Regatta-News
Botschafter im Mast

„Diplomaten-Regatta“ in der Adria: Polit-Prominenz und Fahrtensegler in einem Boot

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 02.08.2005

Val NAVTIKA

Vor einigen Jahren hatten einige Botschafter die Idee, sich auf einer „Diplomaten-Regatta“ vor der Adriaküste Sloweniens zu messen und natürlich auch „diplomatisch“ auszutauschen. Dabei blieb es nicht. Bereits zum drittem Mal findet in diesem Jahr, am 10. September, die „weltweit wohl einzigartige Regatta“ statt – so Viktor Barraga, der weit gereiste slowenische Honorarkonsul Australiens.

Barraga muss es wissen. Zusammen mit den damaligen Botschaftern der Niederlande und Englands in Slowenien, Jan Hennemann und Hugh Mortimer, nahm die Idee vor zwei Jahren schnell Gestalt an und fand vor allem in der Marina von Izola, einem der schönsten slowenischen Küstenorte, begeisterte Anhänger.

Zum Organisationskomitee in diesem Jahr gehören der schwedische Botschafter John Hagard, der polnische Botschafter Janusz Jesionek, der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Thomas B. Robertson sowie der Protokollchef des slowenischen Außenministeriums Tomaz Kunstelj, der auch die Anmeldungen verwaltet.

Veranstalter ist der „Jadralni Klub Veter (Segelklub Wind)“. Dessen Präsident, der rührige Branko Augustin, verweist im Gespräch mit der YACHT stolz auf die Zahlen vom letzten Jahr: 100 teilnehmende Yachten unter italienischer, österreichischer, deutscher, kroatischer, sogar polnischer und selbstverständlich slowenischer Flagge, drei Boote mit Diplomaten als Eigner. Insgesamt rund 1.100 Teilnehmer, darunter 120 Personen mit Diplomatenpass, angeführt von 25 Botschaftern. Und dann natürlich aus dem Gastland Vertreter von Politik, Wirtschaft und VIPs aller Art: „Ein sportliches, aber auch ein gesellschaftliches Event ersten Ranges“, so Branko Augustin, der vermutet. „Die Zahlen werden in diesem Jahr wohl noch steigen.“

Das Geld für das Großzelt in der Marina von Izola und das feierliche Abschlussdinner mit Siegerehrung (Branko: „Fast jeder kann gewinnen, wir haben fast hundert Pokale!“) kommt reichlich von Sponsoren, die sich hier gern international präsentieren.

Die sportliche Seite. Gesegelt wird nach der europäischen Isaf-Norm: je zwölf Klassen für Racer und Cruiser, dann noch Spezialklassen unter anderem für historische Boote. Branko Augustin: „ Die Regatta ist offen für alle, gern begrüßen wir neue Teilnehmer aus den deutschsprachigen Ländern.“ Einschreibung ist über das Internet möglich: www.veter-klub.com (ab Ende August).

Die Diplomaten und ihre Familienangehörigen werden vor Beginn der Regatta per Verlosung feierlich auf die teilnehmenden Yachten verteilt. Richtig spannend: Keiner weiß vorher, auf welchem Boot er landet. Wer Glück hat, darf auf einer der Rennyachten mitfahren, die hier in der Regel alles abräumen.

Nicht ganz uninteressant: Die Einschreibegebühr von 15.000 SIT (rund 65 Euro) verringert sich entsprechend der Zahl der aufgenommenen Gäste. Spannung und Erlebnisse gibt’s aber auch auf den langsameren Booten, über die dann beim abendlichen Abschlussdinner unterm Zeltdach heiß diskutiert wird: Im letzten Jahr verließ der kroatische Botschafter in Slowenien kaum die Kombüse eines historischen Boots aus Piran, weil’s ihm so gut mundete, und der österreichische Botschafter Dr. Grünbühel-Mayrhofer brachte auf der Nauticat 43 eines slowenischen Unternehmers seine ganze Erfahrung eines an Höhe gewohnten Bergsteigers ein, als er sich in den Mast hieven ließ, um den vertörnten Spinnaker zu entwirren.

Elmar Bordfeld


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Themen: Diplomaten-RegattaEventsRegatta

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