Rattemeyer, "als Pietro über Bord ging, lagen wir auf Rang fünf. Da wäre viel mehr drin gewesen, aber ich selbst bin bei der Kieler Woche auch über Bord gegangen. Das passiert leider. Mit unserer Gesamtleistung sind wir dennoch zufrieden. Wir haben so viele Fortschritte gemacht! Noch in Kiel hatten wir große Probleme mit dem Gennaker. Die sind behoben. An der Kreuz konnten wir mit den Schnellsten mithalten. Das war schon gut für mich, denn da mache ich als Vorschoterin die Arbeit."

Ob der Coup gelingt und Sibello und Rattemeyer tatsächlich in die angestrebte gemeinsame Olympiakampagne unter deutscher Flagge starten können, das entscheidet sich in den kommenden drei Wochen. Bei der Europameisterschaft müssten sie schon für Deutschland starten, um den olympischen Segen für ihr Projekt zu erhalten. Dafür braucht aber Pietro Sibello für sich und seine Familie, die mit ihm nach Deutschland umziehen würde, mehr Planungssicherheit. DSV, STG und weitere Institutionen sind involviert und bemühen sich auch in Gesprächen mit potentiellen Sponsoren um eine Lösung für diese vielversprechende Mannschaft.

Weltmeister wurden in der neuen Mixed-Disziplin Billy Besson und Marie Riou aus Frankreich vor den Briten Ben Saxton und Hannah Diamond und den Schweizern Mathias Buhler und Nathalie Brugger. Beste Steuerfrau war in ihrem Heimatrevier Ex-Matchracerin Renee Groeneveld mit Karel Begemann auf Platz vier. Ein Patentrezept für die optimale Verteilung von Mann und Frau im Mixed-Team an Bord der Katamarane scheint es international noch nicht zu geben: Von den 25 Teams in der Goldflotte setzten 15 auf einen Mann am Steuer, zehn auf eine Steuerfrau.


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Themen: Besson RiouDe HagueNacra 17RattemeyerSibelloteaser17_2013Weltmeisterschaft

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