Segeln olympisch
Berliner Skiff-Teams lösen Rio-Tickets

In den Skiff-Klassen ist der Kampf um die Olympia-Fahrkarten entschieden: Rio ruft Erik Heil/Thomas Plößel und Vicky Jurczok/Anika Lorenz

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 01.04.2016

Jesus Renedo/Sailing Energy/Sofìa Das Duell um die Olympia-Fahrkarte für Deutschlands beste 49er-Segler ist entschieden: Erik Heil und Thomas Plößel haben sich gegen Justus Schmidt und Max Boehme durchgesetzt

Doppelsieg für zwei Berliner Teams: Im Kampf um die Olympia-Fahrkarten in den Skiff-Klassen 49er und 49erFX haben sich zwei Hauptstadt-Crews durchgesetzt. Erik Heil und Thomas Plößel, die für den Norddeutschen Regatta Verein starten, sind einen Tag vor dem Medaillenrennen bei der Trofeo Princesa Sofía in der nationalen Ausscheidungswertung nicht mehr einholbar. Und auch Victoria Jurczok und Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee können von ihren Konkurrentinnen Tina Lutz (Chiemsee Yacht Club) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club) einen Tag vor dem Medaillenfinale nicht mehr eingeholt werden. Sowohl Heil/Plößel als auch Jurczok/Lorenz dürfen am 31. Mai mit ihrer Nominierung für die Olympischen Spiele rechnen, nachdem sie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entsprechend der Ausscheidungskriterien voraussichtlich vom Deutschen Segler-Verband (DSV) vorgeschlagen werden.

Jesus Renedo/Sailing Energy/Sofìa Nach acht gemeinsamen Jahren segeln Heil/Plößel jetzt auf Kurs Rio

Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofía Wollen in Rio um eine Medaille kämpfen: Die Berliner Erik Heil und Thomas Plößel trainieren in Kiel und starten für den Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg

Dem Ausscheidungs-Sieg von Erik Heil und Thomas Plößel war ein spannendes Duell mit den Kielern Justus Schmidt und Max Boehme vorausgegangen. Den entscheidenden Ausschlag zugunsten der etwas erfahreneren Berliner hatte aber nicht diese letzte umkämpfte Ausscheidungs-Regatta vor Mallorca, sondern die von den Europameistern Schmidt/Boehme verpatzte Weltmeisterschaft vor Bueneos Aires gegeben, bei der sich Heil/Plößel einen wichtigen Vier-Punkte-Vorsprung hatten sichern können. Mit den Berlinern segelt im August eine Crew für Deutschland um Medaillen, die nicht nur bei der olympischen Testregatta 2015 mit Platz drei ihre Ansprüche auf olympisches Edelmetall deutlich unterstrichen hat. "Wir segeln seit acht Jahren zusammen und haben nun ein weiteres wichtiges und großes Ziel abhaken können", sagte Erik Heil YACHT online. "Nun gilt unsere ganze Konzentration der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und der Medaillen-Mission. Heute ist uns aber wichtig, dass auch unsere Betreuer hier vor Ort Anteil an unserem Erfolg haben: Frithjof Schad, Frithjof Kleen und unser Trainer Thomas Rein haben großartige Arbeit geleistet!"

"Es war eine Woche für die Geschichtsbücher"

