America´s Cup
Aus für „Platoon“

Audi steigt aus dem erfolgreichen deutschen TP52-Projekt aus. Eigner Harm Müller Spreer verzichtet auf den Neubau.

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 03.12.2008

Platoon Die alte "Platoon" ist nach Portugal verkauft. Der geplante Neubau wurde gestoppt.

Die Finanzkrise hat das deutsche America´s Cup Team erwischt. Audi hat vorerst seine Unterstützung für das „Platoon, powered by Team Germany“-Projekt gestoppt. Eigner Harm Müller Spreer sagte den geplanten Bau der neuen TP52 Yacht ab. Alleine will er die Last nicht tragen. Das alte Schiff ist bereits nach Portugal verkauft.

Jochen Schümann äußert sich enttäuscht über die Entscheidung bei Audi. Die neuen Verträge hätten zur Unterschrift bereit gelegen, die Beteiligten seien guten Willens gewesen, aber dann sei an höchster Stelle wegen der Finanzkrise ein großes Streichpaket beschlossen worden.

„Wir waren nur ein kleiner Teil“, sagt Schümann, aber das ändere nichts am Ergebnis. „Wir hatten nur einen einjährigen Vertrag, der neu verhandelt werden musste.“ Die Titelsponsorschaft der Audi Medcup Serie bleibe bestehen. Der Vertrag läuft über drei Jahre.

Innerhalb kürzester Zeit war das der zweite schwere Schlag für Schümann. Denn vor einer Woche fiel auch die geplante Teilnahme an der Louis Vuitton Cup Series in Auckland dem Rotstift zum Opfer. Die Sponsoren zogen die Zusage für das Budget über geschätzte 400000 Euro zurück.

Auch die weiteren deutschen America´s Cup Ambitionen erhielten in den vergangenen Wochen einen schweren Dämpfer. Nach wie vor ist der Deutsche Challenger Yacht Club (DCYC) für den nächsten Cup gemeldet. Deshalb war Schümann in Valencia, um an den Verhandlungen der Herausforderer mit Alinghi teilzunehmen.

Aber Schümann war beim zweiten Treffen, bei dem Alinghi konkrete Regeln für das nächste Cup-Protokoll diskutierte, nicht mehr anwesend. Michael Scheeren, Chef der Deutschen Challenge AG, an die der DCYC angebunden ist, mahnte zur Zurückhaltung.

United Internet will erst wieder einen Einstieg prüfen, wenn ein diskussionswürdiges Protokoll vorliegt. Nach wie vor ist die BMW Oracle Berufung nicht entschieden. Aber Schümann ist das zu spät. Er kämpft dafür, das Team handlungsfähig zu halten.

„Wenn wir beim nächsten Mal wieder von Null auf Hundert starten müssen, ist der Anschluss für Deutschland an die Spitze verpasst.“ Das Platoon-Projekt habe gezeigt, dass man ganz vorne mitsegeln kann. „Bei dieser Beurteilung der Lage kommen wir einfach nicht auf einen Nenner“, ärgert sich der Skipper über die Diskussionen mit der United Internet Führung.

„Aber ich gebe nicht auf. Wir werden weiter alles versuchen, ein gutes deutsches Team an den Start des nächsten Cups zu bringen.“ Die Chancen, eine gute Rolle spielen zu können, seien für ein junges Team noch nie so gut gewesen wie jetzt.

Denn wenn wirklich mit einem neuen Bootstyp gesegelt werden soll (vermutlich ein 80 Fußer), werden die Karten neu gemischt. Die großen Teams verlieren ihren Erfahrungsvorsprung.


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Themen: Platoon

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