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Dämpfer für deutsche Medaillenhoffnungen

Ulrike Schümann bleibt optimistisch: "Da war mehr drin"

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 09.08.2008

Es war nicht der Auftakt nach Maß, den sich die deutschen Olympiasegler gewünscht hatten: Die dreimalige Yngling-Vizeweltmeisterin Ulrike Schümann und ihr Team müssen nach dem ersten Tag mit Platz acht zufrieden sein.

Es sollte ihr großer Tag werden, doch am Ende jubelten doch die hoch favorisierten Britinnen um Olympiasiegerin Sarah Ayton über ihre Spitzenreiterposition: Ulrike Schümann und ihre Yngling-Crew mit Julia Bleck und Ute Höpfner haben bei ihrer Olympia-Premiere am Samstag noch nicht den richtigen Rhythmus für das anspruchsvolle Leichtwind- und Stromrevier in der Fushan Bucht gefunden.

In lauen Winden zwischen drei und sechs Knoten reichten die Ränge acht und sieben zum Auftakt nur zu Platz acht in der kleinsten olympischen Segelflotte mit 15 Ynglingen. Das Trio hat sich damit bereits am ersten einen Rückstand von zehn Punkten auf die führende britische Olympiasiegerin Sarah Ayton eingefangen. «Aber jetzt ist der Druck raus. Es wird ganz sicher besser», tröstete Teamchef Hans Sendes seine Crew am Abend im Olympia-Hafen von Qingdao.

Schümann übte Selbstkritik, blieb aber trotzdem optimistisch: «Wir hatten Probleme mit dem Segel-Trimm, aber sicher nicht mit der Geschwindigkeit. Da war mehr drin.» Ihre Medaillenhoffnungen will sie sich trotz des mäßigen Resultats nicht frühzeitig nehmen lassen: «Ich bin zuversichtlich, dass wir das besser können. Dazu braucht es viel Zuspruch für meine Mannschaft, denn es herrschte große Nervosität an Bord.» Die 35-jährige Steuerfrau vom Verein Seglerhaus am Wannsee stellte klar: «Wir dürfen uns jetzt keine großen Patzer mehr erlauben, müssen möglichst immer in
die Top Fünf segeln.»

In den Rennen der Einhandjolle Finn Dinghy übernahm der Pole Rafal
Szukiel (5 Punkte) nach dem ersten Tag die Führung vor dem Amerikaner
Zach Railey (7 Punkte) und Großbritanniens Doppel-Olympiasieger Ben Ainslie (11 Punkte). Der Brite hat in China seine dritte Goldmedaille
im Visier und gewann die zweite Wettfahrt souverän. In der ersten wurde er nach langer Führung erst kurz vor dem Ziel durch ein Windloch ausgebremst.

Vor den Rennen hatte sich der slowenische Finn-Segler Gasper Vincec noch in Sarkasmus geübt: «Ich weiß gar nicht, wer Ben Ainslie ist.» Nach den beiden Wettfahrten gab es keinen mehr, der "Big Bens" Namen nicht als heißesten Medaillenfavorit im Gelben Meer auf der Liste hat. Der 31-jährige aus Lymington ist wieder Chef im Ring.

Am Abend erlebte dann auch die 8-Millionen-Einwohner-Stadt Qingdao ihre offizielle olympische Eröffnungsfeier. In Abwesenheit von IOC-Präsident und Segler Jaques Rogge, der den Olympiahafen in zehn Tagen besuchen will, präsentierten die Organisatoren eine weniger bombastische, aber farbenfrohe dreistündige Tanzrevue mit nur wenigen segelsportlichen Akzenten. Während sich das chinesische Publikum in einseitiger verhaltener Begeisterung für die eigenen Athleten übte, genossen die teilnehmenden Aktiven den Einmarsch der 400 Aktiven aus 62 Nationen. Für die deutsche Mannschaft trug die Berliner Laser Radial-Steuerfrau Petra Niemann, eskortiert von der Tornado-Crew Johannes Polgar/Florian Spalteholz (Dänisch-Nienhof/Kiel), die wehende deutsche Flagge auf die Bühne des provisorisch errichteten kleinen Stadions.

Die olympische Regatta wird am Sonntag mit zwei weiteren Rennen in den Klassen Yngling und Finn Dinghy fortgesetzt. Erstmals greifen dann auch die 49er-Segler ins Geschehen ein. Für die Brüder Jan-Peter und Hannes Peckolt aus Hamburg und Kiel fällt um 15 Uhr Ortszeit (7 Uhr unserer Zeit) der Startschuss zur wichtigsten Regatta ihrer Karriere.


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Themen: Ben AinslieOlympische SpieleUlrike Schümann

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