Transat Jacques Vabre 2017
Boris Herrmann bestätigt seinen Platz an der Imoca-Spitze

Mit Rang 4 bei der Transatlantik-Regatta verpasst der Hamburger zwar das Podium, beweist aber seine Stärke und die von "Malizia" – Class 40 noch hart umkämpft

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 20.11.2017
Boris Herrmann und Thomas Ruyant im Ziel der Transat Jacques Vabre 2017 Boris Herrmann und Thomas Ruyant im Ziel der Transat Jacques Vabre 2017 Boris Herrmann und Thomas Ruyant im Ziel der Transat Jacques Vabre 2017

TJV Boris Herrmann und Thomas Ruyant im Ziel der Transat Jacques Vabre 2017

Nach Platz 3 der Imoca-Wertung im Rolex Fastnet Race im Sommer hat es jetzt beim Transat Jacques Vabre nicht ganz gereicht für den Skipper von "Malizia" und seinen Co Thomas Ruyant. Mit 16 Knoten stürmten die beiden heute Vormittag Richtung Salvador de Bahia, so als sei der Kampf ums Podium noch offen. Doch der war schon entschieden, als nach Jean-Pierre Dick und Yann Eliès, nach Paul Meilhat und Gwénolet Gahinet gestern auch Morgan Lagraviere und Eric Peron Salvador de Bahia erreicht hatten.

TJV Starkes Duo: Thomas und Boris

TJV Happy: der Hamburger Skipper

Boris Herrmann und Thomas Ruyant blieb nur der undankbare 4. Platz. Und so fällt das Fazit nach dem anspruchsvollen, in der ersten Woche brutal harten Rennen gemischt aus: glücklich mit der Leistung, zufrieden mit ihrer (ersten) Zusammenarbeit bei einer Zweihand-Regatta, aber leicht enttäuscht wegen der Platzierung. Denn noch vor fünf Tagen hatten sie durchaus Chancen, an "Des Voiles et Vous" vorbei zu kommen.

Just als sie das Ende der Rossbreiten nördlich des Äquators schon erreicht zu haben glaubten, dehnte sich das Schwachwindband weiter nach Süden aus und hielt sie regelrecht gefangen – ein bitterer Schlag, zumal die "Malizia"-Crew schon zuvor Pech gehabt hatte: Ein Riss im Code Zero hatte sie eine Zeitlang ihres wichtigsten Segels beraubt, und auch der Ausfall beider Windgeber im Masttopp bremste sie vorübergehend ein.

"Natürlich hätten wir mit diesem schönen Boot einen Podiumsplatz schaffen können", sagte Boris Herrmann nach der Zielankunft. "Wir haben wahrscheinlich kleine strategische Fehler gemacht. Dennoch sind wir zufrieden mit dem Ergebnis. Es war ein tolles Rennen, ich freue mich sehr und danke Thomas, unseren Partner und den Organisatoren des Transat Jacques Vabre."

Thomas Ruyant gab den Dank seinerseits zurück: "Boris wird ein ernstzunehmender Konkurrent für die nächste Vendée Globe sein", sagte er.

Wie schwer die beiden Co-Skipper durch den Ausfall der Windinstrumente beeinträcjhtigt waren, schilderte Ruyant eindrucksvoll. "Die neuen Imocas sind Maschinen, die man sehr stark nach Zahlen segelt. Du schaust immer auf Einfallswinkel und Windstärke; die Segelwahl basiert auf Zahlen. Und dann ein kompletter Blackout! Wir hatten praktisch nur noch unser Gefühl. Am Anfang war es sehr schwer, aber je länger das Transat dauerte, desto besser kamen wir damit zurecht. Es ist fast ein Vorteil geworden, unseren Instinkten zu folgen."

Anonsten lief es für Boris Herrmann und Thomas Ruyant rund. Dem Potenzial ihres foilenden Imocas der letzten Generation wurden sie jederzeit gerecht, waren bis zum Äquator stets in Kontakt mit der Spitze. Auf 4805 gesegelten Meilen schafften sie eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,44 Knoten – und unterhielten nebenbei ihre Fans mit Videos des Rennverlaufs – darunter mehrere Drohnenaufnahmen wie hier, in ihrem letzten Film von Bord .

TJV Zur Ankunft einmal mit den Flügeln winken – "Malizia" auf den letzten Metern der TRansat Jacques Vabre

Das erste Jahr auf "Malizia" kann Herrmann jetzt entspannt in Brasilien ausklingen lassen. Das Boot wird abgeriggt, auf einen Frachter verladen und geht dann erstmal nach Frankreich ins Winterlager, bevor in der kommenden Saison die nächsten Rennen anstehen – darunter die vom Norddeutschen Regatta-Verein und dem Yacht Club Costa Smeralda organisierte Atlantic Anniversary Regatta von Bermuda nach Hamburg und die Route du Rhum. Spätestens da kann er sich erneut mit Yann Eliès messen, dem Transat-Jacques-Vabre-Sieger, der das Boot von Jean-Pierre Dick übernimmt, und mit "SMA"-Skipper Paul Meilhat.

Unterdessen spielt sich knapp 700 Seemeilen von Salvador de Bahia entfernt noch ein wahrhaft epischer Dreikampf um den Sieg in der Class 40 ab. Phil Sharp und Pablo Santurde, die mit ihrer "Imerys" das Classement über weite Strecken angeführt hatten, messern sich seit Tagen mit Aimeric Chapellier und Arthur de Vaillant auf "Aïna" sowie mit Maxime Sorel und Antoine Carpentier auf "V and B". Die "Imerys"-Crew war vor den Kalmen bereits bis zu 70 Seemeilen enteilt, wurde abgefangen, erarbeitete sich erneut einen Vorsprung von 20 Meilen – doch der ist längst aufgezehrt.

Im Zielsprint mussten Sharp und Santurde bereits "Aïna" ziehen lassen, und jetzt drängelt auch "V and B" von achtern – beides neuere Boote, die vor allem auf Halbwindkursen schneller sind. Steht der Wind bis nach Salvador de Bahia durch, grenzte es an ein Wunder, wenn das britisch-spanische Duo Rang 1 zurückerobern würde. Wahrscheinlicher ist, das sie mit einem Rückstand von zwei bis drei Stunden Dritte werden – fast wie One-Design-Segeln beim Volvo-Ocean Race. Und das stimmt ja auch fast. Alle drei Mach 40 stammen vom selben Konstrukteur, Sam Manuard. Der kann der Zielankunft in jedem Fall gelassen entgegensehen, weil eins seiner Boote in jedem Fall vorn sein wird.

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Themen: Boris HerrmannJean-Pierre DickPablo SanturdePhil SharpSalvador de BahiaThomas RuyantTransat Jacques Vabre 2017TransatlantikYann EliesZweihand-Regatta

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