America's Cup
"Artemis" kentert vor Göteborg

Der AC45F-Katamaran des schwedischen Teams ist im Training für die am Samstag startende ACWS-Regatta gekentert. Die Crew ist wohlauf

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.08.2015

ACEA/GILLES MARTIN RAGET Zuschauer und Segler waren sich schon am Trainingstag in Göteborg einig: Das Segeln mit den AC45F-Katamaranen war ein rasendes Vergnügen

In Winden um 20 Knoten und teilweise starken Böen ist das schwedische Team Artemis Racing am Freitag im Training zur Regatta der America's-Cup-Weltserie vor Göteborg gekentert. Die Crew blieb dabei unverletzt. Der australische Skipper Nathan Outerridge sagte: "So sind diese Boote. Wir alle geben da draußen mächtig Gas. Und das passiert dann, wenn du zu viel Gas gibst. Wir sind schon ein bisschen enttäuscht, dass wir die Trainingsrennen nicht mitsegeln konnten." Auf die Frage, was er im Moment der Kenterung gemacht habe, sagte Outerridge: "Du schaust nur noch nach, wo du dich festhalten kannst." Das Flügelsegel des schwedischen AC45F-Katamarans wurde bei der Kenterung leicht beschädigt, soll aber heute zum Start der Rennen der Weltserie wieder einsatzfähig sein.

Sander van der Borch Die Crew blieb bei der Kenterung unversehrt, das Flügelsegel wurde leicht beschädigt. Das Team Artemis Racing verpasste beide Trainingsrennen

Auch das Emirates Team New Zealand verpasste die Trainingsrennen und ärgerte sich darüber. Sailing Team Manager Glenn Ashby sagte: "Wir hatten ein Rigging-Problem und mussten in den Hafen zurückkehren. Das war ein bisschen frustrierend, denn wir hätten diese Hochgeschwindigkeitsrennen schon sehr gerne mitgesegelt. Wir alle lieben diese Boote in guten Segelbedingungen, und heute war es mit flachem Wasser und guten Winden einfach perfekt. Aber das Wetter soll am Wochenende gut sein, und wir freuen uns auf die Wettfahrten."

Auch Sir Ben Ainslies britisches Team Land Rover BAR entging der Kenterung in den haarigen Bedingungen nur knapp, als sich vor den Rennen einmal beide Bugspitzen in die recht flachen, aber dennoch ruppigen und von Schaumkronen übersäten Wellen gebohrt hatten. Doch die Mannschaft konnte ihr Boot gerade noch unter Kontrolle bringen.

Sir Ben Ainslies Team Land Rover BAR gewann am Freitag eine der Trainingsregatten und startet mit dem gerade erst von der Testregatta in Rio zurückgekehrten Taktiker und Olympiafavoriten Giles Scott in die zweite Regatta der America's Cup Weltserie vor Göteborg.

"Wir bewegen uns ständig an den Grenzen", sagte Oracles Skipper Jimmy Spithill, "auf den Einrumpfyachten früher konnte man noch mit Fehlern davonkommen. Auf den ersten Katamaranen dann schon nicht mehr so ganz. Aber jetzt, auf diesen Booten mit ihren Foils, bezahlt man für jeden noch so kleinen Fehler. Mann, das ist echt hart! Du musst es perfekt hinkriegen, sonst zerreißt es dich."

Atemberaubende Start- und Jagdszenen

Der Faszination dieser rasenden Zweirümpfer kann man sich als Zuschauer nur schwer entziehen: In den beiden Testrennen waren atemberaubende Start- und Jagdszenen auf dem Revier vor dem Göteborger Hafen zu sehen. Die Teams erreichten Bootsgeschwindigkeiten von bis zu 39 Knoten, während sie ganze Bahnabschnitte auf ihrem Foils über den Kurs "flogen". Die erste Wettfahrt gewann das Oracle Team USA vor dem neuen SoftBank Team Japan mit Skipper Dean Barker, dem französischen Team Groupama mit Franck Cammas und Land Rover BAR mit Sir Ben Ainslie. Im zweiten Rennen drehten Ainslie, sein Taktiker und Olympiafavorit Giles Scott und die Crew den Spieß um, erkämpften sich nach kurzzeitigem Rückstand mit geschickter Positionierung die Führung und gaben die bis ins Ziel nicht mehr ab.

Lloyd Images/Land Rover BAR Sir Ben Ainslie so entschlossen, wie man ihn aus seinen olympischen Zeiten kennt. 49er- und Artemis-Steuermann Nathan Outerridge (rechts von Ainslie) hatte mit der Kenterung seines Teams einen weniger guten Tag

Auffällig entspannt und heiter präsentierten sich in Göteborg Dean Barker und das neu formierte japanische Team SoftBank bei der zweiten Regatta der Weltserie nach dem Auftakt vor Portsmouth vor einigen Wochen. Mit zwei zweiten Plätzen in den Testrennen und vielen fehlerlosen Manövern deuteten sie an, wie steil ihre Lernkurve schon jetzt verläuft. Lange war Barker nicht mehr so entspannt zu sehen und zu hören. Der Neuseeländer sagte: "Diese Boote machen einfach so viel Spaß zu segeln. Was war das nur für ein cooler Tag heute da draußen!"

Zuschauen am Wochenende

Wer nicht in Göteborg sein und die Rennen live erleben kann, der hat es als deutscher America's-Cup-Fan zunächst etwas schwerer als die Zuschauer in anderen Ländern, wo große Fernsehsender wie NBC/NBCSN (USA), BT Sport (England) oder Canal+ (Frankreich) die Übertragungsrechte erworben haben. In Deutschland gibt es noch keinen TV-Rechteinhaber. Auf der America's-Cup-Homepage wird genau erklärt, wer in welchem Land die Rennen wie live sehen kann. Wer von TV-Plänen unabhängig sein und selbst entscheiden will, wann und wie viel er schaut, der kann sich bei Google Play oder iTunes die America's-Cup-App für Android und iOS-Mobilgeräte herunterladen. Die App ist für Nachrichten, Fotos und Ergebnisse kostenlos. Ein kostenpflichtiges zusätzliches Premium-Angebot der App (AC+) ermöglicht den Zugang zu den Live-Übertragungen der Rennen in Göteborg und weiteren Extras für 7,99 US-Dollar.

Lloyd Images/Land Rover BAR Hochgeschwindigkeitssegeln wie auf einer Autobahn aus Wasser: Die Segler und Zuschauer genossen das


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Themen: America's CupAmerica's-Cup-WeltserieArtemis RacingDean BarkerFranck CammasGöteborgJimmy SpithillLand Rover BAROracle Team USASir Ben AinslieTeam France

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