America's Cup
Daltons Weg aus der Cup-Krise

Nationalitätenregel und begrenzte Budgets: Wie Team New Zealands Boss Grant Dalton den America's Cup wieder auf Erfolgskurs bringen würde

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 13.06.2013

Chris Cameron/ETNZ Kann Team New Zealand die überlegenen amerikanischen Verteidiger tatsächlich fordern?

Seine Forderungen sind nicht neu, klingen aber so aktuell wie lange nicht mehr: Team New Zealands Boss Grant Dalton hat im Interview mit dem "New Zealand Herald" erklärt, wie er den entgleisten America's Cup wieder auf Erfolgskurs bringen würde, falls sein Team die älteste und bekannteste Segelsport-Trophäe im Sommer vor San Francisco gewinnen kann.

Chris Cameron/ETNZ Alte Forderungen, neue Cup-Lust: Dalton will zurück in die Zukunft

"Zwei Änderungen sind für den America's Cup wichtig", so der siebenmalige Weltumsegler und Cup-Jäger, "wir stehen für eine Nationalitätenregel, und wir stehen für reale Budgets, die reale Menschen einwerben können." Dalton erklärt die Nationalitätenklausel zur Voraussetzung für die Rückkehr des Cups zum attraktiven Kampf Land gegen Land statt Milliardär gegen Millardär. Dalton kritisiert, dass die aktuellen amerikanischen Verteidiger mit Rome Kirby und Taktiker John Kostecki nur zwei Landsmänner in ihrem Team haben, die Schweden gar nur einen.

Dass Dalton seit mehr als einem Jahrzehnt um einen hohen nationalen Crew-Anteil kämpft, hat zwei gute Gründe: Zum einen glaubt er nicht allein an eine wesentlich höhere Identifikation von Fans mit ihren Teams, wenn möglichst viele Crew-Mitglieder aus dem Heimatland einer Mannschaft kommen. Zum anderen verfügt Neuseeland im Gegensatz zu anderen Ländern über vergleichsweise viele gut ausgebildete Segelprofis, verliert diese aber regelmäßig an ausländische Syndikate, die den Besten oft mehr Geld bezahlen können.

bmor-photo Vom Cup-Sieger zum Cup-Steuermann: Russell Coutts auf falschem Kurs?

Der prominenteste Fall dieses neuseeländischen Traumas spaltete im 31. America's Cup Daltons Heimat und führte zu einer nie dagewesenen nationalen Hetzkampagne gegen einen abtrünnigen Segelstar und seine Begleiter: Damals fehlten Russell Coutts und Brad Butterworth im eigenen Team New Zealand nach dem Tod des von Piraten ermordeten Sir Peter Blake die Perspektiven, das Geld und die erhofften Entscheidungsbefugnisse. Sie wechselten frustriert in die Schweiz und führten das Team Alinghi von Ernesto Bertarelli 2003 zum ersten europäischen Cup-Sieg in der Sportgeschichte. Heute steht Coutts als CEO an der Spitze der amerikanischen Verteidiger und ist verantwortlich für das neue umstrittene Gesicht des America's Cup, dessen Image längst mehr als nur Kratzer bekommen hat.

Noch wichtiger erscheint Dalton eine deutliche Reduzierung der Kosten, die entgegen aller Versprechungen der aktuellen Cup-Herren wieder einmal explodiert sind: Siegchancen hat laut einhelliger Experten-Meinung nur, wer mindestens 80 Millionen US-Dollar, möglichst aber mehr als 100 Millionen US-Dollar investieren kann. Doch wer kann das schon außer Larry Ellisons Team Oracle USA?

Daltons Schätzung nach müssen die Team-Budgets bei unter 20 Millionen US-Dollar jährlich eingefroren werden, um die kommerzielle Refinanzierung überhaupt realistisch zu gestalten. Sein Team New Zealand wird von Sponsoren, maßgeblich aber auch von der neuseeländischen Regierung unterstützt, die den America's Cup bei den beiden in Auckland ausgetragenen Auflagen zur Jahrtausendwende als relevanten Wirtschaftsfaktor entdeckt hat und entsprechend motiviert dazu beiträgt, die Kanne ins Land der langen weißen Wolke zurückzuholen. Sollte überhaupt ein Team die finanziell dramatisch überlegenen amerikanischen Verteidiger gefährden können, dann ist es – da sind sich die Beobachter einig – Daltons Dauerbrenner Team New Zealand.


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Themen: AlinghiAmerica's CupErnesto BertarelliGrant DaltonLarry EllisonOracle Team USATeam New Zealand

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