Überschäumende Freude über die gelöste Olympia-Fahrkarte mochte bei Erik Heil am Abend der Entscheidung aber noch gar nicht aufkommen. "Wir freuen uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte der 49er-Steuermann, "wir sind glücklich über unsere Leistung, wissen aber auch, durch welche Trauer unsere Gegner und Freunde jetzt gehen." Schmidt/Boehme hatten die Olympia-Ausscheidung mit ihrem EM-Sieg 2015 fulminant eingeläutet und Heil/Plößel damit herausgefordert. "Ich denke, wir haben uns als würdige Gegner erwiesen – die beiden mussten sich ganz schön lang machen", sagte Justus Schmidt. Auf die Frage, wie er sich nach der dramatischen Ausscheidungswoche, dem Mastbruch und der eindrucksvollen Hilfaktion durch Konkurrenten (siehe YACHT online vom 30. April) am Abend der besiegelten Niederlage im Olympia-Duell fühle, sagte der Steuermann vom Kieler Yacht-Club nachdenklich: "Das weiß ich gar nicht so genau." Einige Momente später fügte er hinzu: "Das war eine Woche für die Geschichtsbücher. Wir haben hier wirklich alles gegeben. Die Ausscheidung haben wir in Buenos Aires und nicht hier verloren. Den vielen Helfern nach unserem Mastbruch werden wir ihre Unterstützung nie vergessen. Es war ein wunderschönes Gefühl zu erleben, wie viele Menschen uns wohlgesonnen sind." Im Gegensatz zum Mast ihres neuen 49ers "Pussy Galore" sind die Ambitionen von Schmidt und Boehme ungebrochen. "Wenn die Rahmenbedingen stimmen, dann wollen wir es in vier Jahren auf jeden Fall noch einmal wissen", sagte Schmidt, der mit Max Boehme für den Kieler Yacht-Club segelt.

Jesus Renedo/Sailing Energy/Sofìa Waren würdige Gegner in der Olympia-Ausscheidung und wollen es – wenn die Bedingungen es möglich machen – 2020 noch einmal wissen: Justus Schmidt und Max Boehme vom Kieler Yacht-Club bleiben olympisch hungrig

"Wir werden die Medaille nicht geschenkt bekommen"

Den vorolympischen "Feiertag" im Zeichen Berlins machten in Palma de Mallorca Victoria Jurczok und Anika Lorenz perfekt. Auch das Duo vom Verein Seglerhaus am Wannsee segelt nun sicher auf Kurs Olympia und darf mit seiner Nominierung rechnen, denn Tina Lutz (Chiemsee Yacht Club) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club) können Jurczok/Lorenz trotz sehr guter Ergebnisse vor Mallorca das Olympia-Ticket nicht mehr entreißen. Trainer Max Groy sagte: "Beide Teams haben starke Leistungen gezeigt. Mit Vicky und Anika haben wir nun ein Team, dem das Revier vor Rio liegen wird." "Wir freuen uns mega, riesig, doll!", sagte Steuerfrau Victoria Jurczok. "Ich habe mit Anika die allerbeste Vorschoterin, und wir haben großartige Unterstützung durch den VSaW. Wir haben wirklich hart gearbeitet, uns den Arsch aufgerissen. Jetzt hätten wir gern ein bisschen Urlaub, doch es kommen noch einmal vier Monate harte Arbeit auf uns zu, denn wir werden die Medaille in Rio nicht geschenkt bekommen. Aber wir freuen uns darauf! Und wir glauben an unser Potenzial, in Rio um eine Medaille segeln zu können. Dafür arbeiten wir."

Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofía Alles im Griff auf Kurs Rio: Victoria Jurzcok und Anika Lorenz haben sich die Rio-Fahrkarte gesichert

Hier geht es zu den Ergebnissen aller Klassen vor den Medaillenrennen

Jesus Renedo/Sailing Energy/Sofìa Der gelungene und auch von den Berliner Rivalinnen gelobte Endspurt kam zu spät: Tina Lutz und Susann Beucke sind Dritte vor Palma und damit bestes deutsches 49erFX-Team bei der Trofeo Princesa Sofía. Doch in der Addition aller drei Ausscheidungsregatten im Kampf um die Olympia-Fahrkarte hat das Duo aus Holzhausen und Strande zu Beginn nicht ausreichend punkten können


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Themen: Heil/PlößelJurczok/LorenzLutz/BeuckePalma de MallorcaSchmidt/BoehmeTrofeo Princesa Sofia

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