Portimão Global Ocean Race
"Cabo de Hornos" rammt Wal bei 20 Knoten!

Großes Pech für die Chilenen: Nur knapp 1.200 Meilen vor dem Etappenziel verliert das rote Boot ein Ruder

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 12.05.2009

Thomas D. Pitchford Florida Fish and Wildlife Conservation

Seit Tagen folgen sie der "Beluga Racer" dicht im Kielwasser, der anfängliche Vorsprung begann sich zu dezimieren – doch nun rammte die "Cabo de Hornos" heute Morgen gegen 4 Uhr unserer Zeit einen Wal.

"Wir durchleben gerade den Tiefpunkt der bisherigen Reise", fasste Skipper Cubillos heute Morgen die Stimmung an Bord in Worte. Was war geschehen? "Wir surften mit 20 Knoten bei Nacht die Wellenberge herab, als das leewärtige Ruder plötzlich hart auf ein Hindernis prallte und dabei in zwei Teile brach", erklärte Cubillos. Da sich das luvwärtige Ruder durch die starke Krängung des Bootes außerhalb des Wassers befand, verlor die Crew sofort die Kontrolle über das Schiff: "Wir hatten den Spinnaker oben und so hatten wir keine Chance, das Boot schoss sofort in die Sonne. Erst nach großen Mühen konnten wir es wieder unter Kontrolle bringen, den Spi und das Groß bergen und nur unter Stagsegel wieder auf Kurs gehen."

Zunächst planten die Chilenen Puerto Rico anzulaufen, das nur knapp über 100 Meilen entfernt ist. Aber gegen 6 Uhr morgens deutscher Zeit verkündeten Sie ihre neuen Pläne: "Wir haben uns dafür entschieden, dennoch weiter bis Charleston zu segeln. Da uns ein Ruder fehlt, wird das ein wenig kniffelig werden, aber wir haben nur noch 1.100 Meilen vor uns und ich denke, dass wir es schaffen können". Cubillos rechnet für die verbleibende Strecke mit etwa sieben Tagen und triumphiert in einer Mail: "Das heißt also, dass wir doch nicht ganz aus dem Rennen sind. Trotz des Ruderverlustes ist es weiterhin unser Ziel, das Rennen-um-die-Welt eigenständig zu beenden".

In der Zwischenzeit ist die chilenische Shorecrew bereits dabei, den Bau eines Ersatzruders in Frankreich zu organisieren und es so schnell wie möglich nach Charleston zu senden. "Ich war schon immer sehr zielstrebig, was das Erfüllen von Träumen angeht. Das ist der Grund, für den ich lebe und weshalb wir noch nicht so einfach aufgeben wollen. Ich werde mir jetzt mein Ipod aufsetzen, zurück an die Pinne gehen und weiter segeln", erklärt Cubillos seinen Optimismus.

Auch an Bord des deutschen Bootes ist die Nachricht der Walkollision angelangt. In einer Email übersandten Boris Herrmann und Felix Oehme den Mitstreitern ihr Mitgefühl für den derben Rückschlag:

"Es tut uns sehr leid, wir werden euch beim Zieleinlauf vermissen. Es scheint als könnte dies die erste Etappe werden, die wir mit mehr als drei Stunden Zeitabstand beenden werden.
Wenn ihr Hilfe braucht, zögert nicht uns zu rufen. Wir können jederzeit umkehren und euch unser Ersatzruder bringen, auch wenn es ein wenig kompliziert wird, es an euerm Boot zu nutzen. Wir haben auch Karbon, Harz und einige Rohre an Bord, falls ihr etwas benötigt. Aber mit verkleinerter Segelfläche sollte es ja auch möglich sein, mit nur einem Ruder nach Charleston zu gelangen. Passt nur auf, dass ihr keine Patenthalsen mehr fahrt und euch womöglich noch das Rigg beschädigt! Haltet uns auf dem Laufenden, wie ihr voran kommt. Wir sehen euch in Charleston!"

Welch Überraschende Wendung im Rennverlauf, damit hätte wohl keiner gerechnet. Damit kann Boris Herrmann und Felix Oehme der Gesamtsieg wohl kaum noch genommen werden. Auch, wenn Sie sich über den Ausfall des stärksten Konkurrenten nicht freuen können, ein haarscharfer Kampf bis zum Zieleinlauf wäre ihnen sicher lieber gewesen, als ein Verfolger, der nach einem Auffahrunfall auf der Strecke bleibt.


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Themen: BelugaCharlestonHornosPortimãoWal

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