Sailing World Cup
Der Kämpfer vor seinem Comeback

Was hat er drauf? Eineinhalb Jahre nach seinem furiosen Olympiaauftritt steigt Surf-As Toni Wilhelm in seine vierte Olympiakampagne ein

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.03.2014

Jesús Renedo/Sofía Mapfre Startet "mega motiviert" in den europäischen Weltcup-Auftakt vor Palma de Mallorca: Toni Wilhelm (hier auch in den spanischen Gewässern)

Surf-As Toni Wilhelm ist zurück in der deutschen Segelnationalmannschaft. Nach fast eineinhalbjähriger Wettkampfpause seit seinem mitreißenden Olympiaauftritt und der so schmerzlich knapp verpassten Bronzemedaille vor Weymuth steigt der Schwarzwälder "mega motiviert" in seine vierte Olympiakampagne ein. In der Zwischenzeit hat der smarte Athlet sein Studium erfolgreich beendet und sein Diplom als Master of Advanced Studies in Sports Administration and Technology in der Schweiz erworben. Mit dem Startschuss zum europäischen Weltcup-Auftakt vor Palma de Mallorca am 31. März will der Olympia-Vierte zeigen, dass er von seinem Können nichts verlernt hat.

Sein Comeback wird kein Spaziergang werden. Wilhelm ist Ende Februar beim Fahrradfahren von einem Auto angefahren worden. Er hatte Glück im Unglück, verstauchte sich dabei "nur" das Schulter-Schlüsselbein-Gelenk. Surfen konnte er danach wohl, doch das Krafttraining und vergleichbare Belastungen musste er für eine Weile ausfallen lassen. Inzwischen ist der Unfall abgehakt. Die Schulter macht sich zwar hin und wieder noch bemerkbar, schränkt ihn aber nicht mehr so stark ein. Mit dem griechischen WM-Dritten Byron Kokkalanis hat sich Wilhelm in den vergangenen Wochen in Griechenland intensiv auf den Weltcup-Auftakt und die erste Saison seiner Olympiakampagne für 2016 vorbereitet. "Die Pause hat mir gut getan. Ich habe wieder unglaublich viel Spaß am Surfen. Ich möchte diese Kampagne mit Vollgas angehen", sagte Wilhelm YACHT online.

Wichtigstes Saisonziel für den angehenden Sport-Manager, der in der Schweiz bereits wertvolle Kontakte für die spätere Karriere knüpfen konnte und sich Perspektiven für die Zukunft erarbeitet hat, ist ein gutes Ergebnis bei der ISAF Weltmeisterschaft im Herbst im spanischen Santander. Dort muss er sich erst wieder in den Kader surfen, um sich die für ihn so wichtige Förderung zu sichern, die ihm ein bescheidenes Auskommen sichert. Weil das deutsche Fördersystem nur auf jährlich wiederkehrende Top-Leistungen ausgerichtet ist und herausragende Erfolge nicht lange im Gedächtnis behält, muss Wilhelm um die Unterstützung kämpfen, obwohl er nicht nur 2012 bei den Olympischen Spielen in England bewiesen hat, dass er eines der herausragenden Aushängeschilder der deutschen Segel-Nationalmannschaft ist. Dort war er der Beste unter den deutschen Olympiaseglern.

Marina Könitzer Die Saison kann beginnen: Moana Delle will wieder auf die Erfolgswelle

Mit ihm kämpft auch die Kielerin Moana Delle um ihr Comeback in die Weltspitze des Frauen-Surfens. Die Olympia-Fünfte und "strahlende Sonne der Olympiamannschaft 2012" zählt wie WIlhelm zu den hoffnungsvollstenen Mitgliedern im Audi Sailing Team Germany, das der Medaillenflaute der deutschen Segler 2016 vor Rio de Janeiro ein Ende bereiten soll. Sie können in der Form von Weymouth mit ihrer Erfahrung im "Erfahrungssport" Segeln eine ganze Mannschaft mitreißen.

JRenedo/Sofía Mapfre Was geht zum Saisonauftakt vor Palma de Mallorca? Der WM-Dritte Philipp Buhl zählt zu Deutschlands olympischen Hoffnungsträgern

Während Wilhelm und Delle in Deutschland weiterhin die unangefochtenen Spitzenvertreter ihrer Surfdisziplinen sind, kreuzen die DSV-Spitzenmannschaften in anderen Disziplinen in größeren Gruppen bei der Trofeo SAR Princesa Sofía vor Palma de Mallorca auf. Für das Audi Sailing Team Germany starten in Spanien im 470er Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski, Jan-Jasper Wagner/Dustin Baldewein und Malte Winkel/Matti Cipra, im 470er Frauen Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß, Annika Bochmann/Karoline Gältzer und Annina Wagner/Elisabeth Panuschka, im 49er Jan Hauke Erichsen/Max Lutz, Erik Heil/Thomas Plößel und Justus Schmidt/Max Boehme, im 49er FX Jule und Lotta Görge, Victoria Jurczok/Anika Lorenz, Tina Lutz/Susann Beucke, Leonie Meyer/Elena Stoffers und Ann-Kristin Wedemeyer/Pia Sophie Wedemeyer, im Finn Dinghi Nachwuchstalent Phillip Kasüske, im Laser der WM-Dritte Philipp Buhl und Wiedereinsteiger Tobias Schadewaldt, im Laser Radial Pauline Liebig, Constanze Stolz und Svenja Weger. Nicht am Start ist Paralympics-Silbermedaillengewinner Heiko Kröger. In der neuen olympischen Katamaran-Mixed-Disziplin Nacra bemühen sich die deutschen Teams um Anschluss an die Weltspitze, darunter Paul Kohlhoff und Carolina Werner aus Kiel.

Der Weltcup vor Mallorca endet am 5. April mit der Siegerehrung. Der zweite europäische Weltcup wird anschließend vom 21. bis 26. April vor Hyères in Frankreich ausgetragen. Beide Regatten gelten als wichtige Meilensteine für die deutschen Segler auf ihrer "Road to Rio" und werden nicht nur von den Deutschen als erste Standortbestimmung für diese Saison gewertet.


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