Segeln olympisch
Das zähe Ringen um den Kurs nach Rio

Nach der DSV-Kritik an der Zusammenarbeit mit dem Sailing Team Germany wehren sich die Förderer. Ihre These: Aufwärtstrend erkennbar

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.09.2014

STG/N. Krauss In schwerer See: Das Audi Sailing Team Germany, der Heinz Nixdorf Verein und der STG e.V. ringen mit dem DSV um den richtigen Kurs nach Rio 2016

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Nach dem insgesamt mäßigen Abschneiden der deutschen Segel-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft aller zehn olympischen Disziplinen vor Santander hatte der Deutsche Segler-Verband (DSV) die aus seiner Sicht zweigleisige Struktur in der Zusammenarbeit mit der Förderinitiative Sailing Team Germany für die maue Bilanz mitverantwortlich gemacht. DSV-Präsident Lochbrunner hatte in einem Interview mit dem ZDF gesagt: "Die Doppelstruktur hat sich nicht bewährt. Wir sind seit gut einem halben Jahr dabei, sie aufzulösen und den gesamten Hochleistungssport in die Hand des DSV zurückzuführen."

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Jetzt wehren sich die von der Kritik mitbetroffenen Vereine gegen die Vorwürfe. In einer Pressemitteilung des Heinz Nixdorf Vereins zur Förderung des Segelsports (HNV) argumentieren der HNV und auch der Sailing Team Germany Verein (STG e.V.) als Zusammenschluss aller leistungssportfördernden Segelclubs mit der Präsentation einer Langzeit-Ergebnisanalyse gegen die Äußerungen. Unter der Überschrift "Deutscher Segler-Verband in der Kritik" wird offensiv dargestellt, dass "die Leistungsentwicklung der deutschen Segel-Nationalmannschaft seit dem Eintreten des Sailing Team Germany einhergehend mit neuen Strukturen, Fördersystem und Fördergeldern durch Sponsoren, private Zuwendungen und Stiftungsgelder deutlich gesteigert werden konnte".

HNV-Geschäftsführer Dieter Golombek sagt: "Bei der Gesamtbetrachtung der Top-Ten-Platzierungen und Medaillengewinnen bei Welt- und Europameisterschaften ist seit der Gründung des STG ein klarer Aufwärtstrend festzustellen." Dr. Andreas Pochhammer, Aufsichtsratsvorsitzender der STG Initiative, fügt hinzu, dass "die sportfachliche Führung der deutschen Segel-Nationalmannschaft beim DSV" läge. Deswegen könne laut HNV und STG e.V. die jüngsten Leistungsflaute bei der WM nicht der Förderinitiative STG angelastet werden.

Der Kern der Forderungen im Statement: "Seit Gründung der gemeinsamen Initiative aus DSV und STG ist der DSV aufgefordert gewesen, seine eigenen Strukturen dem erfolgreichen neuen Fördersystem anzupassen, um den sportlichen Erfolg auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 zu sichern. Dazu wurde unter anderem das renommierte Beratungsunternehmen Roland Berger beauftragt, um in Anlehnung an Vorbilder aus Australien, England oder den Deutschen Skiverband (DSV) erfolgsorientierte Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen." Die fördernden Parteien sehen den Verband in der Pflicht, auch seine eigenen Strukturen zu modernisieren. Der Verband hatte zuletzt angekündigt, eine Doppelspitze aus Sportdirektion und Headcoach einführen zu wollen.

STG Segel-Leistungsstatistik 2006 bis 2014

Einig sein dürften sich alle Beteiligten dieses mühsamen Ringens um den richtigen Rio-Kurs zumindest darin, dass möglichst schnell eine Lösung für den brodelnden Konflikt gefunden werden muss, um die Flut gegenseitiger Vorwürfe, Schuldzuweisungen und die Machtkämpfe zu beenden. Den Athleten tun sie nicht gut. In der HNV-Presseveröffentlichung fordert Gunter Persiehl, Commodore des Norddeutschen Regatta Vereins, "endlich eine gemeinsame Fokussierung auf die Top-Medaillenhoffnungen für 2016, statt Strukturdebatten zu führen". Ohne die Debatte und eine Lösung der Probleme in der Zusammenarbeit aber wird es den Frieden nicht geben, den sich nicht nur die deutschen Medaillenjäger sehnlichst wünschen.


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Themen: Deutscher Segler-VerbandDSVHeinz Nixdorf VereinHNVOlympische Spiele 2016Sailing Team GermanySTG

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