Barcelona World Race
Den Atlantik als Spielfeld

Während sich "Virbac-Paprec 3" im Ghost-Modus den Kanaren nähert, hängen die drei Schiffe des Mittelfeldes in den Flauten des Äquators fest

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 24.03.2011

barcelonaworldrace.org Loïck Peyron und Jean-Pierre Dick

Loïck Peyron und Jean-Pierre Dick scheinen gut gelaunt zu sein. Gestern scherzten sie während der Videokonferenz mit den Interviewpartnern herum und wollten partout nicht erklären, welchen Kurs um ein herannahendes Hochdruckgebiet sie einschlagen werden. Heute früh um elf Uhr unserer Zeit ging das Schiff dann in den "Ghost-Modus" – erst morgen Abend um 21 Uhr wird es wieder auf dem Tracker erscheinen. "Wir alle wissen, dass es zwei Wege gibt, ein Hochdruckgebiet zu passieren", erklärte Peyron noch in der Videokonferenz, einen Tag vor ihrem überraschenden Verschwinden. In einer Email schrieb er nun vor einigen Stunden: "Der Atlantik ist solch ein großes Spielfeld – also lasst uns spielen!" Zuvor war "Virbac-Paprec 3" eine ganze Zeit lang eines der langsamsten Schiffe im Feld gewesen. "Mapfre" konnte von achtern bis auf 250 Seemeilen an die Franzosen herankommen.

Nach dem grünen Boot folgen 860 bis 990 Meilen zurück liegend "Renault", "Estrella Damm" und "Neutrogena". Letztere ist derzeit die schnellste, segelt mit 7,8 Knoten, während die Spanier nur 5,3 Knoten bzw. 3,2 Knoten ("Renault") loggen. Die drei Boote liegen nur noch 130 Meilen auseinander und nähern sich dem Äquator.

barcelonaworldrace.org "Estrella Damm" aus dem Mast

Die beiden Frauen auf "Gaes" haben die letzten zwei Tage mit Reparaturarbeiten an den Ballasttanks ihres Open 60 verbracht. Das Wetter bereitete Probleme: Der Wind drehte und drückte das Schiff immer weiter an die brasilianische Küste, außerdem machten ihnen endlos scheinende Regenschauer das Leben schwer.

Nach dem längeren Aufenthalt auf den Falklandinseln ist "Hugo Boss" am Montagabend erneut ins Rennen gestartet. Ein Tiefdruckgebiet trug die schwarze Yacht als schnellstes Schiff der Flotte nach Norden. Mittlerweile ist der Wind jedoch abgeflaut, nur 5,5 Knoten maßen die beiden Co-Skipper zuletzt. Das Tief zieht nach Osten ab, von Westen folgt ein neues Hochdruckgebiet. Andy Meiklejohn berichtet: "Was für ein Tag. Vor 24 Stunden hatten wir zwischen 40 und 55 Knoten Wind in einer hohen See – jetzt haben wir nur noch drei Knoten Wind und warten auf das nächste Wettersystem. Im Moment ist es ziemlich abwechslungsreich."

barcelonaworldrace.org "Hugo Boss" verlässt die Falklandinseln

Das Rennen wird wie erwartet nicht bereits nach 90 Tagen zuende sein. Loïck Peyron erklärte: "Der Eingang zum Mittelmeer wird nicht einfach werden. Sicherlich müssen wir für die letzten Meilen eine Menge Zeit einplanen." An Bord der "Virbac-Paprec 3" scheint es – nach zwei technischen Stopps mit Nachproviantierung – keine Probleme bezüglich der Verpflegung zu geben. Während der gestrigen Videokonferenz schwenkte Peyron die Kamera auf seinen Co-Skipper, der gerade beim Essen war: "Schaut euch Jean-Pierre an. Alles, was er hier macht, ist essen. Wir haben noch eine Menge Proviant zu verkaufen, falls irgendwer hinter uns interessiert ist. Jean-Pierre hat zwar seinen Teil fast aufgefuttert, aber ich habe noch zwei ganze Taschen über."

An Bord der Nonstop-Schiffe sieht es dagegen anders aus. Ryan Breymaier schrieb gestern früh in einer Mail, dass sie noch für 16 Tage Nahrung an Bord der "Neutrogena" hätten, er aber noch keine genaue Restdauer des Rennens schätzen kann: "Diese Tage mit leichten Winden werfen unsere ETA-Berechnungen völlig durcheinander."


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Barcelona World RaceBoris HerrmannHugo BossJean-Pierre DickLoïck PeyronNeutrogenaOpen 60Open 60Ryan BreymaierVirbac-Paprec

Anzeige