Regatta-News
„Atlantic“-Rekord wackelt

Zwei Yachten des gegenwärtigen Transatlantik-Rennens liegen erstmals vor der Zeit des besten Schiffs von 1905

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 27.05.2005

Nach vier Tagen auf See lagen die beiden führenden Maxi-Racer „Maximus“ und „Mari-Cha IV“erstmals vor der virtuellen Position, die Charlie Barr mit seinem Schoner „Atlantic“ 1905 zum vergleichbaren Zeitpunkt erreicht hatte.

Nach einer harten Nacht zu Mittwoch mit stürmischem Wind und gigantischen Wellen hatten die Segler einen nördlicheren Kurs eingeschlagen und Kurs auf den Zielpunkt The Lizard vor der englischen Küste genommen, der allerdings noch mehr als 2.000 Seemeilen entfernt liegt.

„Dieses Rennen bietet uns bisher entweder keinen Wind oder zu viel“, berichtet der Steuermann der „Mari-Cha IV“, Mike Sanderson. „In den acht Stunden der Nacht mussten wir den Boots-Speed drosseln, um Materialschäden zu vermeiden, die das Aus hätten bedeuten können.

Sanderson weiter: „Manchmal wird zu leicht vergessen, dass das Rennen über den Atlantik noch lang ist. So haben wir guten Gewissens etwas von unserem Vorsprung auf die ‚Maximus&apos eingebüßt, damit wir sicher in die Phase kommen, wenn die zu erwartenden Halbwind- und Raumschot-Kurse in wenigen Tagen anliegen.“

Zu dem Zeitpunkt segelte der 140-Fuß-Schoner gerade bei Windstärke 8 bei „Überlebensbedingungen“. Derweil hatte sich die „Maximus“ von ihrer größeren Konkurrentin abgesetzt und lag 25 Seemeilen nordwestlich von ihr. In der Entfernung zum Ziel bedeutete das 15 Seemeilen weniger, also auch die Führung in der Grand-Prix-Klasse.

Der Vorsprung ist in den vergangenen Stunden sogar noch gewachsen, denn auf „Mari-Cha IV“ gab es Bruch. Der Schlitten des Großsegels gab in einer Bö auf. Zwischenzeitlich musste die Yacht unter Trysegel ablaufen, damit der Schaden repariert werden konnte. Dies ist notdürftig fürs Erste gelungen. „Mari-Cha IV“ ist zurück auf Kurs und macht wieder 100 Prozent Speed, steht auf der Webpage der Yacht zu lesen.

Auch in der Performance-Cruising-Klasse 1 hielt der britische Zweikampf zwischen der „Leopard of London“ von Mike Slade und Peter Harrisons „Sojana“ an. Die „Leopard“ hatte den Kurs geändert und lag 48 Seemeilen weiter im Nordwesten, allerdings in der gesegelten Distanz nur zwei Seemeilen vom Konkurrenten entfernt.

Im dritten Match-Race zwischen den beiden nun größten Yachten des Feldes (nach der Aufgabe der „Stad Amsterdam“) hatte die 170-Fuß-Ketsch „Drumbeat“ das bessere Ende für sich und führte 57 Seemeilen vor ihrem als Slup geriggten Beinahe-Schwesterschiff „Tiara“.

„Am frühen Morgen brach bei 9 Windstärken der Kopf des Stagsegels“, erzählte „Tiara“-Kapitän Pascal Pellat-Finet. „Das ist nichts Dramatisches, aber wir mussten das Schiff ordentlich abbremsen. Wir warten nun auf besseres Wetter, um ein größeres Segel setzen zu können.“

Steve Frank, Eigner der Swan 112 „Anemos”, sagte, die Mannschaft hätte ihre liebe Mühe mit dem wenigen Wind gehabt, bevor endlich eine steife Brise für die Erlösung sorgte. „Von 11 bis 20 Uhr strahlte der Himmel in Hellblau. Es war ein fantastisches Segelerlebnis. In 40 Jahren habe ich noch nie so viel Wind bei so herrlichem Sonnenschein erlebt.“ Allerdings geriet die „Anemos“ dabei zu weit in den Norden, und nach einer Halse zurück blieb der Wind bald wieder aus. „Seitdem ist es, als habe jemand den Ventilator abgestellt“, klagte Frank.

Während die Bedingungen in den ersten vier Tagen ausgesprochen ungewöhnlich und herausfordernd waren, soll das zum Wochenende anders werden, sagt Ken Campbell von der Firma „Commanders Weather“, die 16 der Teilnehmer berät. „Mittwoch war der letzte Tag des Sturmsystems, weshalb zunächst auch der Start der Regatta um 24 Stunden verschoben worden war und das die Yachten einige Zeit begleitet hat. Die beiden Tiefdruckgebiete verschmelzen jetzt und werden über den Atlantik nach Nordosten abziehen. Am Wochenende sollten alle Boote in den Genuss der von ihnen favorisierten westlichen oder südwestlichen Winde kommen.“

Vor 100 Jahren am vierten Tag ihrer Atlantiküberquerung an Bord des Schoners „Atlantic“ schrieb Frederick Hoyt: „Im Laufe des Nachmittags ließ die Brise immer weiter nach, und beim Sonnenuntergang machten wir kaum noch mehr als drei oder vier Knoten Fahrt. Ein hoher südwestlicher Schwell traf seitlich aufs Schiff und half uns bei dem leichten Wind überhaupt nicht. Im Gegenteil, wir mussten alle Bäume bergen, um Segel und Trimmgeschirr vor Schäden zu bewahren.

Nur noch das Rahsegel und der Raffer zogen überhaupt etwas. Zur großen Verzweiflung aller wurde der Wind noch weniger, und abends hatten wir praktisch keine Ruderwirkung mehr. Es war eine wunderschöne Nacht für Liebespaare und Dampfschiffe, aber für eine Segelregatta nicht zu gebrauchen.“

Mehr Informationen im Internet unter www.transatlanticchallenge.org .


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Themen: EventsRolexTransatlantik-Rennen

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