Barcelona World Race
Boris Herrmann schert nach Südost aus

Geht die Taktik auf, kann "Neutrogena"auf kürzerem Weg Meilen gutmachen – Führung immer noch unverändert

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 13.01.2011

BWR Weit im Westen: "Foncia" l

Nach tagelanger Autobahnfahrt wird die Nonstop-Regatta für die Verfolger, die knapp vor dem Äquator stehen, jetzt wieder variantenreicher und spannender. Das Feld teilt sich. Gasgeben auf SSW-Kurs oder abkürzen gen SSO?

Jean-Pierre Dick auf "Virbac-Paprec 3" wählt den schnelleren und längeren Weg. Als Spitzenreiter kommt er allmählich in den Genuss auffrischender OSO-Winde. Er steuert mit 184 Grad fast genau nach Süden.

Fünf Grad westlicher hält "Foncia", die einen Zwischenstopp in Brasilien einlegen wird, um den Bug zu reparieren. Auf gleichen Kurs sind auch Iker Martinez und Xabi Fernandez auf "Mapfre" abgefallen. Warum, ist bei ihnen unklar. Eventuell auch Probleme? Oder bleiben sie weiter westlich, um sich im Südatlantik als eine der Ersten von einem Tiefdruckgebiet nach Osten schieben zu lassen?

BWR "Foncia" (orange) und "Mapfre" (grau) auf SSW-Kurs, "Neutrogena" weiter im Osten

Fest steht: Sie haben ihrem Open 60, der letzten "Foncia", mit der Michel Desjoyeaux die Vendée gewonnen hatte, alles abverlangt, um auf Rang 4 vorzufahren. Vielleicht mussten sie bereits Tribut zollen und erwägen ebenfalls einen Stopp. Taktisch macht die SSW-Variante kurzfristig jedenfalls wenig Sinn, denn die Teams erwartet zunächst Südost-Passat.

Für die andere Option haben sich "Mirabaud", "Groupe Bel" und "Neutrogena" entschieden, wobei Boris Herrmann und Ryan Breymaier die östliche Flanke besetzen. Früher als ihre nächstgelegenen Konkurrenten haben sie ihre Taktik gewählt, was in den kommenden Tagen Vorteile verspricht, auch wenn sie auf dem kürzeren, höher am Wind führenden Kurs zunächst Meilen verlieren sollten.

Unbeeindruckt vorneweg segeln weiterhin Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron. Die beiden fielen bis zu den Kalmen nicht nur durch beständig hohe Geschwindigkeiten auf, sondern auch durch Wortkargheit. Kaum ein Team kommuniziert so wenig. Es scheint, als investierten sie alle Energie nur in das eine Ziel, an Position 1 zu bleiben.

Foncia Freigelegt: Der offene Schaumkern der Crash-Box auf "Foncia", die in Brasilien repariert werden muss

Während sich das Technik-Team von "Foncia" auf den Reparaturstopp vorbereitet und Michel Desjoyeaux und François Gabart gen Recife steuern, können sie Rang 2 vorerst noch behaupten. Sie sind zuletzt sogar wieder deutlich aufgekommen.

Die zerstörte Crash-Box am Bug, von der sie erstmals Bilder gesendet haben, sieht noch recht intakt aus; der Austausch soll weniger als einen Tag dauern. Auch der Umweg ist nicht dramatisch – 150 Seemeilen. Sie sollten also noch vor den Nachzüglern wieder ins Rennen gehen können.

Gestern ließ Alex Thomson von "Hugo Boss" wissen, dass er weiter an Land und bei seinem neugeborenen Sohn Oscar bleibt, der einen Herzfehler hat. Er wollte auf den Kapverden zusteigen und Ersatzmann Wouter Verbraak ablösen.

Der hängt mit Andy Meiklejohn immer noch im hinteren Feld fest, knapp 600 Seemeilen zurück, und vermisst den Druck, der die Führenden in den vergangenen fünf Tagen außerhalb der Schlagdistanz gebracht hatte. Dabei braucht die Extrem-Konstruktion eben das: jede Menge Wind.


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Themen: Barcelona World RaceBoris HerrmannDickDickDickFonciaNeutrogena

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