Segeln olympisch
Berlinerinnen punkten auf Kurs Rio

Eine EM-Medaille gab es für Vicky Jurczok und Anika Lorenz trotz Sieg im Finale nicht. Dem Olympiaticket kamen sie aber einen Schritt näher

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 11.07.2015

Ricardo Pinto/49er EM Victoria Jurczok und Anika Lorenz im Medaillenrennen

Es war ein teilweise dramatisches Wechselbad der Gefühle, das Victoria Jurczok und Anika Lorenz in Porto durchlebten. Am Ende der sechstägigen Europameisterschaft der 49erFX-Seglerinnen gab es für die zwischenzeitlichen deutschen Spitzenreiterinnen keine Medaille, aber mit dem Sieg im spektakulären Medaillenrennen ein kleines Happy End.

Joao Ferrand / 49er Europeans / Porto Das Medaillenrennen der 49erFX-Seglerinnen war spektakulär

"Wir hatten uns schon etwas mehr erhofft", räumte Steuerfrau Victoria Jurczok vom Verein Seglerhaus am Wannsee am Abend nach dem finalen Schlussakkord freimütig ein. Ihr Team war stark in die Serie eingestiegen. Doch dann schockte am Abend des vierten EM-Tages ein Protest der Wettfahrtleitung die beiden deutschen Seglerinnen und auch die noch amtierenden Berliner Europameister Erik Heil und Thomas Plößel. Der Vorwurf richtete sich gegen reparierte und verstärkte Bugspriets, die nach Auffassung der Regelwächter nicht hätten verändert werden dürfen. Die Jury disqualifizierte die Teams zunächst, doch der deutschen Mannschaft gelang eine Neuaufnahme des Falls, in dem die Jury davon überzeugt werden konnte, dass es sich um eine unverhältnismäßig hohe Strafe für ein vergleichsweise geringes Vergehen handeln würde. Schließlich durften Jurczok/Lorenz sowie Heil/Plößel die Regatta mit allen bis dahin ersegelten Ergebnissen fortsetzen. Was auch der Tatsache zu verdanken war, dass nicht nur die deutschen, sondern die Hälfte aller Gleitjollen im EM-Park mit reparierten Teilen dastand, die bei genauerer Prüfung ebenso wenig dem Reglement entsprochen hätten. Die Klassenvereinigung erwägt eine Regelpräzisierung.

Den Preis für die lange Protestnacht zahlten Jurczok/Lorenz am Folgetag auf dem Wasser. Nach nur wenigen Stunden Schlaf kamen sie vom Erfolgskurs ab, verloren ihre Top-Position. "Wir waren angespannt, haben wenig geschlafen", erzählt Jurczok. Erst als eine Medaille vor dem Finale nicht mehr greifbar war, drehten die Berlinerinnen noch einmal auf und gewannen das Medaillenrennen auf dem Fluss Douro im Stile von Champions. Die spektakuläre Hatz über den Parcours war von Windlöchern und immer wieder stark einfallenden Böen geprägt. Einmal rasten die Gleitjollen der nächsten Wendemarke entgegen, dann standen sie wieder. "So ein Rennen haben wir auch noch nie erlebt", sagt Jurczok. Für eine EM-Medaille kam der herausragende Auftritt der Deutschen zu spät. Europameisterinnen wurden die Italienerinnen Giulia Conti und Francesca Clapcich vor den beiden dänischen Teams Jena Handen/Katja Salskov-Iversen und Maiken Foght-Schütt/Anne-Juli Schütt.

Ricardo Pinto/49er EM Nicht alle Crews überstanden das brisante Finale ohne Kenterung

Mit leeren Händen verlassen Jurczok/Lorenz das portugiesische EM-Revier vor Porto aber nicht. Sie sicherten sich mit Platz sieben 14 wertvolle Punkte für die dreiteilige nationale Olympia-Ausscheidung, die mit der Europameisterschaft begonnen hat. Diese 14 Punkte bedeuten ein zunächst angenehmes Polster, weil kein anderes Team aus der Nationalmannschaft seine Bestleistungen abrufen konnte. Tina Lutz und Susann Beucke sicherten sich mit EM-Platz 14 sieben Punkte für die DSV-interne Wertung. Leonie Meyer und Elena Stoffers (Hamburg) erhielten für Rang 15 sechs Zähler. Den Duisburger Schwestern Ann-Kristin und Pia-Sophie Wedemeyer wurden für Platz 16 fünf Punkte gutgeschrieben. Die Strander Zwillinge Jule und Lotta Görge gingen in der Silberflotte zunächst leer aus. Die Ausscheidung wird bei der 49erFX-Weltmeisterschaft vor Clearwater 2016 in amerikanischen Gewässern fortgesetzt und endet im Frühjahr 2016 mit dem Klassiker Princesa Sofía vor Palma de Mallorca. Erst dann ist entschieden, welches deutsche 49erFX-Team den deutschen Nationenstartplatz vor Rio besetzen darf, den Jurczok/Lorenz im vergangenen Jahr als WM-Fünfte gesichert hatten.

Am Sonntag wird es noch einmal spannend in Porto. Dann starten die 49er-Segler in ihre letzten drei Wettfahrten und beenden ihre Europameisterschaft am Nachmittag mit dem Medaillenrennen. Die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme liegen auf Platz sechs. Die Berliner Titelverteidiger Erik Heil und Thomas Plößel müssen als Elfte angreifen. Die Rennen werden im Internet live übertragen.

Hier geht es zur Live-Übertragung

Joao Ferrand / 49er Europeans / Porto Die Titelverteidiger Erik Heil und Thomas Plößel segeln mit 35 Punkten Rückstand auf die australischen Spitzenreiter Nathan Outteridge und Iain Jensen bislang noch nicht auf Idealkurs. Drei Rennen bleiben den Berlinern am Sonntagvormittag ab 10 Uhr Ortszeit, um ihre Ausgangslage zu verbessern und ins Medaillenrennen der besten zehn Team einzuziehen


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Themen: 49er49erFXEuropameisterschaftHeil/PlößelJurczok/LorenzPortoPortugalSchmidt/Boehme

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