Portimão Global Ocean Race
"Beluga Racer" 230 Meilen vor dem Kap

Nach dem Durchzug eines schweren Sturms von Windstärke 12 liegen die Chilenen noch immer in Führung

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 18.03.2009

PGOR Positionen um 13.20 Uhr

25 Tage sind die Crews mittlerweile auf See, über 400 Seemeilen zerstreut ist das Feld der vier Boote. Am morgigen Donnerstag werden die ersten beiden Schiffe das legendäre Kap Hoorn runden. Die Anspannung ist groß.

Heute morgen befand sich die führende "Desafio Cabo de Hornos" nur noch 145 Seemeilen vor der südlichen Landmarke. "Beluga-Racer" konnte gestern kaum Meilen zu dem chilenischen Boot gut machen und folgt mit 88 Seemeilen Abstand in dessen Kielwasser. Derzeit segeln die beiden mit 20 Knoten Wind, 11 bis 12 Knoten Bootsspeed und machen so über 200 Meilen täglich. Das lässt erwaren, dass "Beluga-Racer" morgen gehen Mittag hinter dem Kap auf Kurs Nordost gehen wird, um das Etappenziel in Brasilien anliegen zu können.

Der Wetterbericht sagt jedoch voraus, dass der Wind heute gegen Nacht auf Nord drehen und noch einmal stark zunehmen wird. Nach dem Sturm mit bis zu zwölf Windstärken, den die Boote am vergangenen Wochenende abritten, kommt nun von Nordwesten her eine ähnlich schwere Walze angerollt, die ein Déjà-vu dessen sein dürfte, was sie bereits die vergangenen Tage erlebt haben. Felix Oehme erzählte in ihrem Podcast von Bord der "Beluga-Racer", dass sie das schwere Wetter nur mit viertem Reff im Groß und minimalem Vorsegel durchsegeln konnten. Zusätzlich zu den angekündigten Winden liegt vor ihrem Bug auch noch ein Unterwasser-Flach, bei dem sich der Meeresboden aus 4.000 Metern Tiefe plötzlich auf nur 200 Meter anhebt. Mit sehr hohem und konfusen Seegang ist zu rechnen, sodass es die letzten 24 Stunden bis zum Kap Hoorn sicher nochmal in sich haben werden.

Für die führenden Chilenen stellt die Rundung des Kaps zugleich den Höhepunkt des Rennens dar, weil sie ihrem Heimatland nach einer Reise um die halbe Welt nun plötzlich spürbar nahe kommen. Außerdem werden sie vor dem Kap, das zugleich als der Namensgeber ihres Schiffes diente, von einer chilenischen Fregatte begrüßt werden. Skipper Felipe Cubillos erklärte, dies sei auch der Grund ihrer Anspannung: "Wir dürfen nicht versagen, ganz Chile schaut auf uns".

Während sich die vorne liegenden Boote dem Rendevouz mit dem Kap Hoorn nähern, hatte der an letzter Stelle liegende Einhandsegler Michael Kleinjans auf seiner "Roaring Forty" ein Treffen anderer Art: Auf einigen Meilen Entfernung nördlich passierte ihn die ebenfalls an letzter Stelle liegende Volvo Ocean Race Yacht "Telefonica Blue", sodass die Skipper beider Schiffe Grund für ein kleines Pläuschchen über Satellitentelefon hatten. Kleinjans berichtete über das Gespräch mit Skipper Bouwe: "Wir beide haben unser erstes Whitbread im gleichen Jahr gemacht, aber Bouwe kann sich heute nicht mehr erinnern, wie oft er seitdem ums Kap Hoorn gesegelt ist. Es ist unglaublich, wie die Zufälle manchmal zusammen spielen. Wir befinden uns am gleich Ort wie vor 23 Jahren und es fühlt sich wirklich komisch an, ihn hier unten zu treffen und auf holländisch zu plaudern. Aber es war sehr nett".


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Themen: Kap HoornPortimão

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