Open 60
Boris Herrmann sagt Jules-Verne-Rekordversuch ab

Statt noch einmal auf dem Maxi-Tri "Idec" nonstop um die Erde zu segeln, konzentriert sich der 35-jährige Hamburger auf seine neue Imoca-Kampagne

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 09.12.2016
Etwas mehr Schutz für die Crew auf dem leicht modifizierten Rekordjäger Etwas mehr Schutz für die Crew auf dem leicht modifizierten Rekordjäger Etwas mehr Schutz für die Crew auf dem leicht modifizierten Rekordjäger

Idec Etwas mehr Schutz für die Crew auf dem leicht modifizierten Rekordjäger

Segelprofi Boris Herrmann konzentriert sich ab sofort auf die Vorbereitung seines neuen Hochsee-Projekts mit dem Ziel, 2020 als erster Deutscher an der Vendée Globe teilzunehmen. Zurück vom jüngsten, vorzeitig abgebrochenen Rekordversuch auf "Idec", hat der Hamburger die Jules Verne Trophy hintenan gestellt.

Ursprünglich hatte Herrmann geplant, mit dem Trimaran unter dem französischen Skipper Francis Joyon die schnellste jemals rund um die Welt gesegelte Zeit von 45 Tagen zu unterbieten. Wegen einer ungünstigen Wetterentwicklung war die Nonstop-Fahrt jedoch nach nur einer Woche in der Nähe des Äquators abgebrochen worden.

YACHT/A. Fritsch Herrmann nach dem Versuch 2015/16

"Diese Rechnung bleibt leider offen, aber die nächste Herausforderung kann nicht länger warten", erklärte Boris Herrmann heute überraschend. "Im Einvernehmen mit dem Team, dem Sponsor Idec und Skipper Francis haben wir entschieden, dass ich an Land bleibe, um mich ganz auf die Imoca-Kampagne zu konzentrieren, nachdem der Kauf unseres Open 60 endgültig vollzogen ist." Da in Sébastien Audigane zudem ein perfekt geeigneter Ersatzmann bereitstand, konnte die Mannschaft Boris Herrmann ohne Schwächung freistellen und er sich guten Gewissens seiner neuen Aufgabe widmen.

Herrmann geht diese hochmotiviert an: "Es ist ein fantastisches Projekt mit viel Unterstützung und Dynamik. Wir waren noch nie so nah dran. Es macht unglaublich Spaß. Ziel ist eine Kampagne mit deutscher Identität zu kreieren und das Schiff auch zur Kieler Woche, zum Rennen rund Skagen und nach Hamburg zu holen. Wir wollen viele Personen an Bord einladen, Medien- und Sponsorenvertreter sowie möglichst viele Schlüsselfiguren der Szene, um diese moderne Art des Segelns hier in Deutschland anfassbar machen."

Nach einer erfolgreichen gemeinsamen Saison auf dem foilenden GC32-Katamaran "Malizia" stellen sich der Yacht Club de Monaco mit Herrmanns Segelfreund Pierre Casiraghi hinter das gemeinsame Projekt. Erste gute Gespräche zu potenziellen Sponsoren haben stattgefunden. Weitere Anstrengungen seien nun oberste Priorität, um weitere Partner ins Boot zu holen.

Der geborene Oldenburger geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge von Bord der "Idec Sport". Joyon & Co. sind wieder auf Standby für einen dritten Weltrekordversuch. 2015 war das Team mit dem Deutschen nur um zwei Tage über der Bestmarke geblieben.

Seinen Ersatzmann kennt Boris Herrmann gut. "Mit Séb bin ich 47 Tage rund Amerika gesegelt, der hat den nötigen Biss. Ich hoffe sehr, dass die Mannschaft es diesmal packt." Der 48-jährige Franzose hat den Jules-Verne-Rekord bereits ein Mal geholt – unter Bruno Peyron auf "Orange II". Damals war auch Bernard Stamm in der Crew, mit dem Audigane jetzt auf "Idec Sport" wieder antritt. Zuletzt gehörte er dem Team von Spindrift Racing an, das voriges Jahr praktisch zeitgleich mit  "Idec" auf der Jagd nach der Bestzeit war und diese ebenfalls knapp verpasste. Erfahrung hat Audigane also mehr als genug.

Wohl auch deshalb hat die gesamte "Idec"-Crew großes Verständnis für Boris Hermans Entscheidung gezeigt. Sie befürworte und unterstütze seine neuen Pläne, ließ der Hamburger wissen. Trainingsbeginn soll für ihn im Mai in der Bretagne sein, als erste Regatta peilt Herrmann das Rolex Fastnet Race im August an. Zusammen mit Casiraghi will er als Zweimann-Crew starten. Jede Saison sind vier große Wettfahrten geplant, darunter zwei Transatlantikrennen einhand oder zu zweit.

Das eigentliche Ziel ist ein Podiumsplatz bei der Vendée Globe im Jahr 2020. Die langfristige Vorbereitung soll den Grundstein dafür legen – und Partnern schon vor der Vendée den nötigen kommerziellen Erfolg sichern. "Das härteste Hochseerennen der Welt kommt dann als Jackpot obendrauf", so der viermalige Weltumsegler.


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Themen: Boris HerrmannFrancis JoyonIdecImocaJules-Verne-RekordversuchOpen 60Sébastien Audigane

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