America's Cup
Artemis vertagt Start-Entscheidung

13 Tage nach dem tödlichen Unfall von Andrew Simpson hat Team Artemis Racing die Entscheidung über den Start im Louis Vuitton Cup vertagt

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 22.05.2013

Team Artemis Racing hat lange um den verstorbenen Teamkameraden Andrew Simpson getrauert und tut es weiter. Kaum ein Wort drang in den vergangenen knapp zwei Wochen aus dem Camp, kein Kommentar zur Sicherheitsdebatte, keine Aussage zur Fortführung der Kampagne. Am 16. Mai fand die Trauerfeier für Simpson statt, der am 9. Mai beim verheerenden Crash des Artemis-Katamarans in der Bucht von San Francisco unter dem Wrack begraben worden war und ertrank.

Erik Simonson /www.pressure-drop.us Das Wrack von Artemis Racing nach der Kenterung

Nun hat sich CEO und Taktiker Paul Cayard erstmals wieder öffentlich gemeldet. Seine klare Botschaft: "Artemis hat die Arbeit wieder aufgenommen. Wir werden aber nur am Rennen teilnehmen, wenn unser Segelteam glaubt, dass es die AC72 sicher segeln kann."

Die Wiederherstellung dieses Vertrauens, so Cayard, sei abhängig von vielen Kriterien. Zu den wichtigsten zählen aus seiner Sicht die neuen Sicherheitsstandards und Regeländerungen, die von den America's-Cup-Organisatoren und Teilnehmern eingeführt werden sollen.

ACEA/Guilain Grenier Vertreten die Veranstalter und Organisatoren: Regattadirektor Iain Murray (l.) und Tom Ehman (Golden Gate Yacht Club)

Cayard ging in seinem Statement auch auf die immer noch laufenden Untersuchungen zu Unfallhergang und Unfallursachen ein: "Wir sind noch dabei, unsere eigene Untersuchung durchzuführen. Ich kann gut verstehen, dass draußen Frustration herrscht, weil es noch immer viele unbeantwortete Fragen zum Unfall gibt. Es war aber nun einmal ein sehr komplexer Vorfall. Wir wollen ihm die Zeit, den Respekt und auch die Professionaliät widmen, die ihm gebührt. Wir danken also allen für ihre andauernde Geduld in diesem Prozess."

In der Zwischenzeit hatte der wortgewaltige Luna-Rossa-Boss Patrizio Bertelli seine Rücktrittsdrohung noch einmal nachdrücklich unterstrichen. In einem Interview mit dem italienischen Blatt "La Stampa" sagte er: "Wir wollen bestimmte Zusicherungen. Es muss eine formale Verpflichtung geben, einige Dinge zu ändern. Wir müssen die Bedingungen zum Regattasegeln haben. Sonst werden wir nicht teilnehmen.(...) Wir werden nicht bei einem Schlachtfest dabei sein. Ich hoffe, dass die Organisatoren, dass Oracle, der Verteidiger, versteht."

Giles Martin Raget Ein Bild aus glücklichen Cup-Tagen: Vor 13 Jahren gewannen Bertelli, Francesco di Angeles und Luna Rossa den Louis Vuitton Cup

Bertelli beantwortete auch gleich noch die Frage, warum er Oracle direkt angreift: "Sie haben die Herausfordererserie, den Louis Vuitton Cup, in die Monate Juli und August gelegt – eine Zeit, in der es in der Bucht von San Francisco sehr windig ist. Das America's-Cup-Finale dagegen findet im September mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 15 Knoten statt. Sie sind da und sehen dabei zu, wie wir uns abschlachten, alles kaputtmachen – und warten. Nein, wir werden nicht dort sein." Bertelli hat sich gegen die bestehenden Windlimits von 25 Knoten für die Herausfordererrunde, 28 Knoten für das Herausforderer-Finale und 33 Knoten für den America's Cup ausgesprochen, fordert eine Reduzierung auf 20 und 25 Knoten.

Allein Team New Zealand, Top-Favorit unter den nur drei Herausforderern im 34. America's Cup, hält sich bedeckt. Teamchef Grant Dalton ließ durchblicken, dass sein Team beim Bau der Boote Zugeständnisse an stärkere Winde gemacht habe und nun hofft, "dass die Teams nicht ihr Umfeld manipulieren, um sich mit den angestrebten Regeländerungen selbst einen Gefallen zu tun". Sein Team, so Dalton, würde nicht zögern, aufs Wasser zu gehen. Dalton zeigt mit seinen Äußerungen die Problematik auf, vor der die Veranstalter nun stehen: Einerseits kann man Spielregeln nicht mitten im Wettbewerb ändern. Andererseits muss auf den tödlichen Unfall zugunsten von mehr Sicherheit für die Teilnehmer reagiert werden.

Chris Cameron/ETNZ Komplett: der AC72-Bolide von Team New Zealand


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