Laser-WM
Bronze für Buhl im Leichtwindthriller

Triumph für Philipp Buhl: Der Allgäuer hat bei der Laser-WM Bronze gewonnen. Weltmeister ist Robert Scheidt, Silber ging an Pavlos Kontides

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 23.11.2013

Mark Lloyd/Oman Sail Philipp Buhl im Glück: Der Sonthofener erkämpfte sich im Finale noch WM-Bronze

Philipp Buhl ist angekommen. Der Sonthofener hat mit herausragenden Leistungen bei der Laser-Weltmeisterschaft im Oman seine Rolle als Hoffnungsträger der deutschen Segelnationalmannschaft mit einer Bronzemedaille bestätigt. Mit einem Tagessieg, drei zweiten und einem dritten Rang hat Buhl in insgesamt einem Dutzend Wettfahrten bewiesen, dass er die Besten in der olympischen Einhandklasse schlagen kann.

Mark Lloyd/Oman Sail Philipp Buhl im Bronze-Glück

Mehr noch: Der erst 23 Jahre alte Allgäuer fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle und hat bei der einwöchigen Titelserie in der Bucht von Mussannah viel Selbstbewusstsein getankt. Dass ihn "mein peinlichster Frühstart aller Zeiten" und zwei mäßige Rennen beinahe um die Medaille gebracht hätten, ließ der Aufsteiger vom Segelclub Alpsee-Immenstadt mit dem umjubelten Edelmetall am Samstag sich selbst und seine Fans vergessen.

Mark Lloyd/Oman Sail Segelte ein beherztes und konzentriertes letztes Rennen in den von ihm einst so ungeliebten und nun gebändigten Leichtwindbedingungen: Philipp Buhl

Als die Veranstaltungsdirektorin Julie Royer eine halbe Stunde nach dem hochspannenden Leichtwindfinale in flauer Brise um vier bis sechs Knoten in der Marina auf den 1,87 Meter großen Deutschen zuging und ihm nach langer Rechnerei der Wettfahrtleitung drei Finger entgegenstreckte, war Buhl erst einmal sprachlos. Er konnte zunächst gar nicht fassen, was diese drei Finger ihm bedeuteten sollten: die Bronzemedaille, die am Tag nach seinem ärgerlichen Frühstart und dem verpatzten Rennen kaum mehr greifbar schien.

Mark Lloyd/Oman Sail Kann sein Medaillenglück kaum fassen und denkt zuerst an den geschlagenen Konkurrenten: Philipp Buhl

Fast andächtig steht er da, bevor deutsche Freunde ihn umarmen und in die Luft heben. Trainer Thomas Piesker, dem fast die Tränen in den Augen stehen, umarmt seinen Schützling und gratuliert. Buhl selbst bringt kaum ein Wort heraus, sagt dann, er müsse das erst einmal verarbeiten. Dann sprudelt es doch aus ihm heraus: "Mann, ist das geil. Ich glaube, ich kriege ’nen Vogel!" Dann nimmt er die Hände vors Gesicht und versinkt einen Moment ganz in sich. Auf die Frage, an wen oder was er gerade denke, hebt er das Gesicht und sagt: "An Tonci, den armen Hund." Typisch Buhl: Er fühlt mit dem Mann, der am Morgen noch so sicher auf dem Bronzekurs zu segeln schien.

Mark Lloyd/Oman Sail Kam, sah und siegte acht Jahre nach seinem letzten WM-Triumph: Robert Scheidt ist und bleibt der König der Lasersegler

Der Kroate Tonci Stipanovic war am Samstagmittag als Dritter mit großen Medaillenhoffnungen in das Finalrennen gestartet, auf das die 63 Teilnehmer in flauen Winden mehrere Stunden warten mussten, bis der Wettfahrtleiter das Rennen nach einem Generalrückruf und unter schwarzer Flagge drei Minuten vor der letzten erlaubten Startzeit anschießen konnte. Die Karten waren klar verteilt. Spitzenreiter Robert Scheidt war mit einem Punkt Vorsprung vor dem Zyprioten Pavlos Kontides ins Rennen gegangen. Den Kampf um Gold, da waren die Experten sicher, würden diese beiden austragen. Doch Robert Scheidt zeigte mit einem entschlossenen und herausragenden Start, warum er die WM-Krone bereits achtmal gewonnen hat. Bei seinem WM-Comeback nach acht Jahren ließ er sich den neunten Titel auch unter Druck nicht nehmen und gewann den Leichtwindthriller souverän, während Kontides die Ziellinie erst als 13. erreichte und sich mit Silber begnügen musste. Verlierer des Tages war Tonci Stipanovic, der das Rennen in fünf bis sechs Knoten Wind erst als 35. beendete und auf Platz sechs abstürzte.

Buhl aber hatte seine Chance genutzt, ein konzentriertes kämpferisches Rennen gesegelt und erneut fünf Konkurrenten überrundet. Es waren exakt so viele – das wusste er auf dem Wasser aber noch nicht –, wie er hatte überholen müssen, um den Satz aufs Podium tatsächlich noch zu schaffen. Bundestrainer Thomas Piesker hatte Buhl schon beim Kreuzen der Ziellinie einen hochgestreckten Daumen gezeigt. Doch der galt Buhls Leistung. Auch Piesker wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass dieser zehnte Rang für Bronze reichen würde, weil die Rivalen im Kampf um die Medaillen patzten.

Als die Nachricht kam, war Piesker überglücklich: "Das ist ein wirklich emotionaler Moment, weil wir seit dem Bruch nach der Warkalla-Generation mit vielen guten Laser-Seglern so hart für diesen Aufstieg gearbeitet haben. Viele waren und sind daran beteiligt. Philipp konnte heute die Früchte ernten. Damit durften wir hier kaum mehr rechnen. Er hatte heute nach dem schlechten Tag gestern auch das verdiente Quäntchen Glück, das man als Segler braucht. Mit Blick auf Rio und das Thema leichte Winde hat Philipp hier durch seine Leistungen unglaublich viel Selbstbewusstsein tanken können." Der Bronzemann ließ sich am Abend bei der Siegerehrung feiern und sagte: "Jetzt freue ich mich riesig auf zu Hause und meine Freundin Jana." Nach ihr hatte Buhl seinen WM-Laser benannt, der ihn aufs Podium getragen hat.

Mark Lloyd/Oman Sail Souveräner Start-Ziel-Sieg unter Druck: Robert Scheidt gewann die letzte Wettfahrt und die WM-Serie mit Stil. Zu sehen auf diesem Bild ist auch Tobias Schadewaldt, der bei seinem WM-Comeback im Laser gute Leistungen zeigte und die Serie mit einem starken achten Rang und Platz 29 beendete


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Laser-WeltmeisterschaftOmanPavlos KontidesPhilipp BuhlRobert ScheidtTeaser_25_2013Tobias SchadewaldtTonci Stipanovic

Anzeige