America's Cup
Auf einem Rumpf in die Zukunft: Wer zuletzt lacht …

Sieben Jahre waren hochmoderne Katamarane das Maß der Dinge im America's Cup. Jetzt geht es auf einem Rumpf zurück in die Zukunft – mit Folgen für andere Serien

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 03.10.2017
Gladiator Gladiator Gladiator

52 Super Series/Martinez Studio Gladiator

Der Aderlass war groß, als der America's Cup 2010 auf Mehrrumpfer umstieg. In der Folge wurde 2013 und 2017 auf Hightech-Geschossen mit zwei Rümpfen und Foils um die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports gekämpft. Es ging mehr und mehr um Speed, immer weniger um die Kunst des Duellsegelns. Die Ära der Einrumpfyachten schien beendet. Darunter litten nicht nur viele Segler, deren Arbeitsplätze durch die drastischen Crew-Verkleinerungen weggefallen waren. Auch internationale Serien wie die 52 Super Series oder die World Match Racing Tour verloren namhafte Starter, die sich alternativ und vermehrt andere Serien wie die von Katamaranen geprägte Extreme Sailing Series oder die GC 32 Racing Tour suchten.

ACEA2017/Ricardo Pinto Auf Hightech-Katamaranen mit Foils wurde im Sommer vor Bermuda um den America's Cup gesegelt. Jetzt sind die Geschosse schon wieder Geschichte. Im 36. America's Cup soll es auf großen rassigen Einrumpfyachten um die verschnörkelte Silberkanne gehen

Der schön gemachte Film zeigt noch einmal die Höhepunkte der 52 Super Series 2017 inklusive WM-Sieg des Hamburgers Harm Müller-Spreer und seiner "Platoon"-Crew sowie den Saison-Sieg der italienischen "Azzurra"

Während die 52 Super Series den Katamaran-Kurs im America's Cup dank treuer und weiter interessierter TP52-Eigner gut überstand, stieg die World Match Racing Tour teilweise auf Katamarane um. Zulasten vieler Grade-One-Veranstalter, die schon aus finanziellen Gründen nicht mal so eben ihre Einrumpfflotten gegen die nun plötzlich gefragten Katamarane tauschen konnten.

MCG Matchrace-Veranstalter Eberhard Magg

Parallel zur World Match Racing Tour auf Katamaranen entstand deswegen in diesem Jahr die Match Race Super League, in der sich internationale Matchrace-Veranstalter mit Einrumpfflotten zusammentaten. Sie erhalten nun mit der Neuausrichtung des America's Cup neuen Rückenwind. Weil die neuseeländischen Cup-Verteidiger und ihr italienischer Challenger of Record für die 36. Cup-Auflage wieder auf Monohulls setzen, rücken Serien auf Einrumpfern wieder stärker ins Rampenlicht. "Ich kann sowohl für das Match Race Germany als auch für die Match Race Super League sprechen, wenn ich sage, dass wir die Entscheidung zugunsten von Monohulls im America's Cup sehr positiv bewerten. Die Disziplin Matchrace, also das Duellsegeln in seiner ursprünglichen und einst durch den America's Cup etablierten Form, wird einen enormen Aufwind erleben."

Während die Reaktionen auf den neuen alten Einrumpfkurs im America's Cup sehr unterschiedlich ausfallen und von Buhrufen bis Applaus, von Kommentaren wie "Rückschritt in die Steinzeit" bis zu "Ideal-Entscheidung pro Duellsegeln" und "Ganz im Sinne der weltweiten Mehrheit der auf Einrumpfbooten aktiven Segler" reichen, werden in schon angelaufenen Cup-Kampagnen bereits Entscheidungen pro Einrumpf-Circuits getroffen. Jüngstes prominentes Beispiel dafür, dass sich der Wind wieder gedreht hat, ist Sir Ben Ainslies britisches Cup-Team Land Rover BAR.

ACEA/Gilles Martin-Raget Hat schon die ersten wichtigen Weichen für seine zweite Cup-Jagd unter britischer Flagge gestellt: Sir Ben Ainslie (Land Rover BAR)

52 Super Series/Martinez Studio Künftig mit den Cup-Profis um Sir Ben Ainslie in der 52 Super Series aktiv: Eigner und Steuermann Langley und sein "Gladiator"-Team

Kein Geringerer als der viermalige Olympiasieger und Cup-Gewinner von 2013 selbst wird mit seinen Männern das "Gladiator"-Projekt in der 52 Super Series verstärken, deren amtierende Weltmeister der Hamburger Harm Müller-Spreer und sein "Platoon"-Team sind. Der Ainslie-Langley-Deal ist sowohl für den Eigner als auch für die britischen Cup-Jäger attraktiv und wird nicht der Einzige seiner Art bleiben. Langley bekommt eine Starcrew, die das Segeln auf den rassigen großen 52-Füßern beherrscht, und Ainslie bekommt für sein Team perfekte Trainingsbedingungen. Ainslie sagt: "Die Rückkehr zum Einrumpfsegeln im America's Cup bedeutet, dass die 52 Super Series unserem Team großartige Regattamöglichkeiten bietet. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Tony Langley arbeiten können. Er ist einer der größten Förderer des britischen Segelsports. Das Projekt wird es nicht nur unserem Segelteam, sondern auch den Designern und Performance-Leuten ermöglichen, mit dem Beginn unserer Kampagne für den 36. America's Cup unser Rüstzeug und unsere methodischen Verfahren zu entwickeln." Ein Rumpf ist wieder Trumpf. Mindestens bis zur nächsten Cup-Auflage im Jahr 2021.

52 Super Series/Martinez Studio Mit Tony Langleys "Gladiator"-Team und der prominenten Verstärkung wird in der Saison 2018 zu rechnen sein


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