America's Cup
Bank wollte aufhören

Nach der Niederlage gegen Areva spricht der Skipper deutliche Töne. Jablonski schafft das Halbfinale trotz Niederlage

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 08.05.2007

ACM/Borlenghi Schweden macht es spannend und liegt an der Luvtonne vor Neuseeland. Aber die Führung geht dahin

Die Körpersprache sagt alles. Der Truppe auf dem deutschen Boot ist anzusehen, dass sie nicht gewonnen hat, als sie in den Hafen geschleppt wird. Nebenan feiern die Spanier ihren Einzug ins Halbfinale mit Champagner-Duschen und Böllern, Team Germany schleicht nach der schmerzvollen Niederlage gegen die Franzosen von Bord.

Als Jesper Bank in der Mixed Zone vor die Presse tritt, macht er keine bessere Figur. Sichtlich geknickt stellt er sich der Journaille. Er weiß, dass viele seinen Kopf fordern. „Das ist normal,“ sagt er. „Ich stehe in der Verantwortung.“ Umso überraschender kommt seine Ansage: „Ich wollte dem deutschen Team nicht im Wege stehen."

Er gibt zu, dass er während der Rennen in Valencia schon zweimal seinen Steuermann-Posten aufgeben wollte. "Ich habe mit Michael Scheeren zweimal darüber gesprochen, den Steuermann zu wechseln. Er lehnte jedoch ab. Das Timing passte nicht."

Es ist klar, dass der zweimalige Olympiasieger über seine eigene Leistung geschockt ist. Was auch immer man ihm vorwirft, seine seglerische Leistung war immer unantastbar. Die Medaillen sprechen für sich. Aber auch heute war wieder der Start das Problem.

Bank positionierte das deutsche Schiff zwar pünktlich mit maximaler Geschwindigkeit an der Linie, aber auf der falschen Seite. Die rechte Startschiff-Seite war mehr als eine Bootslänge im Vorteil. Dort eröffneten die Franzosen das Rennen.

Live Sailing Start gegen Areva. Bank (unten) ist pünklich hat aber die schlechtere Seite. Der frühe Rückstand entscheidet das Rennen

Es war wieder einmal der Bigpoint im Rennen. Auf dem Kurs zeigte das deutsche Boot, dass es durchaus in der Lage wäre, Paroli zu bieten. Einen Vorsprung hätte man gut verteidigen können. Aber der frühe Rückstand war nicht aufzuholen. 35 Sekunden betrug der Rückstand am Ende.

Während die Deutschen auf dem Nordkurs um ihre Ehre kämpften, spielten sich auf dem Südkurs die wirklichen Dramen ab. Victory Challenge musste heute mit einem Sieg gegen die Neuseeländer die geringe Chance für das Halbfinale wahren.

Prompt glänzte Steuermann Magnus Holmberg mit einem hervorragenden Start. Er deklassierte seinen Gegenüber Dean Barker geradezu. Aber der Vorsprung von der Linie war schnell aufgebraucht. Das neuseeländische Schiff segelte bei typischen Seebrisen-Bedienungen um 11 Knoten sehr schnell.

Dennoch gingen die Schweden mit einem knappen Vorsprung um die Luvtonne. Aber die Kiwis hingen vor dem Wind am Heck. Die Schweden sahen sich gezwungen, früh zu halsen. „Wir dachten eigentlich, die Kiwis würden mitgehen“, sagt Taktiker Stefan Rahm. „Wir ließen unsere rechte Seite sehr offen. Aber sie gingen nicht in die Falle.“

Stattdessen wechselten die Neuseeländer die Seite, kamen kurz vor dem Leetor mit Wegerecht auf die Schweden zu und überholten. Es war die Entscheidung.

Live Sailing Die Halse, die Jablonski das Halbfinale bringt. Schweden gibt die linke Seite auf und verliert gegen Neuseeland

Gleichzeitig kämpften einige Meilen dahinter die Spanier mit BMW Oracle um den Sieg. Die zwei Punkte hätte sie sicher in das Halbfinale gebracht. Jablonski startete links, die Amerikaner rechts. „Ich wollte nach links“, sagt Jablonski.

Stratege Louis Doreste sagt allerdings später, dass die rechte Seite angepeilt worden sei. Wie dem auch sei, kurz nach dem Start erwischte Chris Dickson eine 15 Grad Rechtsdrehung und das Rennen war entschieden. Larry Ellison konnte früh das Steuer übernehmen. Er fährt jeweils den Sieg nach Hause, wenn es nicht mehr so knapp werden kann.

„Larry steuert exzellent“, sagt Toni Kolb, der heute in dem wichtigen Rennen für den leicht erkrankten Phil Jameson an Bord war. „Er hat alle Zahlen, die er steuern muss, im Kopf. Er ist wirklich ein smarter Typ.“

Für Karol Jablonski war es ein „ungewohntes Gefühl“, zu verlieren und trotzdem feiern zu können. „Ich habe schon viele Rennen gewonnen, aber der heutige Tag ist etwas ganz Besonderes. Ich werde aber noch Tage brauchen, um diesen Erfolg zu verarbeiten.

Natürlich wäre es schöner gewesen, mit einem Sieg gegen BMW Oracle in das Halbfinale einzuziehen. Aber wir haben es uns auch so wirklich verdient. Morgen kommt aber noch ein Rennen. Danach werden wir richtig feiern, dann zwei Tage Pause machen und dann beginnt di Vorbereitung auf das Halbfinale.“

Ranking after LVC RR2 Flight 10
1 USA 98 BMW ORACLE Racing 37
2 NZL 92 Emirates Team New Zealand 36
3 ITA 94 Luna Rossa Challenge 33
4 ESP 97 Desafío Español 2007 29
5 SWE 96 Victory Challenge 26
6 ITA 99 Mascalzone Latino - Capitalia Team 20
7 RSA 83 Team Shosholoza 18
8 FRA 93 Areva Challenge 17
9 ITA 85 +39 Challenge 10
10 GER 89 United Internet Team Germany 5
11 CHN 95 China Team 3

Ergebnisse


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Themen: Jablonski

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