Regatta-News
ARC-Start bei Bilderbuchwetter

Atlantic Rally for Cruisers 2005

  • Olaf Schmidt
 • Publiziert am 21.11.2005

Start der Cruiser

Die Wetterfrösche hatten Regen prophezeit, doch der kam beim Start zur 20. Atlantic Rally for Cruisers am Sonntag nicht: Bestenfalls die Gipfel von Gran Canaria dürften ein paar Tropfen abbekommen haben.

Um 12.40 Uhr UTC ging die Gruppe der Racer über die Startlinie vor dem Hafen von Las Palmas, spektakuläre Positionskämpfe blieben dabei aus. 20 Minuten später folgten die Cruiser. Dabei ging es in den ersten Minuten an der Startlinie sehr eng zu, hier schenkten sich viele ambitionierte Crews keinen Meter. Yachten, deren Crew es ruhiger lieben, verzichteten auf einen Nullstart und gingen bis zu einer Viertelstunde später über die Linie.

Trotz allgemeiner Westwindlage herrschten in Lee der Insel den ganzen Tag über östliche Winde zwischen 8 und 15 Knoten. Bereits in der ersten halben Stunde schenkte die Thermik dem Regattafeld gar einen herrlichen Raumschots-Kurs, was den zahlreichen Zuschauern einen Horizont voll Spinnakern und Blister bescherte. Sobald das Feld die lokalen Windsysteme der Kanarischen Inseln verlassen hat, werden die Yachten, so die Vorhersage, ganz untypisch, auf leichte westliche Winde treffen. Dann steht für die Skipper die Frage an: Nord- oder Südroute? Von ursprünglich 231 gemeldeten Yachten waren 229 tatsächlich in Las Palmas erschienen, 223 haben zum Start ausklariert, 220 gingen tatsächlich auf die Reise.

Start der Racer

Die 28 Yachten der Racing Divisions müssen die 2.700 Meilen bis St. Lucia allein unter Segeln bewältigen. Bei den 202 Teilnehmern der Cruising Divisions ist dagegen Motoren erlaubt, wird jedoch mit Strafzeit belegt. Ungestraft motoren darf die "Timeless", eine DeVries-Lentsch 1820 aus den USA, als einziger Teilnehmer in der Gruppe der Motoryachten. Den kürzesten Rumpf hat die schwedische "Grace", eine Kings Cruiser 33. Größtes Schiff im Feld ist mit fast 32 Metern die "Kalikobass II" aus Russland.

Mit der Teilnahme von 20 Katamaranen zwischen 38 und 58 Fuß stellt die diesjährige ARC gar einen Höhepunkt dar. Zwölf Yachten nutzen die ARC als Auftakt oder Teil einer Weltumsegelung. 21 Teilnehmer haben einen deutschen Heimathafen am Heck stehen, doch das sind längst nicht alle: Diverse deutschsprachige Crews, auch aus Österreich und der Schweiz, sind mit gecharterten Yachten unterwegs, die logischerweise unter der Flagge des Vercharterers laufen.

Überhaupt ist Chartern eine inzwischen sehr verbreitete Art, um die erste Atlantiküberquerung zu bewältigen. Auf dem Katamaran "Alkedo", einer Lagoon 55, beispielsweise wollen die fünf zahlenden Gäste des Skipperpaares auch herausfinden, wie sich ein großer Kat auf hoher See verhält. Die Erfahrungen werden dann wohl großen Einfluss auf die Wahl des nächsten Schiffes haben. Auf der "Arkadi", einer Gib’Sea 47.2, die ebenfalls im Kojencharter an der Rally teilnimmt, ist dagegen der Reiz der Weite des Atlantiks die treibende Kraft bei allen sechs Gästen. Größter Pechvogel dürfte die Yacht "Jonga" aus Hamburg sein, sie bekam den neuen Großmast nicht mehr rechtzeitig geliefert und konnte daher, allein mit dem Besan bestückt, den Start nur als Zuschauer verfolgen. Andere Yachten hatten mehr Glück: Dank mehrerer gut ausgestatteter Schiffsausrüster im Hafen konnten sie nicht nur die Sicherheitsausstattung auf den zur Teilnahme geforderten Stand bringen, sondern auch strukturelle Schäden an Schiff und Ausrüstung beheben.

Die Crew der niederländischen"Formidable 3" schraubte noch am Tag vor dem Start am Großbaum und laminierte an den Säulen der Ruderanlage. Bei den Briten auf "Spirit of Juno" brachte das letzte Crewmitglied noch zwei Tage vor dem Start wichtige Ersatzteile für den Motor mit. Deren Einbau gelang dank der tatkräftigen Hilfe anderer Segler gerade noch rechtzeitig. Die Crew dieser Yacht der Racing Division besteht übrigens ausnahmslos aus Invaliden: Sie wollen zeigen, dass eine Prothese kein Grund ist, bei Regatten hinterher zu fahren.

In zwei bis drei Wochen erwartet die Regattaleitung die Teilnehmer in St. Lucia, die Ziellinie bleibt bis zum 16. Dezember ausgelegt.

Weblink: http://arc.worldcruising.com


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Themen: Atlantic Rally for CruisersEventsRegattaStart

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