DCNAC-Spezial
DCNAC: Noch ein Tag bis zum ersten Start

Warten auf Wind – und auf das große Abenteuer: Für die 58 Teilnehmer, die Sonnabend über die Linie gehen, sind in Newport die letzten Stunden angebrochen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 13.06.2003

YACHT/J.Rieker Chaos auf dem Vorschiff der "Meltemi": Wohin mit 16 Sack Segeln?

Die Crews kämpften am Donnerstag mit den Tücken der Technik – oder mit der Langeweile. Mangels Wind und guter Sicht blieben Donnerstag alle Yachten im Hafen oder an ihren Murings. Zeit zum Ausruhen, für letzte Checks, oder um die für viele neue und zumeist trickreiche Kommunikationstechnik in den Griff zu bekommen.

So trist und trostlos präsentierte sich die Küste Rhode Islands schon lange nicht mehr. Schlaff hingen die Flaggen mit dem Aufdruck „DaimlerChrysler North Atlantic Challenge — Registered Yacht“ am Vorstag der Regattaschiffe herunter. Zäher Nebel hüllte die gesamte Küste ein, die Sicht betrug mitunter keine 100 Meter. Schon am Mittwoch abend bei der großen Welcome Party im New York Yacht Club zeigten sich die Veranstalter besorgt, sollte das Wetter andauern. Ohne Wind und Sonne wäre der Start eine traurige Angelegenheit. Doch danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil.

Die Wetterprognose verheißt zumindest ein Ende der flauen Lüfte. Über Nordamerika liegt ein Tiefdruckgebiet, das für Sonnabend Westwind mit rund 30 Knoten bringen soll, das entspricht 7 Beaufort. Ein fulminanter Auftakt für die Nordatlantik-Hatz, an der sich insgesamt 63 Crews beteiligen.

Der erste Start für die 27 Schiffe der Gruppe 1 ist am 14. Juni um 14:10 Uhr Ortszeit angesetzt (20:10 deutscher Zeit), kurz nach Niedrigwasser. Nur 10 Minuten danach folgt der zweite, langsamere Teil der ersten Gruppe (31 Schiffe mit einem TCC-Wert von unter 1100).

Hintergrund für die Staffelung ist das Bemühen der Wettfahrtleitung um Hans-Peter Baum, einen sicheren Auftakt zu gewährleisten. Da einige Crews wenig Regattaerfahrung haben, wäre das Risiko von Kollisionen in einem Feld von 58 Schiffen bei engen Fights um die beste Position zu hoch.

Die fünf Teilnehmer in der Highspeed-Gruppe mit IRC-Ratings größer als 1450, darunter mit „Uca“ und „HSH Nordbank“ zwei aussichtsreiche Schiffe unter deutscher Flagge, starten eine Woche später.

Wie unterschiedlich die Crews an das Abenteuer Nordatlantik herangehen,
zeigte sich gerade in diesen letzten Tagen. Während die einen nur
versuchen, die Zeit totzuschlagen, sind andere fieberhaft bemüht, die
letzten Arbeiten an Bord zu erledigen.

Auf „Meltemi“ gestaltete sich der Donnerstag extrem entspannt. Kleinere
Resteinkäufe (Batterien, Schrittgurte für die Rettungswesten,
MOB-Leuchten), letzte Kalibrierungsfahrten für die Instrumente und ein
Test des Watermakers waren schon fast alles.

YACHT/J.Rieker Basteln an einem fliegenden Fallstopper: Anna Drougge und Bridget Suckling

Anna Drougge und Bridget Suckling, die beiden Profis mit zwei Whitbread- bzw. Volvo Ovcean Races im Kielwasser, bastelten aus gebrauchten Klemmen und einer Aluplatte noch einen „Flying Jammer“, einen frei fliegenden Fallenstopper. Er hilft beim Spiwechsel unter hoher Last, eine Winsch frei zu halten. Der Erfindungsreichtum der Schwedin und ihrer Freundin aus Neuseeland sparte die Kleinigkeit von 1500 bis 2000 Dollar. Gegenüber einem speziellen Beschlag von Spinlock kostete die Laubsägearbeit 15 Dollar.

Andere waren da fleißiger und ungleich konsequenter. Auf „Uca“, die ohne
Rigg an Land steht, wurde noch einmal das Unterwasserschiff gereinigt.
Und Jens Kellinghusen von der „Varuna“ tat es der Murrmann-Crew auf
seiner IMX-45 gleich. Nicht nur das: Die hoch motivierte und sehr
ambitiöse Truppe, die sich drei Wochen Tütennahrung verordnet hat,
spachtelte auch gleich noch alle Borddurchlässe dicht, um bloß keinen
Zehntelknoten Fahrt zu verschenken. Die Pütz wird dann wohl als
Ersatz-WC herhalten müssen — so wenig Komfort gibt es nicht mal mehr
beim Volvo Ocean Race


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Themen: DCNACMeltemiStart

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